Dermatophilose
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LoslegenSynonym: Regenfäule
Englisch: dermatophilosis
Definition
Die Dermatophilose ist eine seltene bakterielle Hautinfektion durch den grampositiven, filamentösen Aktinomyzeten Dermatophilus congolensis. Sie tritt überwiegend bei Tieren (siehe Dermatophilose Pferd) auf, kann jedoch auch den Menschen betreffen.[1]
Ätiopathogenese
Dermatophilus congolensis besiedelt die Epidermis. Die Infektion entsteht meist nach einer Störung der Hautbarriere, insbesondere durch Mikrotraumata, Feuchtigkeit oder Insektenstiche. Historisch wurden humane Infektionen vor allem mit Tierkontakt in Verbindung gebracht, wobei die Erkrankung als unterdiagnostiziert gilt.[2] Die europäischen Cluster 2025–2026 sprechen jedoch für eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung durch engen Hautkontakt, einschließlich sexueller Kontakte und Kontaktsport. Betroffen sind insbesondere Männer, die Sex mit Männern haben. Eine indirekte Übertragung über kontaminierte Oberflächen oder gemeinsam benutzte Gegenstände ist nicht ausgeschlossen.[3] Ergänzend berichtet auch das Robert Koch-Institut über diese Fälle.[4]
Die Erkrankung ist vor allem in tropischen und subtropischen Regionen beschrieben.[5] Auch autochthone humane Infektionen in Europa wurden beobachtet.[6]
Symptome
Das klinische Bild ist variabel. Möglich sind:
- erythematöse, exsudative und schuppende Hautveränderungen
- Papeln und Pusteln[7]
- follikuläre Läsionen bzw. Follikulitis
- Krustenbildung
- intertriginöse Läsionen mit Mazeration und Fissuren
- Pitted keratolysis
- selten subkutane Knoten, insbesondere bei Immunsuppression[7]
Die Infektion kann asymptomatisch verlaufen oder spontan abheilen. Rezidive sind möglich, insbesondere bei anhaltender Feuchtigkeit.
Diagnostik
Bei entsprechenden Hautveränderungen sollte eine Dermatophilose auch ohne Tierkontakt differentialdiagnostisch berücksichtigt werden, insbesondere nach engem Hautkontakt bei sexuellen Aktivitäten oder dem Besuch sexpositiver Saunen.[3]
Die Diagnose erfolgt durch den direkten Erregernachweis aus Krusten oder Hautmaterial. Im Grampräparat zeigen sich charakteristische verzweigte, filamentöse Strukturen mit in parallelen Längsreihen angeordneten Kokken, die ein schienenartiges Muster ergeben ("railroad tracks").[8]
Eine kulturelle Anzucht ist möglich. Zur Speziesidentifikation können molekularbiologische Verfahren, insbesondere 16S-rRNA-Sequenzierung, eingesetzt werden.
Differentialdiagnosen
Je nach klinischem Erscheinungsbild kommen insbesondere infrage:
- Bakterielle Follikulitis
- Impetigo
- Dermatophytose
- andere bakterielle Dermatosen
- ekzematöse Dermatosen
- bei nodulären Läsionen tiefe bakterielle oder mykotische Infektionen
Therapie
Die Behandlung richtet sich nach Ausdehnung und Schweregrad der Infektion. Trocknung und lokale Hautpflege sind wichtige Maßnahmen, da feuchte Haut die Persistenz der Infektion begünstigt.
Lokale Antiseptika können eingesetzt werden. Bei ausgedehnten, persistierenden oder schweren Infektionen kann eine systemische antibiotische Therapie erforderlich sein. Die Auswahl sollte möglichst nach mikrobiologischem Erregernachweis und Resistenztestung erfolgen, da für D. congolensis keine etablierten klinischen Breakpoints vorliegen.[9]
Humane Infektionen können spontan abheilen. Bei bestätigter Dermatophilose empfiehlt das ECDC dennoch eine Behandlung, da diese weitere Übertragungen reduzieren könnte. Je nach Befund kommt eine lokale oder systemische antibiotische Therapie infrage.[3]
Prävention
Prognose
Bei immunkompetenten Patienten ist die Prognose meist gut. Die Hautveränderungen können spontan abheilen. Persistierende Feuchtigkeit begünstigt einen chronischen oder rezidivierenden Verlauf. Bei Immunsuppression sind selten schwerere Verläufe möglich.
Quellen
- ↑ Zaria, Dermatophilus congolensis infection (Dermatophilosis) in animals and man! An update, Comp Immunol Microbiol Infect Dis, 1993
- ↑ Amor et al., Is infection by Dermatophilus congolensis underdiagnosed?, J Clin Microbiol, 2011
- ↑ 3,0 3,1 3,2 3,3 ECDC: Rapid risk assessment – Clusters of dermatophilosis in five EU/EEA countries in 2025–2026, abgerufen am 10.09.2026
- ↑ Robert Koch-Institut (RKI). Epidemiologisches Bulletin 22/2026, abgerufen am 10.09.2026
- ↑ Towersey et al., Dermatophilus congolensis human infection, J Am Acad Dermatol, 1993
- ↑ ECDC: Communicable disease threats report, 15–21 August 2026, week 34, abgerufen am 09.09.2026
- ↑ 7,0 7,1 Burd et al., Pustular dermatitis caused by Dermatophilus congolensis, J Clin Microbiol, 2007
- ↑ Lim et al., Answer to October 2016 Photo Quiz, J Clin Microbiol, 2016
- ↑ Descalzo et al., Suspected Sexual Transmission of Dermatophilosis among Men Who Have Sex with Men, Barcelona, Spain, 2025-2026, Emerg Infect Dis, 2026