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Influenza

(Weitergeleitet von Virusgrippe)

Synonyme: "echte" Grippe, Virusgrippe
Englisch: influenza, flu

1 Definition

Influenza ist eine durch das Influenzavirus verursachte Erkrankung der Atemwege. Hierdurch wird die Schleimhaut (Mucosa) der Atemwege angegriffen und das Eindringen anderer pathogener/toxischer Erreger erleichtert. Das Influenzavirus ist sehr ansteckend.

2 Infektion & Übertragung

Die Infektion erfolgt meist durch das Einatmen (Inhalation) von infizierten Partikeln (Tröpfcheninfektion bei Husten und Niesen). Es sind aber auch Schmier- und Kontaktinfektionen möglich.

Die Viren binden an Rezeptoren von Zellen im Atemtrakt, dringen in diese ein, vermehren sich dort und führen schließlich zu einer Zerstörung der betroffenen Zellen. Hierbei werden viele neue Viren freigesetzt. Es kommt zu einer ausgeprägten Entzündungsreaktion. Die Inkubationszeit beträgt 1-4 Tage.

Eine niedrige Luftfeuchtigkeit und Kälte begünstigen die Übertragung der Viren. Deshalb kommt es zu einer Häufung von Infektionen während der Herbst- und Wintermonate. Als mögliche Ursachen dafür werden diskutiert:

  • Austrockung der Schleimhäute
  • Verdickung des Nasenschleims durch Kälteexposition
  • Schnellere Zersetzung der Viren bei hoher Luftfeuchtigkeit

3 Einteilung

Influenzaviren sind allgemein behüllte Einzelstrang-RNA-Viren. Je nach auslösendem Virustyp unterscheidet man:


4 Symptome

Typisch ist ein plötzlicher und heftiger Ausbruch der Krankheit. Die Symptome gleichen zum Teil denen einer starken Erkältung (die im Volksmund auch oft fälschlicherweise als Grippe bezeichnet wird), meist sind sie jedoch stärker ausgeprägt:

Mehrtägiges Fieber von 39 bis 40 Grad ist möglich. Komplikationen können Kreislaufschwäche, Entzündung des Nervensystems und der Lunge sein.

5 Inzidenz

In der nördlichen Hemisphäre tritt Influenza bevorzugt in den Wintermonaten, also saisonal, auf ("Grippesaison"). Die genaue Inzidenz ist bei Grippe nur schwer abschätzbar, da inapparente und leichtere Krankheitsverläufe die Abgrenzung erkrankter Personen erschweren. Vom CDC (Center for Disease Control) wird geschätzt, dass ca. 15% der Bevölkerung betroffen ist (oft aber ohne Symptome). Die stationäre Inzidenz liegt etwa bei ca. 60 Personen auf 100.000 Fälle.

Die Mortalität der Influenza ist abhängig vom zirkulierenden Subtyp. Sie schwankte nach Schätzungen des RKI im Zeitraum von 1985-2006 zwischen 0,1 und 38 Todesfällen pro 100.000 Einwohner.

5.1 Pandemien

  • Spanische Grippe: Durch eine spezielle Variante des H1N1-Erregers ausgelöste Influenza, die weltweit etwa 20-40 Millionen Opfer forderte (1918).
  • Vogelgrippe: Seit schätzungsweise knapp 10 Jahren ist in Asien die Vogelgrippe verbreitet. Hierbei traten Influenza-A-Viren des Subtyps H5N1 von Hühnern auf Menschen über. Durch Schlachtung Tausender Tiere ist ein Ausbruch einer Pandemie verhindert worden. Nichtsdestotrotz herrscht in Expertenkreisen nach wie vor die große Angst vor, dass der H5N1-Virus mutiert, von Mensch zu Mensch übertragbar und damit hoch gefährlich wird. Eine neue Pandemie wie die Spanische Grippe, so fürchtet man, könnte ebenfalls Millionen von Menschenleben fordern.

6 Diagnostik

Der direkte Nachweis von Virus-Antigenen kann mittels Immunfluoreszenz, ELISA oder PCR erfolgen. Als Probenmaterial wird Nasenspülwasser, Rachenspülwasser oder durch eine bronchoalveoläre Lavage (BAL) gewonnenes Bronchialsekret verwendet.

Der indirekte Nachweis einer Infektion wird durch Bestimmung der Influenza-Antikörper (IgA, IgG, IgM) im Serum mittels ELISA erbracht.

7 Prophylaxe

Wie bei anderen Influenzaformen bietet die Impfung nur einen relativen Schutz. Das Problem dabei ist, dass sich Grippe-Viren ständig verändern und deswegen Impfungen jedes Jahr aufgefrischt werden müssen. Schutzimpfungen sind für ältere Menschen und besonders gefährdete Personen empfohlen (Patienten mit chronischen Lungen-, Herz-, Leber-, Nierenerkrankungen, medizinisches Personal).

Eine effektive, aber häufig unterschätzte Maßnahme ist das gründliche Händewaschen, da die Erreger durch Seifen abgetötet werden. Es minimiert vor allem das Risiko einer Schmierinfektion.

Das Tragen von Gesichtsmasken ist nur sinnvoll, wenn es sich um Masken handelt, die den ungefilterten Lufteinstrom ausreichend vermindern, wie z.B. FFP3-Masken. Einfache Gesichtsmasken (Mundschutz) sind als Schutzmaßnahme unwirksam, da sie den Atemstrom nicht filtrieren, weil Luft frei an den Seiten ein- und austreten kann.

8 Therapie

8.1 Allgemeinmaßnahmen

  • Bettruhe
  • Körperliche Schonung
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr

8.2 Medikamente

In der Frühphase der Infektion können wie bei anderen Influenza-Formen antivirale Medikamente eingesetzt werden. Dazu zählen unter anderem:

Die Wirksamkeit dieser Medikamente gegen einen bestimmten isolierten Erregerstamm ist sehr variabel. Punktmutationen im Virusgenom können bei Neuraminidase-Hemmern zu einer Veränderung der Resistenzlage, d.h. zur Unwirksamkeit der Medikamente führen. Wie bei bakteriellen Erregern nehmen Resistenzen durch den breiten Einsatz antiviraler Substanzen zu.

Zur Verhinderung oder Therapie von Sekundärinfektionen kann der Einsatz von Antibiotika sinnvoll sein. Bei sehr hohem Fieber ist zudem die Gabe von Antipyretika (z.B. Paracetamol) zu erwägen.

Die Wirkung einer vorbeugenden oder therapeutischen Gabe von Vitamin C ist umstritten.

9 Verlauf

Der Krankheitsverlauf ist sehr unterschiedlich, meist relativ harmlos ohne Folgen, z.T. aber auch lebensgefährlich (v.a. bei Kindern und älteren immungeschwächten Personen).

Die akute Erkrankung klingt in der Regel etwa nach 5 bis 7 Tagen ab. Einzelne Symptome (z.B. Husten, Abgeschlagenheit) können jedoch noch über einen längeren Zeitraum weiter bestehen. Je nach Schwere der durchgemachten Erkrankung ist eine Rekonvaleszenz über Tage, aber auch über Wochen möglich.

10 Komplikationen

10.1 Perakute Viruspneumonie

Eine mögliche Komplikation der Influenza, der bei bestimmten Virusstämmen auftritt, ist der so genannte "Zytokinsturm". Dabei versagt die adaptive Immunantwort und es kommt zu einer Überreaktion des Immunsystems im Sinne einer sich selbst verstärkenden Kaskadenreaktion. Die dazu fähigen Zellen des Immunsystems (T-Zellen, Makrophagen) schütten große Mengen an Zytokinen aus, die eine massive Entzündungsreaktion hervorrufen. Sie tritt klinisch als schwere, perakute Influenzapneumonie mit Dyspnoe, Lungenblutungen und möglichem Organversagen in Erscheinung.

Bestimmte Erregervarianten des Influenzavirus begünstigen die Entstehung eines Zytokinsturms. Sie bilden Proteine, auf die das Immunsystem offensichtlich besonders empfindlich reagiert. Häufig unterscheiden sie sich nur in einigen wenigen Genabschnitten von weniger pathogenen Stämmen.

10.2 Bakterielle Sekundärinfektionen

Eine weitere, häufigere Komplikation sind bakterielle Sekundärinfektionen bzw. Superinfektionen. Hier besiedeln pathogene Bakterien, die durch die Viren geschädigte Schleimhaut. Mögliche Folgen sind bakterielle Entzündungen der Atemwege, z.B. Pneumonie, Bronchitis, Sinusitis oder Otitis media. Personen mit geschwächtem Immunsystem sind besonders gefährdet.

10.3 Weitere Komplikationen

11 Weblinks

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