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Bipolare Störung

Synonyme: bipolare affektive Störung, manisch-depressive Erkrankung
Englisch: bipolar disorder

1 Definition

Bipolare Störungen sind psychische Störungen und gehören zu den affektiven Störungen. Kennzeichnend ist das abwechselnde Auftreten von depressiven und manischen Phasen.

2 Epidemiologie

Bipolare Störungen kommen relativ häufig vor. Betrachtet man die verschiedenen Bipolaren Störungen gemeinsam, dann ergibt sich eine Häufigkeit von 3,0% bis 6,5%. Überwiegend beginnt eine bipolare Störung zwischen dem 17. und 21. Lebensjahr. Jenseits des 40. Lebensjahrs ist die Erstmanifestation einer bipolaren Störung selten. Es besteht kein Unterschied zwischen Männern und Frauen im Bezug auf das Erkrankungsrisiko. Mit der Dauer der Krankheit steigt das Risiko, dass sich ein "Rapid Cycling" entwickelt. Hier sind Frauen deutlich häufiger betroffen.

3 Differenzialdiagnosen

4 Unterteilung

Je nach Dauer, Häufigkeit und Intensivität der einzelnen Phasen werden zwei bipolare Störungen unterschieden:

Weitere Nebenformen sind das Rapid Cycling und Mischzustände.

5 Symptome

Bipolare Störungen sind gekennzeichnet vom (zyklischen) Wechsel zwischen depressiven und manischen Zuständen. Wie der Name "bipolar" schon sagt, handelt es sich um eine (möglicherweise) rasch wechselnde Symptomatik von euphorischen respektive dysphorischen Zuständen.

6 Therapie

6.1 Therapiegrundlagen

Da sich Menschen mit bipolarer Störung in den manischen Phasen oft sehr krankheitsuneinsichtig zeigen, ist eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Arzt und Patient von großer Bedeutung. Daher sollten intensive Aufklärungsgespräch erfolgen. Diese sollten unter anderem enthalten:

  • Erläuterung zu Akuttherapie und Phasenprophylaxe
  • Darstellung der Wirkmechanismen mit Hinweis auf die Wirklatenzen
  • Angaben zu Neben- und Wechselwirkungen
  • Informationen über die zu erwartende Dauer der Behandlung

Viele Betroffene stehen einer medikamentösen Therapie kritisch bzw. ablehnend gegenüber. Diese Vorbehalte sollten thematisiert werden.

6.2 Medikamente

6.2.1 Phasenprophylaxe

Phasenprophylaktika sind die Basis der medikamentösen Therapie. Eine prophylaktische Therapie der bipolaren Störung erfolgt mit Stimmungsstabilisierern wie Lithium oder Antikonvulsiva wie Carbamazepin, Valproinsäure oder Lamotrigin. Lithium gilt hier als das effektivste Medikament.

6.2.2 Manie

Lithiumsalze mildern oder beheben manische Zustände und beugen einem Rückfall sowohl manischer als auch depressiver Episoden vor. Valproinsäure und Carbamazepin sind gegen Manien wirksam. Dies ist für Lamotrigin nicht belegt. Weitere Therapieempfehlungen für die Manie sind:

  • Aripiprazol, Quetiapin, Olanzapin oder Risperidon
    • geeignet zur Therapie der Manie und von Mischzuständen
    • kann zusätzlich zur Phasenprophylaxe mit Lithium oder Valproat verwendet werden
    • Olanzapin kann zudem auch bei gereizter Manie eingesetzt werden.
  • Haloperidol: kann als Monotherapie zur Behandlung der Manie in der Notfallsituation und zur Kurzzeittherapie eingesetzt werden
  • Allopurinol: kann in Kombination mit Haloperidol oder zusätzlich zu Lithium bei der Therapie der akuten Manie Verwendung finden
  • Benzodiazepine: können unterstützend zur Reduktion einer Agitiertheit im Rahmen einer manischen Episode gegeben werden. Wegen des Abhängigkeitsrisikos soll die Behandlung jedoch nur zeitlich eng begrenzt erfolgen.

6.2.3 Depression

Carbamazepin und Lamotrigin können zur Akutbehandlung einer bipolaren Depression verwendet werden. Letzteres muss jedoch sehr langsam aufdosiert werden, was dem Patienten einen zeitlichen Nachteil verschafft. Der Einsatz von Valproinsäure ist für die akute Behandlung einer bipolaren Depression nicht zu empfehlen, da akut-antidepressive Wirkung offensichtlich fehlt. Lithium kann als Monotherapie nicht zur Akutbehandlung einer bipolaren Depression empfohlen werden. Weitere Therapieempfehlungen für die Depression sind:

  • Entsprechend der Leitlinien gibt es keine klare Empfehlung, ob in der Akutbehandlung einer bipolaren Depression ein Antidepressivum in Monotherapie gegeben werden kann oder nicht. Ebenso existiert keine Empfehlung für ein bestimmtes Präparat.
  • Im Verlauf einer bipolaren Depression kann es zum verhältnismäßig raschen Umschlagen der Symptomatik in eine manische oder gemischte Episode kommen. Es ist nicht erwiesen, welche Rolle dabei die Gabe von Antidepressiva spielt. Ein vergleichsweise geringes Risiko für ein Umschlagen besteht bei Fluoxetin, Paroxetin oder Bupropion. Ein höheres Risiko scheint bei einer Behandlung mit trizyklischen Antidepressiva zu bestehen.
  • Für Aripiprazol gibt es keine Empfehlung für die Akutbehandlung
  • Olanzapin kann als Monotherapie eingesetzt werden und zeigt Wirksamkeit bei Bipolar-I-Patienten.
  • Quetiapin ist als Monotherapie empfohlen.

6.2.4 Mischzustände

Die medikamentöse Therapie von Mischzuständen ist schwierig. Zumeist erfolgt eine Kombinationstherapie. Hier stehen atypische Neuroleptika zu Verfügung. Zudem wird mit Antidepressiva und Phasenprophylaktika behandelt.

6.3 Psychotherapie

Die Psychotherapie wird bei bipolaren Störungen gemeinhin als ergänzende Therapie zur Erhaltung, Stabilisierung und als Rezidivprophylaxe angesehen. Sie ist keine Alternative zur Pharmakotherapie, die nicht verzichtbar ist. Eine effiziente Psychotherapie bei bipolaren Störungen beinhaltet (Minimalforderung):

  • Psychoedukation über die Erkrankung, Medikation usw.
  • Fähigkeit zur Selbstbeobachtung insbesondere im Bezug auf die Stimmungsveränderungen
  • Aufbau der Fähigkeit zum Selbstmanagement der persönlichen Frühwarnzeichen und Stimmungsschwankungen
  • Stressmanagement
  • Normalisierung und Stabilisierung des Lebensrhythmus (v.a. Tag-Nacht-Rhythmus, ausreichender Schlaf, Reizabschirmung falls eine erneute manische Phase droht, adäquate Einnahme der Medikation)
  • Vorbereitung auf Krisen und Notfälle, insbesondere Rezidive

6.4 Elektrokovulsionstherapie (EKT)

Die EKT ist ein Therapieverfahren, bei dem in Kurznarkose unter Muskelrelaxation ein zerebraler Krampfanfall ausgelöst wird. Bei schweren therapieresistenten Manien findet die EKT Anwendung.

7 Weblinks

Fachgebiete: Psychiatrie

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