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Undine-Syndrom

benannt nach Undine, Nymphe in der germanischen Mythologie
Synonyme: kongenitale alveoläre Hypoventilation, primäre alveoläre Hypoventilation, kongenitales zentrales Hypoventilationssyndrom, Undine-Fluch-Syndrom, Undines Fluch-Syndrom, Ondine-Syndrom
Englisch: ondine's curse, congenital central hypoventilation syndrome (CCHS)

1 Definition

Das Undine-Syndrom, kurz CCHS, ist eine seltene, angeborene Erkrankung des ZNS, die mit einer gestörten Atemregulation einhergeht.

2 Epidemiologie

Die Prävalenz bei Lebendgeborenen wird auf 1/200.000 geschätzt.

3 Ätiologie

Ursache des Undine-Syndroms ist eine Veränderung im PHOX2B-Gen auf Chromosom 4, i.d.R. eine Polyalaninrepeat-Mutation (PARM). Häufig handelt es sich um Neumutationen. Eine bestehende Mutation wird autosomal-dominant vererbt.

4 Klinik

Hauptsymptom des Undine-Syndroms ist Folge einer gestörten Sensitivität der zentralen Chemorezeptoren. Diese führt zu einer verminderten Reaktion des Körpers auf Hyperkapnie bzw. Hypoxie, insbesondere im Schlaf. Bei Neugeborenen fallen Phasen mit fehlender oder unzureichender Spontanatmung und Zyanose auf. Daher müssen die Betroffenen meist nach der Geburt intubiert werden. Beim Versuch der Entwöhnung vom Respirator zeigen sich dann die ausgedehnten Phasen der Hypoventilation mit Hyperkapnie und Hypoxie. In seltenen Fällen treten die Symptome erst im Laufe der ersten Lebensmonate auf (late-onset CCHS). Arousal-Reaktionen treten im Schlaf praktisch nicht auf. Im Wachzustand verfügen die Kinder meist über eine bewusste Kontrolle ihrer Atmung.

Weiterhin leiden ca. 20 % der CCHS-Patienten an einen Morbus Hirschsprung. Seltener entwickeln Patienten Herzrhythmusstörungen, neuroektodermale Tumore (z.B. Neuroblastome, Ganglioneuroblastome) und Temperaturregulationsstörungen.

5 Differenzialdiagnostik

Beim Undine-Syndrom handelt es sich um eine Ausschlussdiagnose. Entsprechend sollten folgende potentielle Ursachen der Atmungsstörung ausgeschlossen werden:

6 Therapie

Fast alle Patienten mit Undine-Syndrom benötigen eine lebenslange Beatmungstherapie. Im Verlauf der Erkrankung stabilisiert sich bei einigen Kindern die Atmung im Wachzustand, sodass nur im Schlaf eine entsprechende Therapie notwendig wird. Zum Einsatz kommt eine invasive Beatmung über ein Tracheostoma oder eine nichtinvasive Beatmung (NIV). Alternativ kann auch der Einsatz eines Zwerchfellschrittmachers erwogen werden.

7 Prognose

Bei frühzeitiger Diagnose und adäquater Versorgung in geschulten Einrichtungen können die Kinder das Erwachsenenalter erreichen.

Diese Seite wurde zuletzt am 8. April 2021 um 19:08 Uhr bearbeitet.

Danke, der Artikel wurde überarbeitet.
#2 am 23.09.2020 von Bijan Fink (Arzt | Ärztin)
Viele Menschen mit Undine Syndrom können im wachen Zustand spontan atmen, ein normales Leben führen. Nachts allerdings brauchen sie Beatmung und man muss sicherstellen, dass sie am Tage keinesfalls einschlafen. Kinder müssen 24 Stunden überwacht werden. Die Eltern sind geschult und schleppen immer ein Beatmungsgerät mit sich herum.
#1 am 17.08.2020 von Marina Riemer (Biologin)

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