ENaC-Inhibitor
Synonym: ENaC-Hemmer
Englisch: ENaC inhibitor
Definition
ENaC-Inhibitoren sind Arzneistoffe, die den epithelialen Natriumkanal (ENaC) im distalen Tubulus in der Niere hemmen. Sie zählen funktionell zu den kaliumsparenden Diuretika.
Wirkmechanismus
Am distalen Tubulus und im kortikalen Sammelrohr vermittelt ENaC den Natriumeinstrom (Na+) aus dem Tubuluslumen in die Hauptzellen. Dadurch wird dem Tubuluslumen positive Ladung entzogen, sodass ein lumen-negatives transepitheliales Potential entsteht. Diese Depolarisation fördert den Kaliumausstrom (K+) durch apikal gelegene Kaliumkanäle (vor allem ROMK und BK), was die renale Kaliumsekretion antreibt. Durch die Inhibition von ENaC wird so die Natriurese gesteigert und die Kaliurese reduziert.
Wirkstoffe
Indikationen
- Liddle-Syndrom: ENaC-Inhibitoren sind die Therapie der Wahl bei diesem seltenen monogenen Hypertonie-Syndrom, da die Pathophysiologie auf einer Überaktivierung des ENaC beruht.
- Primärer Hyperaldosteronismus: Als therapeutische Alternative, wenn Mineralokortikoidrezeptorantagonisten (MRA) kontraindiziert sind, etwa bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz oder in der Schwangerschaft.
- Resistente Hypertonie: ENaC-Inhibitoren können insbesondere bei Patienten mit niedrigem Reninspiegel wirksam sein. Sie werden auch als Zusatz zu Thiaziddiuretika eingesetzt, um eine Hypokaliämie zu vermeiden.
Experimentell werden ENaC-Inhibitoren bei Mukoviszidose eingesetzt. Mutationen des CFTR-Gens führen bei dieser Erkrankung zu einer Dysregulation mit erhöhter ENaC-Aktivität und gesteigerter Natriumabsorption im respiratorischen Epithel. Dadurch wird dem Oberflächenfilm der Atemwege Wasser entzogen, was die Dehydratation und erhöhte Viskosität des Sekrets begünstigt.
Quellen
- Shei et al., The epithelial sodium channel (ENaC) as a therapeutic target for cystic fibrosis, Current Opinion in Pharmacology, 2018
- synapse.patsnap.com – What are ENaC blockers and how do they work, abgerufen am 19.01.2026