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Patisiran

1 Definition

Patisiran ist ein Arzneistoff aus der Klasse der siRNA zur Behandlung der hereditären ATTR-Amyloidose (hATTR).

2 Wirkmechanismus

Der Wirkstoff ist eine doppelsträngige, kleine interferierende Ribonukleinsäure (siRNA), die spezifisch auf eine genetisch konservierte Sequenz in der 3’-untranslatierten Region der mRNA von mutiertem und Wildtyp-Transthyretin (TTR) abzielt. Patisiran entfaltet seine Wirkung in den Hepatozyten nach dem Prinzip der RNA-Interferenz. Es führt zu einer vorübergehenden Stilllegung der für die TTR-Produktion verantwortlichen Gene (Gene silencing), indem es den Abbau der TTR-mRNA in den Leberzellen katalysiert. Die Serumspiegel von mutiertem und Widtyp-Transthyretin sinken, was das weitere Fortschreiten der Amyloidose verlangsamt.

3 Indikation

  • Behandlung der hereditären Transthyretin-Amyloidose (hATTR-Amyloidose) bei erwachsenen Patienten mit Polyneuropathie der Stadien 1 oder 2

4 Darreichungsform

Patisiran liegt als Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung vor. Der Wirkstoff ist in Form von Lipid-Nanopartikeln zubereitet, um die siRNA in die Hepatozyten zu befördern.

5 Dosierung

Die empfohlene Dosis von Patisiran beträgt 300 µg pro kgKG i.v. einmal alle 3 Wochen.

Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.

6 Anwendungshinweise

Die Infusion muss über ein Infusionsset erfolgen, das einen 1,2-μm-Inline-Infusionsfilter aus Polyethersulfon (PES) enthält. Die verwendeten Sets und Leitungen dürfen kein Diethylhexylphthalat (DEHP) enthalten. Die verdünnte Patisiran-Lösung muss intravenös über etwa 80 Minuten infundiert werden. Während der ersten 15 Minuten soll die Infusionsrate etwa 1 ml/min betragen. Anschließend wird die Infusionsrate für den Rest der Infusion auf etwa 3 ml/min erhöht.

7 Nebenwirkungen

Folgende Nebenwirkungen traten häufig (≥ 1/100, < 1/10) oder sehr häufig (≥ 1/10) auf:

Um das Risiko infusionsbedingter Reaktionen zu senken, ist die Prämedikation mit einem Glukokortikoid notwendig.

8 Wechselwirkungen

Patisiran ist kein Inhibitor oder Induktor des Cytochrom-P450-Enzymsystems. Wechselwirkungen mit Arzneistoffen, die über CYP450 abgebaut werden, sind daher nicht zu erwarten.

9 Zulassung

In den USA wurde Patisiran im August 2018 von der FDA zugelassen. Im gleichen Monat folgte die Zulassung in der Europäischen Union durch die EMA. Hersteller ist Alnylam Pharmaceuticals.

10 Nutzenbewertung

Patisiran ist als Orphan Drug zugelassen. Gemäß § 35a Abs. 1 Satz 11 SGB V gilt der Zusatznutzen durch die Zulassung als belegt.

11 Kosten

Die Jahrestherapiekosten für eine Behandlung mit Patisiran liegen zwischen 344.018 € und 515.495 €.[1]

12 Quellen

  1. IQWiG-Berichte – Nr. 691: Patisiran (hereditäre Transthyretin-Amyloidose mit Polyneuropathie) – Bewertung gemäß § 35a Abs. 1 Satz 11 SGB V 18.12.2018, abgerufen am 21.2.2019

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Fachgebiete: Arzneimittel

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