Primärer Kopfschmerz
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LoslegenSynonym: primäre Kopfschmerzerkrankung
Englisch: primary headache disorder, primary headache
Definition
Primäre Kopfschmerzen sind eine Gruppe von Kopfschmerzerkrankungen, bei denen der Kopfschmerz selbst die Erkrankung darstellt. Sie lassen sich nicht auf eine andere zugrunde liegende Erkrankung zurückzuführen. Die Diagnose erfolgt anhand definierter klinischer Kriterien.
Einteilung
Gemäß der Internationalen Kopfschmerzklassifikation (ICHD-3) werden vier Gruppen primärer Kopfschmerzerkrankungen unterschieden:[1]
- Migräne
- Kopfschmerz vom Spannungstyp
- Trigemino-autonome Kopfschmerzerkrankungen (TAK) (z.B. Clusterkopfschmerz, Paroxysmale Hemikranie, Hemicrania continua, SUNCT, SUNA-Syndrom)
- Andere primäre Kopfschmerzerkrankungen
Die anderen primären Kopfschmerzerkrankungen entsprechen dem Kapitel 4 der ICHD-3. Für ihre Therapie liegen unter anderem Empfehlungen in einer S1-Leitlinie der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) vor:[2]
- Primärer Hustenkopfschmerz
- Primärer Anstrengungskopfschmerz
- Primärer Kopfschmerz durch sexuelle Aktivität
- Primärer Donnerschlagkopfschmerz
- Kältebedingter Kopfschmerz
- Kopfschmerz durch Einwirkung von Druck oder Zug auf den Kopf
- Primärer stechender Kopfschmerz
- Primärer schlafgebundener Kopfschmerz
- Münzkopfschmerz
- Neu aufgetretener täglicher anhaltender Kopfschmerz (NDPH)
Epicrania fugax wird als weitere primäre Kopfschmerzerkrankung im Anhang der ICHD-3 geführt.[1]
Pathophysiologie
Die Pathophysiologie primärer Kopfschmerzerkrankungen ist je nach Form unterschiedlich und bisher (2026) nicht vollständig geklärt. Genetische und weitere biologische Faktoren spielen bei mehreren Formen eine Rolle, besonders ausgeprägt bei der Migräne. Exogene und endogene Trigger, beispielsweise Schlafmangel, Stress oder hormonelle Veränderungen, können Attacken auslösen. Bei Migräne und trigemino-autonomen Kopfschmerzen spielen das trigeminale bzw. trigeminovaskuläre Schmerzsystem und Neuropeptide wie CGRP eine wichtige Rolle.
Diagnostik
Die Diagnose primärer Kopfschmerzerkrankungen beruht vor allem auf einer gezielten Anamnese und der klinischen Untersuchung anhand der ICHD-3-Kriterien. Dabei ist zu prüfen, ob Hinweise auf einen sekundären Kopfschmerz – beispielsweise bei Tumor, Entzündung oder vaskulären Erkrankungen – bestehen. Primäre und sekundäre Kopfschmerzen können auch gleichzeitig vorliegen. Warnzeichen ("Red Flags") sind unter anderem ein plötzlich einsetzender Vernichtungskopfschmerz, ein erstmaliger Kopfschmerz im höheren Lebensalter, Fieber, neurologische Ausfälle oder eine Änderung eines bekannten Kopfschmerzmusters. Bei entsprechenden Hinweisen ist eine weiterführende Abklärung erforderlich, insbesondere mittels Bildgebung. Das gilt vor allem bei Erstmanifestation eines Donnerschlag-, Anstrengungs- oder Sexualkopfschmerzes, die eine sorgfältige Abklärung sekundärer Ursachen verlangen.
Therapie
Die Therapie richtet sich nach der jeweiligen Kopfschmerzform, der Attackenhäufigkeit und der Beeinträchtigung im Alltag. Je nach Kopfschmerzform kommen spezifische Akuttherapien und gegebenenfalls eine medikamentöse Prophylaxe zum Einsatz. Zur Akuttherapie werden bei vielen Formen unspezifische Analgetika eingesetzt; bei Migräne kommen zusätzlich spezifische Medikamente wie Triptane zum Einsatz.
Ergänzend sind nichtmedikamentöse Maßnahmen wie regelmäßiger Schlaf, Ausdauertraining und Entspannungsverfahren sinnvoll; ein Kopfschmerztagebuch kann helfen, individuelle, reproduzierbare Trigger zu identifizieren und gegebenenfalls zu meiden.
Ein übermäßiger Gebrauch von Akutmedikamenten sollte vermieden werden, da hieraus ein Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch (MOH) entstehen kann – nach ICHD-3 eine sekundäre Kopfschmerzerkrankung, die zusätzlich zu einer primären Kopfschmerzerkrankung bestehen kann.[1]
Prognose
Primäre Kopfschmerzerkrankungen können die Lebensqualität der Betroffenen – etwa bei schweren Migräne- oder Clusterverläufen – erheblich beeinträchtigen. Der Verlauf hängt maßgeblich von der jeweiligen Form, der konsequenten Therapie und der Vermeidung eines Medikamentenübergebrauchs ab.
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Headache Classification Committee et al., The International Classification of Headache Disorders, 3rd edition, Cephalalgia, 2018. Vollständige Klassifikation online: ichd-3.org
- ↑ S1-Leitlinie Therapie anderer primärer Kopfschmerzerkrankungen, abgerufen am 20.08.2026