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Biotinmangel (Schwein)

Synonym: Vitamin B7-Mangel

1 Definition

Als Biotinmangel bezeichnet man eine alimentär bedingte Mangelerkrankung beim Schwein.

2 Biochemie

Biotin kommt in den Blättern von Pflanzen, in Mikroorganismen und in Tieren vor. In tierischen Geweben ist es fast vollständig an Proteine gebunden.

Biotin ist als Coenzym an einer Reihe von Carboxylase-, Transcarboxylase- und Decarboxylasereaktionen beteiligt. Es spielt eine wichtige Rolle bei der Umwandlung von Kohlenhydraten in Proteine (und umgekehrt) sowie bei der Bildung von Lipiden aus Proteinen und Kohlenhydraten. Ein Mangel verursacht inbesondere dermatologische Störungen.[1]

3 Epidemiologie

Ein Biotimangel tritt besonders bei unzureichender Fütterung biotinhaltiger Futterbestandteile (Ölfrüchte, Sojaschrot, Grünfutter und Hefen) in Intensivhaltungen auf. Zuchtsauen und Ferkel sind vermehrt betroffen.[2]

4 Pathogenese

Biotin wird im Dickdarm von Schweinen bakteriell synthetisiert, aber nicht resorbiert, sodass es zur Gänze mit dem Kot ausgeschieden wird. Aufgrund beschleunigtem Wachstum, fehlender Weide oder Grünfütterung und durch die Verhinderung von Koprophagie (z.B. durch Vollspaltenböden) wird ein Biotinmangel in der intensiven Schweineproduktion begünstigt.

Unter experimentellen Bedingungen werden bei Sauen nach 6 Monaten, bei früh abgesetzten Saugferkeln bereits nach 2 Wochen klinisch wahrnehmbare Mangelerscheinungen sichtbar.[2]

5 Klinik

Biotinmangel äußert sich v.a. in schorfigen Dermatitiden, bei denen sich in den betroffenen Arealen die Haut verfärbt und die Haare ausfallen.[1]

Ein Biotinmangel zeigt sich anfangs durch vermehrten Ausfall der Borsten sowie Schuppenbildung. Das Borstenkleid erscheint rau, glanzlos und brüchig. Bei fortschreitendem Mangel wird die Haut bräunlich und es entstehen Krusten und Pusteln. Ferkel zeigen Beläge auf der Zunge und Rhagaden an den Mundwinkeln. Da das Klauenhorn seine Widerstandsfähigkeit verliert, bilden sich vermehrt Hornspalten. Das Sohlenhorn wird gummigartig weich, rissig und von rauen Böden stark abgenutzt, sodass sich schmerzhafte Pododermatitiden entwickeln. Zusätzlich können der Kronsaum und die Afterklauen betroffen sein.[2]

Ein Mangel äußert sich außerdem in Fruchtbarkeitsstörungen und Leistungseinbußen (reduzierte Laktation und geringeres Wachstum).

6 Diagnose

Die klinischen Anzeichen sind hinweisend für eine Verdachtsdiagnose. Um einen Biotinmangel bestätigen zu können, muss der Biotinspiegel im Blutplasma erhoben werden. Eine Futteranalyse ist aufgrund der ungewissen Bioverfügbarkeit des im Futter enthaltenen Biotins unsicher.

7 Differenzialdiagnosen

Differenzialdiagnostisch müssen Räude (Sarcoptes scabiei var. suis), Parakeratose (Zinkmangel) und haltungsbedingte Klauenschäden berücksichtigt werden.

8 Therapie

Ein Mangel kann sowohl durch die perorale Substitution von Biotin in Form von Futterzusätzen (ca. 3 mg Biotin pro Kilogramm Alleinfutter) oder durch die parenterale Applikation von Biotin in wässriger Lösung behandelt werden.[2]

Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.

9 Prophylaxe

Eine Dauerversorgung mit 0,15 bis 0,25 mg/kg Biotin im Futter beugt Mangelerscheinungen vor. Wenn auf synthetisches Biotin verzichtet werden möchte, kann auch Futterhefe oder Luzernengrünmehl verwendet werden.[2]

10 Literatur

  1. 1,0 1,1 von Engelhardt, Wolfgang et al. Physiologie der Haustiere. 5., vollständig überarbeitete Auflage. Enke-Verlag, 2015.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 Waldmann, Karl-Heinz, Wendt, Michael (Hrsg.). Lehrbuch der Schweine-Krankheiten. Begründet von Hans Plonait und Klaus Bickhardt. 3., durchgesehene Auflage. Parey-Verlag, 2001.

Diese Seite wurde zuletzt am 27. September 2019 um 15:48 Uhr bearbeitet.

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