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Chagas-Krankheit

Synonym: amerikanische Tryposomiasis

1 Definition

Unter der Chagas-Krankheit versteht man eine Erkrankung, die durch eine Infektion mit Trypanosoma cruzi hervorgerufen wird.

2 Entwicklungszyklus

Haus- und Wildtiere stellen das Erregerreservoir für Trypanosoma cruzi dar. Raubwanzen sind die Vektoren, die die Erreger über eine Blutmahlzeit aufnehmen.

In der Raubwanze werden verschiedene Entwicklungsstadien durchlaufen, wobei die infektiöse Form über den Kot der Wanzen ausgeschieden wird. Nach dem Kontakt mit dem Kot gelangen die Trypanosomen über kleinste Läsionen der Haut in den menschlichen Organismus und auch in die Blutgefäße.

Über den Blutweg werden dann die Muskulatur des Herzens, Zellen des retikulohistiozytären Systems sowie die Neuroglia befallen, in denen die Trypanosomen in eine amastigote Form übergehen und sich anschließend durch Zweiteilung vermehren.

Nach Beendigung des Entwicklungszyklus können die neuen Trypanosomen weitere Zellen befallen.

3 Epidemiologie

Das Ausbreitungsgebiet von Trypanosoma cruzi reicht von Argentinien und Chile bis in den Süden der USA. Betroffen von der Erkrankung sind vor allem Bewohner, die in den Elendshütten der Slums von Großstädten leben und nachts auf dem Boden schlafen, wo Raubwanzen über sie kriechen können.

4 Klinik

Die Inkubationszeit beträgt ungefähr drei Wochen. Danach entwickelt sich an der Eintrittspforte eine lokale Hautreaktion, das sog. Chagom. Bei einer transkonjunktivalen Infektion entwickelt sich eine Konjunktivitis, die von einem ein- oder beidseitigem Lidödem begleitet sein kann, was auch als Romana-Zeichen bezeichnet wird.

4.1 Akute Phase

Die hämatogene und lymphogene Streuung nimmt ein bis zwei Wochen in Anspruch und führt zu kontinuierlichem oder remittierendem Fieber, zu urtikariaartigen Hautveränderungen sowie zu einer generalisierten Lymphadenitis. Man spricht in diesem Stadium auch von der akuten Chagas-Krankheit. Sie wird nicht selten als grippaler Infekt fehlinterpretiert. Als weitere Symptome können Dyspnoe, Ödeme, Durchfall und Bauchschmerzen auftreten.

4.2 Chronische Phase

Das chronische Chagas-Leiden ist durch eine Vergrößerung der betroffenen Organe gekennzeichnet (z.B. Kardiomegalie, Megaösophagus, Megakolon). Aufgrund der fortschreitenden Lähmung des Magen-Darm-Trakts kommt es zu Gewichtsverlust, Schluckstörungen (Dysphagie) und chronischer Obstipation. Charakteristisch sind ferner eine Anämie, neurologische Symptome sowie eine Hepatosplenomegalie.

5 Nachweis

Der mikroskopische Nachweis über einen gefärbten Blutausstrich führt im akuten Krankheitsstadium zur Diagnose. In der chronischen Krankheitsphase wird der Erreger mit Antikörpertests (z.B. Immunfluoreszenz) nachgewiesen. Die Xenodiagnose kann ebenfalls genutzt werden: dabei lässt man das Blut eines Patienten von Raubwanzen aufnehmen und untersucht nach ca. drei Wochen den Kot auf Trypanosomen.

6 Therapie

In der Frühphase der Infektion erfolgt die Therapie mit Benznidazol oder Nifurtimox.

Aktuelle Studien zeigen eine antitrypanosomale Wirksamkeit des Antimykotikums Posaconazol auch bei Patienten mit chronischer Chagas-Krankheit.

7 Verlauf

Wird die Chagaskrankheit nicht behandelt, kann sie in bis zu 10 % der Fälle tödlich enden. Besonders gefährdet sind Säuglinge, Kleinkinder und Patienten mit Immundefizienz.

8 Prophylaxe

Um eine erfolgreiche Prophylaxe durchführen zu können, ist die Bekämpfung der Raubwanzen obligat. Dazu dienen sprühfähige, insektizide Farbstoffe, die als Wandfarbe genutzt werden. Eine Veränderung der Wohnverhältnisse in den Slums würde selbstverständlich auch prophylaktisch wirken, ist jedoch häufig nicht möglich.

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Fachgebiete: Mikrobiologie

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