Rotigotin
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Englisch: rotigotine
Definition
Rotigotin ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Dopaminrezeptor-Agonisten, der zu den Nicht-Ergolin-Derivaten zählt. Er wird transdermal über ein Pflaster appliziert und zur Behandlung des Morbus Parkinson sowie des Restless-Legs-Syndroms eingesetzt.
Hintergrund
Beim Morbus Parkinson kommt es durch einen fortschreitenden Untergang Dopamin-freisetzender Nervenzellen in der Substantia nigra zu einem Dopaminmangel im Corpus striatum. Da Dopamin für die Steuerung von Bewegungsabläufen unabdingbar ist, resultiert daraus die typische motorische Symptomatik mit Rigor, Tremor und Akinesie.
Ziel der medikamentösen Therapie ist es, die striatale dopaminerge Transmission wiederherzustellen. Dies geschieht zum einen über die Gabe des Dopamin-Vorläufers L-Dopa – meist kombiniert mit Hemmstoffen abbauender Enzyme (z.B. Decarboxylase- und COMT-Hemmern), um den Dopaminspiegel aufrechtzuerhalten. Zum anderen können die postsynaptischen Dopaminrezeptoren direkt durch Agonisten stimuliert werden.
Chemie
Rotigotin ist ein Aminotetralin-Derivat mit einem Thiophen-Rest. Aufgrund seiner lipophilen Eigenschaften eignet es sich für die transdermale Resorption über ein Matrixpflaster. Die Summenformel lautet C19H25NOS, die molare Masse beträgt 315,47 g/mol.
Wirkmechanismus
Rotigotin ist ein Dopaminagonist mit breitem Rezeptorprofil: Es wirkt agonistisch an den D3-, D2- und D1-Rezeptoren (mit der höchsten Affinität zum D3-Rezeptor) sowie an D4 und D5, zusätzlich besitzt es eine serotoninerge (5-HT1A-agonistische) und α2-adrenerge Komponente.[1] Die zusätzliche D1-Aktivierung unterscheidet Rotigotin pharmakologisch von Pramipexol und Ropinirol.
Durch die Stimulation der striatalen Dopaminrezeptoren kompensiert Rotigotin den beim Morbus Parkinson bestehenden Dopaminmangel und lindert so die motorische Symptomatik. Da Dopamin in der Hypophyse die Prolaktin-Sekretion hemmt, kann eine Rezeptoragonisierung die Laktation vermindern – dies ist insbesondere in der Stillzeit zu beachten.
Pharmakokinetik
Rotigotin wird über das transdermale Pflaster kontinuierlich über 24 Stunden freigesetzt, was im Vergleich zu oralen Dopaminagonisten konstantere Wirkspiegel und damit eine kontinuierliche dopaminerge Stimulation ermöglicht. Die absolute Bioverfügbarkeit beträgt ca. 37 % der applizierten Dosis. Die Metabolisierung erfolgt durch Konjugation (Sulfatierung und Glucuronidierung). Die Ausscheidung der Metabolite vollzieht sich überwiegend renal. Alter, Geschlecht, leichte bis mäßige Leberfunktionsstörung und fortgeschrittene Niereninsuffizienz beeinflussen die Pharmakokinetik nicht klinisch relevant.[2]
Indikationen
- Morbus Parkinson (Frühstadium als Monotherapie, fortgeschrittenes Stadium in Kombination mit Levodopa)[3]
- mittelschweres bis schweres idiopathisches Restless-Legs-Syndrom
Darreichungsformen
Rotigotin steht als transdermales Matrixpflaster (Wirkstärken 1, 2, 3, 4, 6 und 8 mg/24 h) zur einmal täglichen Applikation zur Verfügung. Das Pflaster wird auf trockener, intakter Haut von Bauch, Oberschenkel, Hüfte, Flanke, Schulter oder Oberarm angebracht. Die Applikationsstelle wird täglich gewechselt und innerhalb von 14 Tagen nicht erneut verwendet.[4]
Dosis
Beim Restless-Legs-Syndrom beträgt die Anfangsdosis 1 mg/24 h, gesteigert in wöchentlichen Schritten bis maximal 3 mg/24 h.
Beim Morbus Parkinson liegt die Anfangsdosis in der Monotherapie bei 2 mg/24 h (Steigerung um 2 mg/24 h pro Woche, Erhaltungsdosis meist 6–8 mg/24 h). In Kombination mit Levodopa kann auf bis zu 16 mg/24 h gesteigert werden.[2]
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Nebenwirkungen
- Reaktionen an der Applikationsstelle (Hautrötung, Pruritus)
- Impulskontrollstörungen (Spielsucht, Hypersexualität, zwanghaftes Einkaufen oder Essen) als typischer Klasseneffekt der Dopaminagonisten[5]
- Somnolenz und Einschlafattacken
- orthostatische Hypotonie, Synkope
- Übelkeit, Erbrechen, Obstipation, Diarrhoe
- Schwindel, Kopfschmerzen, Schlafstörungen
- Halluzinationen
- periphere Ödeme
- allergische Reaktionen (Allergie)
Bei der Behandlung des Restless-Legs-Syndroms kann es im Verlauf zur Augmentation kommen.
Wechselwirkungen
- Neuroleptika und andere Dopaminantagonisten können die Wirkung von Rotigotin abschwächen und sollten nicht gleichzeitig gegeben werden.
- Eine additive Wirkung mit anderen sedierenden Substanzen und Alkohol ist möglich.
Kontraindikationen
- Überempfindlichkeit gegen Rotigotin oder einen sonstigen Bestandteil
- schwere Leberinsuffizienz (verminderte Clearance möglich)
Die Trägerschicht des Pflasters enthält Aluminium. Vor einer MRT oder Kardioversion muss das Pflaster entfernt werden, um Verbrennungen der Haut zu vermeiden.[2]
Quellen
- ↑ Ferraiolo und Hermans, The complex molecular pharmacology of the dopamine D2 receptor: Implications for pramipexole, ropinirole, and rotigotine, Pharmacol Ther, 2023
- ↑ 2,0 2,1 2,2 Elshoff et al., An update on pharmacological, pharmacokinetic properties and drug-drug interactions of rotigotine transdermal system in Parkinson's disease and restless legs syndrome, Drugs, 2015
- ↑ AWMF - S2k-Leitlinie Parkinson-Krankheit, AWMF-Registernummer 030/010, 2023
- ↑ UCB Pharma – Fachinformation: Neupro®, abgerufen am 09.06.2026
- ↑ Carbone und Djamshidian, Impulse Control Disorders in Parkinson's Disease: An Overview of Risk Factors, Pathogenesis and Pharmacological Management, CNS Drugs, 2024