Vigabatrin
Handelsnamen: Kigabeq®, Sabril®
Synonym: Vigabatrinum
Englisch: vigabatrine
1. Definition
Vigabatrin ist ein Arzneistoff, der die GABA-Transaminase irreversibel hemmt und als Antikonvulsivum eingesetzt wird.
2. Chemie
Vigabatrin ist ein Derivat der GABA, das in γ-Position zusätzlich eine Vinyl-Gruppe besitzt. Es enthält ein Stereozentrum und wird als Racemat eingesetzt. Das S-Enatiomer hemmt die GABA-Transaminase irreversibel. Dabei bildet es zuerst ein Imin durch Kondensation der γ-Aminogruppe mit der Aldehydgruppe des Pyridoxalphosphats als Kofaktor des Enzyms. Mit der γ-Vinylgruppe wird dann ein Zwischenprodukt gebildet, welches ein Aza-Analogon einer α,β-ungesättigten Carbonylgruppe darstellt. Dieses reagiert analog zu einer Michael-Addition mit einer nukleophilen Aminosäuren-Seitenkette des Enzyms (z.B. Lysin). Dieser zweite Schritt ist im Gegensatz zur Bildung des Aldimins im ersten Schritt irreversibel.
Da das Substrat im ersten Schritt durch das Enzym aktiviert wird und dieses im folgenden Schritt dann durch kovalente Bindung irreversibel hemmt, kann man hier von Suizidinhibition sprechen.
3. Wirkmechanismus
Der Neurotransmitter GABA wirkt hemmend auf die Entstehung von Aktionspotentialen, da es den Einstrom von Chloridionen in die Zelle fördert, wodurch es dort zu einer Hyperpolarisation kommt. Eine Erregung bleibt somit aus. Vigabatrin greift hier ein, indem es die GABA-Transaminase und folglich den Abbau des Neurotransmitters hemmt. Da dieser in höherer Konzentration im ZNS vorliegt wird der inhibitorische Effekt verstärkt. Damit einher geht eine antikonvulsive Wirkung. Die Wirkung besteht auch nach Absetzen des Medikamentes so lange fort, bis neue Transaminasen vom Körper synthetisiert werden.
4. Pharmakokinetik
Vigabatrin wird oral eingenommen. Der Wirkstoff weist eine Bioverfügbarkeit von bis zu 90% auf. Im Blut bindet Vigabatrin nicht an Plasmaproteine. Es wird kaum metabolisiert. Die Plasmahalbwertszeit beträgt bei Kindern durchschnittlich sieben Stunden, bei Erwachsenen zwölf Stunden. Anschließend wird das Arzneimittel über den Urin ausgeschieden.
5. Indikationen
Vigabatrin ist indiziert zur Behandlung von Kindern im Alter ab 1 Monat bis unter 7 Jahre
- als Monotherapie bei infantilen Spasmen (West-Syndrom)
- in Kombination mit anderen Antiepileptika für Patienten mit therapieresistenter partieller Epilepsie (fokale Anfälle) mit oder ohne sekundäre Generalisierung, wenn alle anderen geeigneten Arzneimittelkombinationen sich als unzureichend erwiesen haben oder nicht vertragen wurden.[1]
6. Nebenwirkungen
7. Kontraindikationen
- Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff[2]
8. Quellen
- ↑ Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels Kigabeq, EMA, abgerufen am 06.02.2025
- ↑ Rasmussen AD et al. Retinal and Systemic Toxicity of Vigabatrin Is Driven by the S-Enantiomer in the Long Evans Rat. Toxicol Pathol. 2023