Anti-Keratin-Antikörper
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LoslegenSynonym: Antikeratin-Antikörper
Englisch: anti-keratin antibody, AKA
Definition
Die Anti-Keratin-Antikörper, kurz AKA, sind Autoantikörper bei rheumatoider Arthritis, die historisch als gegen Keratin gerichtet beschrieben wurden. Tatsächliches Zielantigen ist citrulliniertes Filaggrin. AKA zählen damit – neben dem bereits 1964 beschriebenen Antiperinukleären Faktor (APF) – zu den erstbeschriebenen Antikörpern gegen citrullinierte Proteine (ACPA).
Hintergrund
AKA wurden 1979 erstmals anhand ihrer Reaktivität mit dem verhornten Epithel des Rattenösophagus beschrieben und galten lange als spezifischer Marker der rheumatoiden Arthritis.[1] Erst 1993 wurde Filaggrin als eigentliches Antigen identifiziert.[2] Damit wurde die Verwandtschaft zu den heute gebräuchlichen Anti-CCP-Antikörpern erkennbar: beide erkennen citrullinierte Epitope.
Biochemie
Das Enzym Peptidylarginin-Deiminase (PAD) wandelt Argininreste in Proteinen calciumabhängig zu Citrullin um. Relevant sind vor allem die Isoformen PAD2 und PAD4. Diese Citrullinierung verändert Ladung und Raumstruktur der betroffenen Peptide. Das Immunsystem erkennt sie dann als körperfremd und bildet Autoantikörper.
Filaggrin entsteht physiologisch in verhornenden Epithelien und wird dort citrulliniert. Im Synovialgewebe kommt es nicht vor. AKA sind daher ein Beispiel für eine Kreuzreaktivität: Die eigentlich krankheitsrelevanten citrullinierten Antigene bei rheumatoider Arthritis sind Fibrin, Vimentin und α-Enolase in Synovialis, Lunge und Parodont.
Messverfahren
Der Nachweis erfolgt mittels indirekter Immunfluoreszenz auf Kryostatschnitten des Rattenösophagus. Ein positiver Befund zeigt sich als bandförmiges Fluoreszenzmuster im Stratum corneum. Die Beurteilung des Musters ist untersucherabhängig und erfordert Erfahrung. Ein einheitlicher Titer-Grenzwert ist nicht etabliert.
Interpretation
AKA weisen eine hohe Spezifität bei mäßiger Sensitivität für die rheumatoide Arthritis auf. Eine Metaanalyse aus 15 Studien ermittelte folgende gepoolte Werte:[3]
| Parameter | Wert (95 % KI) |
|---|---|
| Sensitivität | 0,46 (0,44–0,48) |
| Spezifität | 0,94 (0,93–0,95) |
| Diagnostische Odds Ratio | 15,86 (9,48–26,52) |
Ein positiver Befund korreliert tendenziell mit einem schweren Krankheitsverlauf. AKA können jedoch auch bei Psoriasisarthritis und juveniler idiopathischer Arthritis auftreten.
Einschränkungen
Das Verfahren wird heute nicht mehr routinemäßig angewendet. Gründe sind z.B.:
- aufwändige, nicht automatisierbare Durchführung
- subjektive Musterbeurteilung mit hoher Interobserver-Variabilität
- fehlende Standardisierung des Grenzwerts
- weitgehende Überlappung mit der Anti-CCP-Positivität und damit kein diagnostischer Zusatznutzen
In der Routinediagnostik wurde AKA durch die einfacher zu bestimmenden Anti-CCP-Antikörper (ELISA) ersetzt.[4] Entsprechend führen die ACR/EULAR-Klassifikationskriterien der rheumatoiden Arthritis ausschließlich Rheumafaktoren und ACPA als serologische Kriterien.
Quellen
- ↑ Young BJ, Mallya RK, Leslie RD, Clark CJ, Hamblin TJ. Anti-keratin antibodies in rheumatoid arthritis. Br Med J. 1979;2(6182):97–99.
- ↑ Simon M, Girbal E, Sebbag M et al. The cytokeratin filament-aggregating protein filaggrin is the target of the so-called "antikeratin antibodies", autoantibodies specific for rheumatoid arthritis. J Clin Invest. 1993;92(3):1387–1393.
- ↑ Wang XP, Cheng QY, Gu MM et al. Diagnostic accuracy of anti-keratin antibody for rheumatoid arthritis: a meta-analysis. Clin Rheumatol. 2019;38(7):1841–1849.
- ↑ Egerer K, Feist E, Burmester GR. Serologische Diagnostik der rheumatoiden Arthritis – Antikörper gegen citrullinierte Antigene. Dtsch Arztebl. 2009;106(10):159–163.
Literatur
- Klotz W. Anti-Keratin Antikörper (AKA). Kleiner Immunfluoreszenzatlas zur Autoimmundiagnostik. Universitätsklinik Innsbruck.
- Renz H. Praktische Labordiagnostik. 3. Aufl. De Gruyter; 2020.