Rohhad
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Rapid-onset Obesity, Hypothalamic dysfunction, Hypoventilation, Autonomic Dysregulation
Definition
Das ROHHAD-Syndrom ist eine extrem seltene, lebensbedrohliche Erkrankung im Kindesalter, die durch eine rapide auftretende Adipositas, eine Fehlfunktion des Hypothalamus sowie eine Dysregulation des autonomen Nervensystems und der Atmung gekennzeichnet ist.
Das Akronym steht für:
- Rapid-onset Obesity (schnell einsetzende Adipositas)
- Hypothalamic dysfunction (hypothalamische Dysfunktion)
- Hypoventilation (zentrale Alveoläre Hypoventilation)
- Autonomic Dysregulation (autonome Dysregulation)
Wird zusätzlich ein neuroendokriner Tumor (meist aus der Gruppe der Neuralleistentumoren) gefunden, spricht man vom ROHHAD-NET-Syndrom.
Epidemiologie
Die Erkrankung ist extrem selten; weltweit sind bisher nur etwa 100 bis 200 Fälle dokumentiert. Die Erstmanifestation liegt meist zwischen dem 2. und 7. Lebensjahr. Eine Geschlechterpräferenz ist nicht eindeutig belegt.
Ätiologie
Die genaue Ursache ist aktuell (Stand 02.2026) noch ungeklärt. Diskutiert werden:
- Genetische Faktoren: Bisher konnte jedoch kein spezifischer Gendefekt (wie z. B. PHOX2B beim CCHS) eindeutig identifiziert werden.
- Autoimmunologische Prozesse: Aufgrund paraneoplastischer Phänomene wird eine immunvermittelte Entzündung des Hypothalamus vermutet.
Symptome & Klinik
Das Leitsymptom ist die drastische Gewichtszunahme innerhalb weniger Monate bei einem zuvor gesunden Kind.
Hypothalamische Dysfunktion
- Hyperprolaktinämie
- Zentraler Diabetes insipidus
- Wachstumshormonmangel
- Hypothyreose
- Störungen des Natriumhaushalts (Hyper- oder Hyponatriämie)
Autonome Dysregulation
- Bradykardie oder Herzrhythmusstörungen
- Temperaturinstabilität
- Hyperhidrose
- Obstipation
- Miosis
Respiratorische Insuffizienz
Das gefährlichste Symptom ist die zentrale Hypoventilation, die vor allem im Schlaf auftritt. Die Patienten "vergessen" zu atmen, da die CO2-Antwort des Atemzentrums gestört ist. Dies führt zu obstruktiver Schlafapnoe und chronischer Hypoxämie.
Komplikationen
Etwa 40 % der betroffenen Kinder entwickeln neuroendokrine Tumoren (NET), meist:
Diagnostik
Es handelt sich primär um eine Ausschlussdiagnose.
- Labor: Hormonstatus (Prolaktin ↑, TSH, Cortisol, Elektrolyte).
- Bildgebung: MRT des Schädels (Hypothalamus-Region) und Ganzkörper-MRT/CT zur Tumorsuche.
- Schlaflabor (Polysomnographie): Nachweis der zentralen Hypoventilation.
- Genetik: Ausschluss eines Prader-Willi-Syndroms und eines Congenital Central Hypoventilation Syndrome (CCHS, PHOX2B-Mutation).
Differentialdiagnose
- Prader-Willi-Syndrom: Tritt meist früher auf; charakteristische Fazies und muskuläre Hypotonie.
- CCHS (Undine-Syndrom): Atemstörung meist ab Geburt vorhanden, keine primäre Adipositas.
- Cushing-Syndrom: Überproduktion von Cortisol.
Therapie
Eine kausale Therapie existiert nicht. Das Management ist multidisziplinär:
- Beatmung: CPAP- oder BiPAP-Maskenbeatmung, in schweren Fällen Tracheostoma.
- Endokrinologie: Hormonersatztherapie (L-Thyroxin, Wachstumshormone etc.).
- Onkologie: Chirurgische Resektion bei Nachweis von Tumoren.
- Lebensstil: Rigide Kalorienkontrolle und Bewegungstherapie (schwierig aufgrund der hypothalamischen Steuerung).
Prognose
Die Prognose hängt stark von der frühzeitigen Erkennung der Atemstörung ab. Plötzliche Todesfälle durch respiratorisches oder kardiales Versagen sind nicht selten. Eine lebenslange Überwachung ist zwingend erforderlich.
Quellen
- Ize-Ludlow, D. et al. (2007): Rapid-onset obesity with hypothalamic dysfunction, hypoventilation, and autonomic dysregulation: a newly recognized pediatric syndrome. In: Pediatrics. (Die wegweisende Erstbeschreibung des Akronyms).
- Patwari, P. P. et al. (2011): ROHHAD and CCHS: distinct clinical entities with shared visceral sensory defects. In: Proceedings of the American Thoracic Society.
- Harvengt, J. et al. (2020): ROHHAD syndrome: a clinical review. In: Orphanet Journal of Rare Diseases.
- Orphanet: ROHHAD-Syndrom (ORPHA: 171882).