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Babesiose (Pferd)

Englisch: babesiosis

1 Definition

Unter Babesia caballi versteht man beim Pferd eine durch den Blutparasiten Babesia caballi ausgelöste Infektionskrankheit. Sie wird zusammen mit der equinen Theileriose als Piroplasmose zusammengefasst.

2 Ätiologie

Der einzellige Parasit wird durch verschiedene Zeckenarten übertragen. Die Zecken sind ein Erregerreservoir für Babesia caballi, da sie den Erreger von Generation zu Generation weitergeben (transovariell).

3 Pathogenese

Die Inkubationszeit beträgt zwischen 10 und 30 Tagen. Die Sporozoiten der Babesien parasitieren nach der Übertragung durch den Speichel der Zecke in den Erythrozyten. Die intraerythrozytäre Vermehrung bewirkt eine Ruptur der roten Blutzellen. Dies führt zur intravaskulären Hämolyse und den damit einhergehenden typischen klinischen Anzeichen. Die dadurch freigesetzten Merozoiten befallen erneut rote Blutkörperchen, wodurch sich die Parasitämie selbst erhält.

Infizierte und unbehandelte Tiere bleiben jahrelang bzw. unter Umständen sogar lebenslang Überträger der Parasiten. Neben der akuten intravaskulären Hämolyse kann langfristig ein verstärkter Abbau der roten Blutkörperchen im RES mit Erhöhung des Bilirubin I (extravasale Hämolyse) nachgewiesen werden.

4 Epidemiologie

Die Verbreitung von Babesia caballi ist stark an die Vektoren gebunden, die vermehrt in Süd- und Osteuropa vorkommen. Aufgrund des Klimawandels ist zu befürchten, dass sich in Zukunft diese Zeckenarten auch in nördlicheren Gebieten vermehren und somit verbreiten können.

5 Klinik

Die Babesiose führt in der Regel (im Gegensatz zur Theileriose) nur zu milden klinischen Symptomen. Es können unter anderem folgende Krankheitszeichen beobachtet werden:

6 Diagnostik

Während der akuten Krankheitsphase kann der Nachweis der Parasiten mikroskopisch im Giemsa-gefärbten Blutausstrich erfolgen. Im Gegensatz dazu gelingt ein mikroskopischer Nachweis während der klinisch unauffälligen Phase häufig nicht. Eine sichere Diagnose kann jedoch (unabhängig vom Krankheitsstadium) mittels hochsensitiver PCR-Verfahren gestellt werden.

Vor dem Import von Tieren aus Endemiegebieten wird die Durchführung von serologischen Tests empfohlen, um asymptomatische Trägertiere zu identifizieren.

7 Therapie

Imidocarb-Diproprionat ist das Therapeutikum der Wahl. Das Arzneimittel ist in vielen Ländern (z.B. Deutschland) nicht zugelassen und muss daher umgewidmet werden. Die möglichen hepatotoxischen und nephrotoxischen Wirkungen des Wirkstoffs sind zu berücksichtigen.

Eine zweimalige intramuskuläre Injektion in einer Dosierung von 2,4 mg/kg Körpergewicht führt in der Regel zur klinischen und labordiagnostischen Besserung bzw. oft sogar zur vollständigen Eliminierung des Parasiten.

Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.

Da die Erreger auch persistieren können, werden serologische Kontrollen oder PCR-Tests einige Wochen nach dem Ende der Therapie empfohlen.

8 Prognose

Infektionen mit Babesia caballi verlaufen in der Regel mild. Die Prognose ist daher als gut einzustufen.

9 Prophylaxe

Derzeit (2021) stehen keine Impfstoffe zur Verfügung. Konsequente Prophylaxemaßnahmen gegen Zecken und serologische Tests zur Verhinderung der Einschleppung aus Endemiegebieten sollten durchgeführt werden.

10 Quellen

  • Brehm W, Gehlen H, Ohnesorge B, Wehrend A (Hrsg.). 2017. Handbuch Pferdepraxis. 4., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Enke Verlag in Georg Thieme Verlag KG. ISBN: 978-3-13-219621-6

Diese Seite wurde zuletzt am 2. August 2021 um 14:52 Uhr bearbeitet.

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