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Failure of passive transfer (Pferd)

Synonyme: Ungenügende Versorgung mit Kolostrum, FPT

1 Definition

Als failure of passive transfer, kurz FPT, bezeichnet man die Aufnahme einer zu geringen Menge Kolostrums oder eines qualitativ minderwertigen Kolostrums mit daraus resultierender Hypogammaglobulinämie beim Fohlen.

2 Epidemiologie

FPT tritt bei mehr als 10 % aller Fohlen auf. Klinisch manifeste Erkrankungen betreffen v.a. Fohlen unter einem Lebensmonat.

3 Ätiologie

Ein FPT kann aus unterschiedlichen Gründen erfolgen. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Stuten-assoziierten und Fohlen-assoziierten Auslösern.

Zu den Stuten-assoziierten Auslösern gehören:

Zu den Fohlen-assoziierten Auslösern gehören:

4 Physiologie

Aufgrund des hohen Immunglobulingehalts ist das Kolostrum für die Ausbildung einer passiven Immunität in der ersten Lebensphase wichtig. Bei Fohlen ist eine ausreichende Versorgung mit Kolostrum essenziell, da die Plazenta keinen pränatalen Transfer von Immungloublinen erlaubt. Aus diesem Grund sind Neugeborene auf die Aufnahme ausreichender Mengen an Kolostrum angewiesen, um besonders in der ersten Phase ihres Lebens einen ausreichenden Schutz aufweisen zu können.

Am Ende der Trächtigkeit setzt bei der Stute die Laktation ein. Der Beginn der Laktogenese kann anhand eines prallen Euters und der Bildung von sogenannten "Harztropfen" (eingetrocknetes Sekret an den Zitzen) erkannt werden. Das Kolostrum unterscheidet sich dabei von der herkömmlichen Stutenmilch v.a. durch eine unterschiedliche Zusammensetzung und dem höheren Gehalt an Immunglobulinen (v.a. IgG, IgM und IgA). Qualitativ hochwertiges Kolostrum erscheint daher sahneartig, ist dickflüssig und sollte ein spezifisches Gewicht von > 1.060 aufweisen (entspricht einer IgG-Konzentration von > 30 g/Liter). Die meisten Stuten produzieren zwischen 1,8 und 2,8 Liter Kolostrum.

Nach erfolgreicher Aufnahme von ausreichenden Mengen eines qualitativ hochwertigen Kolostrums beträgt der IgG-Gehalt im Fohlenserum nach 24 Stunden mehr als 8 g/l. Die IgG-Konzentration steigt dabei von 0,3 g/l (präkolostral) innerhalb von 5 bis 8 Stunden auf 9,6 g/l (postnatal) und erreicht 13 bis 16 Stunden postnatal mit 15,7 g/l den höchsten Wert.

5 Pathophysiologie

Nimmt das Fohlen aufgrund unterschiedlicher Auslöser eine ungenügende Menge an Kolostrum auf, ist die Ausbildung einer passiven Immunität nur bedingt möglich. Da die Tiere einem ständigen Erregerdruck unterliegen, entwickeln sie unterschiedliche Krankheitsbilder, v.a. aber respiratorische Erkrankungen (z.B. Pneumonien), septische Polyarthritiden und Septikämien.

6 Klinik

Aufgrund des fehlenden Immunschutzes kommt es zu verschiedenen Erkrankungen, die sich unterschiedlich klinisch manifestieren. Häufig leiden die Neugeborenen an Husten, Dyspnoe, Fieber (oder auch Hypothermie) und geschwollenen Gelenken. Unbehandelt kommt es rasch zur Sepsis und zum plötzlichen Verenden.

7 Diagnose

Das Kolostrum von Stuten sollte nach der Geburt mittels verschiedener Verfahren auf Qualität untersucht werden:

Methode Messgröße entspricht IgG-Gehalt
Kolostrometer 1.060 > 30 g/l
Zucker-Refraktometer 23 % > 60 g/l
Alkohol-Refraktometer 16° > 60 g/l
Glutaraldehyd-Koagulationstest solides Koagulum binnen 10 Minuten > 38 g/l

Bei Verdacht auf eine ungenügende Kolostrumaufnahme sollte im Blut des Fohlens 18 bis 24 Stunden nach der Geburt die IgG-Konzentration gemessen werden. Hierfür stehen unterschiedliche quantitative sowie semiquantitative Messverfahren zur Verfügung (z.B. mittels ELISA-basierten Schnelltests, Densimeter, Refraktometer oder Agglutinationstests).

8 Therapie

Lebens- sowie trinkschwache Fohlen müssen aktiv zum Trinken animiert werden (z.B. zum Euter führen u.ä.). Ist eine ausreichende Kolostrumaufnahme nicht sicher zu stellen, sind betroffene Fohlen mit einem Hyperimmunserum oder mit Plasma zu behandeln.

Kann die Stute nicht ausreichend Kolostrum produzieren, muss das Euter manuell massiert und die Laktation mit Dopamin-Antagonisten stimuliert werden. Die Fohlen sind zwischenzeitlich mit Ersatzkolostrum zu versorgen.

9 Literatur

  • Fey K, Kolm G (Hrsg.). 2011. Fohlenmedizin. Stuttgart: Enke Verlag in Georg Thieme Verlag KG. ISBN: 978-3-8304-1151-2
  • Aurich C (Hrsg.). 2009. Reproduktionsmedizin beim Pferd. Gynäkologie - Andrologie - Geburtshilfe. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Parey-Verlag. ISBN: 978-3-8304-4179-3
  • Brehm W, Gehlen H, Ohnesorge B, Wehrend A (Hrsg.). 2017. Handbuch Pferdepraxis. 4., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Enke Verlag in Georg Thieme Verlag KG. ISBN: 978-3-13-219621-6

Diese Seite wurde zuletzt am 31. März 2021 um 18:21 Uhr bearbeitet.

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