Primärer stechender Kopfschmerz
Synonyme: Eispickelschmerz, Jabs-and-jolts-Syndrom, Needle-in-the-eye-Syndrom, periodische Ophthalmodynie, kurzzeitiger stechender Kopfschmerz, Ophthalmodynia periodica
Englisch: Primary stabbing headache, ice-pick pains, jabs and jolts, needle-in-the-eye syndrome, sharp short-lived head pain
Definition
Der primäre stechende Kopfschmerz ist eine primäre Kopfschmerzerkrankung, die sich mit vorübergehenden, umschriebenen, schmerzhaften Stichen im Kopf manifestiert, ohne dass eine organische Ursache vorliegt.
- ICD-10: G44.- Sonstige Kopfschmerzsyndrome
Ätiologie
Die Ursache ist aktuell (2026) nicht geklärt.
Epidemiologie
Der primäre stechende Kopfschmerz wird oft bei Patienten mit präexistenten Kopfschmerzerkrankungen (z.B. Migräne, Spannungskopfschmerzen) diagnostiziert. Außerdem steigt die Inzidenz linear mit zunehmendem Alter. Frauen sind häufiger betroffen.[1]
Symptome
Bei dem primär stechenden Kopfschmerzen treten die Schmerzen in Form einzelner Stiche oder in einer Serie von Stichen auf. Diese dauern meist maximal drei Sekunden. In 70% der Fälle ist der Schmerz extratrigeminal gelegen. Die Lokalisation der Stiche kann innerhalb einer Kopfhälfte und zwischen den Kopfhälften wechseln sowie im Augenwinkel auftreten ("Ophthalmodynie").
Ungefähr ein viertel der Patienten berichtet zudem über Allodynie.
Die Attackenhäufigkeit beträgt meist nur wenige Attacken pro Tag. Es sind Fälle mit einem Status von seriellen, gehäuften Stichen bis zu einer Woche oder atypische Fälle mit 10 bis 120 Sekunden anhaltenden Stichen beschrieben.
In der Literatur wird teilweise zwischen monophasischen, intermittierenden und chronischen Verläufen unterschieden.
- Monophasisch beschreibt ein tägliches Auftreten der Stiche mit einer intensiven Schmerzintensität, wobei der Schmerz gut auf Medikamente anspricht.
- Der chronische Verlauf beschreibt ebenfalls ein häufiges Auftreten des Schmerzes, jedoch nicht täglich. Die Schmerzdauer wird häufig als länger beschrieben.
Autonome Begleitsymptome (z.B. Lakrimation, konjunktivale Injektion) treten nicht auf.
Diagnose
Die Diagnose kann bei typischen Symptomen und nach Ausschluss der Differenzialdiagnosen gestellt werden. Meist ist dafür eine einmalige Bildgebung (z.B. Kontrast-MRT) notwendig.
Differenzialdiagnosen
Die wichtigste Differenzialdiagnose ist die Gruppe der Trigemino-autonomen Kopfschmerzerkrankungen, von denen sich der primäre stechende Kopfschmerz durch fehlende parasympathische Begleitsymptome und fehlende Berührungstrigger abgrenzen lässt. Eine weitere Differenzialdiagnose ist die Epicrania fugax, sowie Herpes zoster oder eine idiopathische Fazialisparese.
Therapie
In der Regel ist der primäre stechende Kopfschmerz aufgrund der Kürze der Attacken nicht akut behandlungsbedürftig. Falls eine Prophylaxe notwendig ist, stehen v.a. Indometacin (50–75 mg, selten bis 250 mg pro Tag), alternativ u.a. Celecoxib, Melatonin, Gabapentin zur Verfügung.
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Literatur
- Suttorp N et al., Harrisons Innere Medizin. 19. Auflage. Berlin. ABW Wissenschaftsverlag; 2016
- IHS Classification ICHD-3, abgerufen am 18.06.2019
- Therapie seltener idiopathischer Kopfschmerzerkrankungen - Empfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft
- AWMF Leitlinie: Die Therapie "anderer primärer Kopfschmerzerkrankungen" - Empfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft Version V1 vom 08.07.2024
Quellen
- ↑ Pareja JA et al. Idiopathic stabbing headache (jabs and jolts syndrome), Cephalalgia. 1996 Apr;16(2):93-6., abgerufen am 19.06.2019