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Sandrasselotter

Englisch: saw-scaled viper

1 Definition

Die Sandrasselottern sind eine Gattung der Vipern. Die zoologische Bezeichnung lautet Echis (griechisch für Viper). Einige Arten zählen in ihrem Verbreitungsgebiet zu den epidemiologisch relevantesten Giftschlangen.

2 Merkmale

Sandrasselottern sind kleine bis mittelgroße Schlangen und erreichen je nach Art eine Gesamtlänge zwischen 40 und 80 cm. Der Körper ist von stark gekielten Rumpfschuppen (Scuta dorsalia) bedeckt. Der Kopf ist abgerundet, bei Aufsicht dreieckig geformt und setzt sich deutlich vom Hals ab. Kopfoberseits zeigen sich kleine Schilde. Die Augen besitzen eine bei Lichteinfall vertikal geschlitzte Pupille. Die Körperfärbung ist zwischen den Arten, aber auch innerhalb einiger Arten äußerst variabel.

2.1 Pholidose

Merkmale der Beschuppung ausgewählter Echis-Arten:

  • Echis carinatus: 27 bis 37 Reihen Rumpfschuppen (Scuta dorsalia), 10 bis 12 Oberlippenschilde (Scuta supralabialia), das 4. am größten), eine bis drei (meist zwei) Schuppenreihen zwischen Oberlippenschilden und Auge, 154 bis 166 (Männchen) bzw. 163 bis 169 (Weibchen) Bauchschilde (Scuta ventralia), 29 bis 35 ungeteilte Unterschwanzschilde (Scuta subcaudalia), ein ungeteiltes Analschild (Scutum anale).
  • Echis coloratus: 27 bis 37 Reihen Rumpfschuppen, 3 bis 4 Schuppenreihen zwischen Oberlippenschilden und Auge.
  • Echis pyramidum: 25 bis 33 Reihen Rumpfschuppen, 163 bis 189 (Männchen) bzw. 155 bis 177 (Weibchen) Bauchschilde, 30 bis 48 (Männchen) bzw. 29 bis 38 (Weibchen) Unterschwanzschilde.

2.2 Giftapparat

Typisch für alle Vertreter der Viperidae ist der Giftapparat: Vipern haben von allen Giftschlangen den evolutionär am weitesten entwickelten Giftapparat. Die Giftdrüsen, die sich seitlich des Schädels befinden und von umgebildeten Speicheldrüsen dargestellt werden, stehen in Verbindung mit den Gift- bzw. Fangzähnen. Diese befinden sich im vorderen Oberkiefer, sind bei geschlossenem Maul eingeklappt und werden beim Zubeißen aufgestellt. Die Giftzähne sind röhrenartig aufgebaut und ermöglichen eine Injektion des Giftsekretes wie durch die Kanüle einer Spritze.

3 Vorkommen

Das Verbreitungsgebiet der Gattung Echis ist sehr groß und reicht von Sri Lanka und Indien über Pakistan, Afghanistan, den Nahen Osten und die Arabische Halbinsel bis nach Nord- und Westafrika. Es werden zumeist trockene, semiaride bis aride Habitate wie Savannen oder Wüsten besiedelt. Einige Arten sind ausgesprochene Kulturfolger, die sich in menschlichen Siedlungen oder deren Umgebung aufhalten.

4 Systematik

Die systematische Erfassung der verschiedenen Arten erwies sich in der Vergangenheit als schwierig. Dies liegt darin begründet, dass das Verbreitungsgebiet einerseits sehr groß ist und andererseits teilweise in Arealen liegt, die aufgrund politischer Instabilität oder geographisch schwer zugänglicher Lage die Sammlung von Exemplaren zu Forschungszwecken erschwerten. In der Folge wurde der Status verschiedener Arten und Unterarten mehrfach überarbeitet. Die Taxonomie der Arten und Unterarten ist nach wie vor Gegenstand der Forschung und nicht abschließend geklärt. The Reptile Database listet aktuell (Stand: Mai 2019) folgende Arten:

  • Echis borkini
  • Echis carinatus (Gemeine Sandrasselotter)
  • Echis coloratus
  • Echis hughesi
  • Echis jogeri
  • Echis khosatzkii
  • Echis leucogaster
  • Echis megalocephalus
  • Echis ocellatus
  • Echis omanensis
  • Echis pyramidum
  • Echis romani

5 Lebensweise

Exemplare, die in Sandwüsten leben, bewegen sich seitenwindend fort, um den Kontakt mit dem heißen Untergrund zu minimieren. Zum Beutespektrum zählen Eidechsen, Kleinsäuger, kleine Vögel und Froschlurche. Gelegentlich, insbesondere von Jungschlangen, werden auch Insekten erbeutet. Die Fortpflanzung erfolgt je nach Art durch Oviparie (eierlegend) oder Ovoviviparie (eilebendgebärend).

Bei Annäherung verharren die Tiere oft und vertrauen auf ihre Tarnung. Hierdurch erklären sich zahlreiche Zwischenfälle, in denen Menschen versehentlich auf oder vor die Schlangen treten und in der Folge gebissen werden. Im Rahmen eines Abwehrverhaltens wird der Körper in Schlingen gelegt und die Körperschuppen aneinander vorbei gerieben. Die raue Oberfläche der Haut erzeugt dabei ein knisterndes Rasselgeräusch, auf das der deutsche Trivialname zurückzuführen ist. Einige Unterarten sollen dabei ein sehr beißfreudiges Temperament an den Tag legen.

6 Toxikologie

Echis carinatus kann mit einem Giftbiss 15 bis 35 mg (Trockengewicht) Giftsekret abgeben. Echis-Gifte enthalten insbesondere Toxine mit Einfluss auf die Hämostase. So sind verschiedene gerinnungsfördernde Substanzen (Prokoagulantien), Antikoagulantien, Hämorrhagine (Zink-Metalloproteasen) sowie möglicherweise zytotoxische Bestandteile nachweisbar. Bei Echis carinatus tritt in über 80% der Bissunfälle eine Intoxikation auf. Die Letalität unbehandelter Vergiftungen wird auf 1 bis 10% geschätzt.

Neben unspezifischen Allgemeinsymptomen (z.B. Schwindel, Kopfschmerz, Abdominalschmerz, Durchfall, Erbrechen) und Nekrose an der Bissstelle stehen Symptome im Vordergrund, die auf einen Aufbrauch der Gerinnungsfaktoren und Schädigung von Gefäßendothelien zurückzuführen sind. Es treten eine Koagulopathie und teils massive Hämorrhagien auf. Sekundär kann sich ein Nierenversagen einstellen. Der Tod kann durch Kreislaufversagen in Folge des Blutverlustes eintreten.[1]

6.1 Erste Hilfe und Therapie

Gebissene sollten sich ruhig verhalten und, sofern möglich, Körper und Bissstelle wenig bewegen sowie liegend in ein Krankenhaus transportiert werden. Empfohlen wird eine Fixierung der Extremität mit Verband, Kleidung oder Stoff. Auf ein voriges Entkleiden sollte verzichtet werden, um übermäßige Bewegung zu vermeiden. Die Anlage von Kompressionsverbänden wird kontrovers diskutiert, ist aber vermutlich abzulehnen.

Nach einem Biss durch eine Echis-Art sollte eine intensivmedizinische Überwachung mit adäquater Kontrolle von Vitalparametern und regelmäßiger Überprüfung der hämatologischen Parameter, einschließlich der Gerinnungsfaktoren, erfolgen. Die Therapie der Intoxikation durch Giftbiss besteht in erster Linie aus der Therapie mit Antivenin. Es stehen diverse Antivenine, beispielsweise 'Polyvalent Snake Venom Antiserum' (Vacsera, Ägypten) oder 'SII Bivalent Antisnake Venom Serum (lyophilized)' (Serum Institute of India Ltd., Indien), zur Verfügung. Unter Umständen sind mehrfache Dosen notwendig. Weiterhin erfolgt eine symptomatische Therapie.

7 Medizinischer Nutzen

Aus dem Toxingemisch von Echis carinatus konnten Substanzen isoliert werden, die einen medizinischen Nutzen haben. Die Produktion erfolgt auf biotechnischem Wege.

8 Literatur

  • Trutnau: Schlangen im Terrarium Bd. 2: Giftschlangen. Verlag Ulmer, Stuttgart 1998.
  • Mattison: Enzyklopädie der Schlangen, BLV Buchverlag, 2007.

9 Einzelnachweise

  1. University of Adelaide, Clinical Toxinology Resources: Echis carinatus (aufgerufen am 26.05.2019)

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