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Deckzeitbestimmung (Hund)

Synonym: Bestimmung des optimalen Decktermins

1 Definition

Unter einer Deckzeitbestimmung versteht man verschiedene tierärztliche Untersuchungen, die eine Bestimmung des Sexualzyklus und somit auch des optimalen Decktermins der Hündin ermöglichen.

2 Indikationen

Die Belegung einer Hündin hat dann die größte Aussicht auf einen Erfolg, wenn sie gegen Ende der Ovulation stattfindet. Eine Deckzeitbestimmung kann bei verschiedenen Fragestellungen durchgeführt werden. Die häufigsten Indikationen zur Bestimmung des optimalen Deckzeitpunktes sind:

  • künstliche Besamung mit Frischsperma, gekühltem Sperma oder Gefriersperma
  • Zuchthündinnen, die bei der letzten Besamung leer geblieben sind, kleine Würfe gebracht haben oder oder bei denen eine Besamung mit qualitativ suboptimalem Sperma gewünscht wird
  • wenn der Geburtstermin möglichst genau vorhergesagt bzw. geplant werden soll
  • wenn ein Natursprung mit hohen Kosten (z.B. Anreise, Voruntersuchungen, usw.) verbunden ist und deshalb zum optimalen Zeitpunkt erfolgen soll, um die Chancen auf eine Trächtigkeit erhöhen zu können

3 Untersuchungsmethoden

Eine Deckzeitbestimmung kann nur unter Zuhilfenahme verschiedener Untersuchungsmethoden erfolgen. Bei den verschiedenen diagnostischen Verfahren handelt es sich um indirekte Methoden, die sich entweder an Strukturveränderungen der Vagina nach Einwirkung erhöhter Östradiolspiegel während des Proöstrus, oder am Progesteronanstieg kurz vor der Ovulation orientieren.

Da das zeitliche Auftreten verschiedener Ereignisse in Bezug auf die Ovulation großen Schwankungen unterliegt, ist die Bestimmung des optimalen Decktermins lediglich ein Richtwert, jedoch keine Garantie auf eine erfolgreiche Belegung. Um eine möglichst genaue Aussage treffen zu können, werden verschiedene Untersuchungsmethoden durchgeführt und deren Ergebnisse miteinander verglichen. Da keine der diagnostischen Möglichkeiten absolut zuverlässig ist, sollten stets alle Verfahren angewendet werden, um den bestmöglichen Erfolg zu erzielen. Neben einer gründlichen Anamnese und und einer klinischen Untersuchung sollte eine gynäkologische Untersuchung und folgende drei Diagnoseverfahren durchgeführt werden:

3.1 Vaginoskopie

Die vaginoskopische Untersuchung ist einfach durchführbar und erlaubt eine präzise Aussage zum aktuellen Hormonstatus. Die Felderung der Vaginalschleimhaut beginnt etwa 3 Tage vor der Ovulation, nimmt stetig zu und klingt ab dem 2. Tag post ovulationem wieder ab. Die Vaginoskopie sollte mit einem angewärmten Spekulum und einer Lichtquelle durchgeführt werden. Es werden folgende Parameter erhoben:

  • Form der Portio vaginalis cervicis
  • Öffnungsgrad der Portio vaginalis cervicis
  • Farbe und Feuchtigkeit der Vagina und der Zervix
  • Beurteilung des Sekrets im äußeren Genitaltrakt
  • Beurteilung des Ödematisierungsgrades und der Fältelung der Schleimhaut (gering- bis hochgradig, Längs- bzw. Querfältelung)

3.2 Vaginalzytologie

Neben den makroskopischen Veränderungen der Vagina und Zervix unterliegt auch die Mukosa großen hormonellen Einflüssen. Je nach Zyklusstand variiert ihr Erscheinungsbild von hellrosa, feucht-glänzend und kaum gefältelt (Anöstrus) bis blass, hyperplastisch, maximal gefeldert, matt-pappig und klebrig (Östrus). Aufgrund der Veränderungen der Mukosa ändert sich auch das Zellbild, sodass die Zelltypen auch zur Bestimmung des Zyklusstandes herangezogen werden können.

Die vaginalzytologische Untersuchung erfolgt im Anschluss an die Vaginoskopie, wobei ein steriler Tupfer in das Spekulum eingeführt und durch mäßigen Druck am dorsalen Scheidendach die obersten Zellen abgetragen werden. Das entnommene Zellmaterial kann dann auf einen Objektträger ausgestrichen, fixiert, gefärbt (z.B. Giemsa-Färbung) und mikroskopisch beurteilt werden. Sind mehr als 80 % der Superfizialzellen verhornt, kann sofort eine Belegung durchgeführt werden. Die maximale Verhornung des Vaginalepithels ist bei rund 75 % der Hündinnen am Tag der Ovulation erreicht. Da jedoch auch große Schwankungen möglich sind, sollte man sich nicht alleine auf das vaginalzytologische Bild verlassen.

3.3 Progesteronbestimmung

Die Messung der Progesteronkonzentration ist die zuverlässigste Methode für die Eingrenzung des optimalen Deckzeitpunktes. Die Progesteronkonzentration steigt bereits gegen Ende des Proöstrus an und erreicht zum Zeitpunkt der Ovulationen regelmäßig Werte um 3 bis 5 ng/ml.

In der Praxis hat sich folgendes Schema bewährt: Nach dem Eintritt der Läufigkeit wird die Hündin jeden 2. Tag vaginoskopiert und vaginalzytologisch beurteilt. Sobald der Verhornungsgrad der entnommenen Zellprobe 50 % erreicht hat, wird zusätzlich alle 2 Tage Blut entnommen, zentrifugiert und Serum oder Plasma zur Bestimmung der Progesteronkonzentration herangezogen. Erreicht die Konzentration die Grenze von 4 ng/ml, ist der Ovulationszeitpunkt erreicht und die Hündin kann belegt werden. Da die ovulierten Eizellen jedoch weitere 2 bis 3 Tage zur Reifung beanspruchen, kann die Belegung auch erst am Folgetag erfolgen. Bei der Beurteilung der Progesteronkonzentrationen müssen die tagesabhängigen Konzentrationschwankungen berücksichtigt werden.

4 Literatur

  • Hans G. Niemand (Begründer), Peter F. Suter, Barbara Kohn, Günter Schwarz (Herausgeber). Praktikum der Hundeklinik. 11., überarbeitete und erweiterte Auflage. Enke-Verlag, 2012.

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