Thiopurin-Methyltransferase
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LoslegenSynonyme: Thiopurin-S-Methyltransferase, Mercaptopurin-Methyltransferase
Englisch: thiopurine methyltransferase
Definition
Die Thiopurin-Methyltransferase, kurz TPMT, ist ein Enzym, das die Umwandlung von S-Adenosylmethionin und Thiopurin in S-Adenosyl-L-Homocystein und S-methyliertes Thiopurin (Methylthiopurin) katalysiert. Die Reaktion dient der Biotransformation körperfremder Stoffe.
Genetik
Das kodierende Gen TPMT liegt auf Chromosom 6 am Genlokus 6p22.3. Die Aktivität wird kodominant vererbt. Das Enzym kommt im Zytosol von Tieren, Pflanzen und Bakterien vor.
In weißen Populationen weisen etwa 89 % eine hohe, 11 % eine intermediäre und etwa 1 von 300 Personen eine extrem niedrige oder fehlende erythrozytäre TPMT-Aktivität auf. Die zugrunde liegenden Allelfrequenzen unterscheiden sich deutlich zwischen genetischen Abstammungsgruppen.[1][2] Die Zahl beschriebener Allele mit verminderter Enzymaktivität wird fortlaufend erweitert.
Biochemie
Die Thiopurin-Methyltransferase besteht aus 245 Aminosäuren und hat ein Molekulargewicht von etwa 28 kDa.
Klinik
Bei Patienten mit Thiopurin-Methyltransferase-Mangel ist die Wirkung bestimmter Immunsuppressiva bzw. Chemotherapeutika (Azathioprin, 6-Mercaptopurin) stark erhöht, da ein wichtiger Abbauweg gestört ist. Dadurch steigt vor allem die Gefahr einer schweren Myelosuppression. Hepatotoxizität wird durch eine TPMT- bzw. NUDT15-Defizienz dagegen nicht zuverlässig vorhergesagt.[3]
Vor einer Thiopurintherapie ist die Indikation zur TPMT- und NUDT15-Diagnostik wirkstoff- und erkrankungsbezogen nach der jeweiligen Fachleitlinie zu prüfen, da deutsche Leitlinien den prätherapeutischen Test je nach Indikation unterschiedlich bewerten. Die DPWG stuft die Genotypisierung von TPMT und NUDT15 als essenziell ein, während CPIC ausschließlich die Dosisanpassung bei bereits vorliegendem Genotyp adressiert.[4][5][6][3]
Loss-of-Function-Varianten von NUDT15 sind vor allem in ost- und südasiatischen sowie hispanischen Bevölkerungsgruppen häufig und führen ebenfalls zu schwerer Myelosuppression.[7]
Labordiagnostik
Es ist sowohl eine funktionelle als auch eine molekulargenetische Untersuchung möglich.
Messung der Enzymaktivität
Die Thiopurin-Methyltransferase-Aktivität wird in Erythrozyten bestimmt. Hierbei wird ein geeignetes Substrat, zum Beispiel Mercaptopurin, zugegeben und nach einer bestimmten Zeit die Menge des Reaktionsproduktes, hier Methylthiopurin, gemessen. Einheit und Normwerte sind methodenspezifisch. Anhand der gemessenen Enzymaktivität kann auf eine heterozygote oder homozygote Mutation geschlossen werden. In ca. 2 % der Population findet sich auch eine deutlich erhöhte Enzymaktivität. Probenmaterial ist EDTA-Blut.
Gendiagnostik
Für die klinische TPMT-Genotypisierung empfiehlt der internationale Konsens als Tier-1-Mindestpanel TPMT*2, TPMT*3A, TPMT*3B und TPMT*3C. Seltene Varianten können bei einer zielgerichteten Genotypisierung unentdeckt bleiben; ein populationsunabhängiger fixer Restanteil von 5 % sollte daher nicht angegeben werden.[2] Die Gendiagnostik ist bei einer Erythrozytentransfusion weniger störanfällig als die Aktivitätsmessung. Nach nicht leukozytendepletierten Transfusionen kann jedoch Donor-DNA das Ergebnis vorübergehend verfälschen; nach allogener Stammzelltransplantation ist möglichst eine prätransplantär gewonnene DNA-Probe zu verwenden.[8]
Quellen
- ↑ McLeod et al., Thiopurine methyltransferase activity in American white subjects and black subjects, Clin Pharmacol Ther, 1994
- ↑ 2,0 2,1 Pratt et al, TPMT and NUDT15 Genotyping Recommendations: A Joint Consensus Recommendation, Journal of Molecular Diagnostics, 2022
- ↑ 3,0 3,1 Maillard et al., Clinical Pharmacogenetics Implementation Consortium (CPIC) Guideline for Thiopurine Dosing Based on TPMT and NUDT15 Genotypes: 2025 Update, Clin Pharmacol Ther, 2026
- ↑ S3-Leitlinie Colitis ulcerosa, AWMF-Registernummer 021-009, abgerufen am 08.09.2026
- ↑ S3-Leitlinie LeiSe LebEr – autoimmune Lebererkrankungen, AWMF-Registernummer 021-027, abgerufen am 08.09.2026
- ↑ Coenen et al, Dutch Pharmacogenetics Working Group (DPWG) guideline for the gene-drug interaction between TPMT/NUDT15 and thiopurines, European Journal of Human Genetics, 2026
- ↑ Maillard M et al. Clinical Pharmacogenetics Implementation Consortium (CPIC) Guideline for Thiopurine Dosing Based on TPMT and NUDT15 Genotypes: 2025 Update. Clin Pharmacol Ther. 2026. doi:10.1002/cpt.70209
- ↑ Thiopurine Methyltransferase (TPMT) and Nudix Hydrolase (NUDT15) Genotyping, Varies, abgerufen am 08.09.2026
Literatur
- PharmVar – TPMT allele nomenclature. www.pharmvar.org
- OMIM #187680 – Thiopurine S-Methyltransferase; TPMT