Milchpfropfsyndrom
Synonyme: Milchpfropf-Syndrom, Milchgerinnsel-Syndrom
Englisch: milk curd syndrome
Definition
Das Milchpfropfsyndrom ist eine seltene Form des Ileus bei Neugeborenen und jungen Säuglingen. Es entsteht durch intraluminale Obstruktion des Dünndarms infolge eingedickter, koagulierter Milchbestandteile. Betroffen sind vor allem Frühgeborene unter hochkalorischer Formulanahrung.
Epidemiologie
Das Syndrom ist selten und tritt überwiegend bei Frühgeborenen mit niedrigem Geburtsgewicht auf. In den 1970er-Jahren trat es vermehrt im Zusammenhang mit der Einführung nicht adaptierter Kuhmilch-Formulanahrungen auf. Mit der Weiterentwicklung modifizierter Säuglingsnahrungen nahm die Inzidenz deutlich ab. Risikofaktoren sind eine hohe Proteinzufuhr, konzentrierte Formulanahrung, eingeschränkte intestinale Motilität und Dehydratation.
Ätiopathogenese
Pathophysiologisch wird eine Präzipitation von Fettsäuren mit Calcium angenommen. Frühgeborene mit unreifem Gastrointestinaltrakt können größere Mengen möglicherweise nicht adäquat verarbeiten, sodass es zur intraluminalen Ausfällung kommt.
Die resultierenden festen Milchkoagel („milk curds“) führen zu einer mechanischen Obstruktion. In der Folge entstehen eine Dilatation prästenotischer Darmabschnitte, Wandspannung und im Verlauf ggf. eine Ischämie mit Darmperforation.
Klinik
Die Obstruktion liegt typischerweise im terminalen Ileum. Seltener wurden Bolusobstruktionen im Kolon oder in einem Meckel-Divertikel beschrieben.
Die Symptomatik entspricht einer mechanischen Dünndarmobstruktion:
- abdominelle Distension
- galliges Erbrechen
- ggf. galliges Erbrechen
- Nahrungsintoleranz
Die Beschwerden treten typischerweise in der 2.–3. Lebenswoche auf. Im Gegensatz zur nekrotisierenden Enterokolitis (NEC) stehen systemische Entzündungszeichen meist nicht im Vordergrund.
Diagnostik
Die Diagnostik umfasst die klinische Untersuchung sowie bildgebende Verfahren. In der Abdomenübersichtsaufnahme zeigen sich dilatierte Dünndarmschlingen mit Spiegelbildung. Typisch ist eine intraluminale, teils granuläre Verschattung im distalen Ileum. Die Sonographie kann echogene intraluminale Massen mit dorsaler Schallauslöschung darstellen.
Differentialdiagnose
Wichtige Differentialdiagnosen sind:
Therapie
Initial erfolgt eine konservative Therapie mit Nahrungskarenz, Magensonde zur Dekompression und parenteraler Flüssigkeits- und Elektrolytsubstitution. In milden Fällen kann eine rektale Spülung oder ein Kontrasteinlauf (wasserlösliches Kontrastmittel) diagnostisch und therapeutisch wirksam sein. Meist ist aber eine operative Intervention, z.B. durch Enterotomie mit Entfernung der Koagel und ggf. Resektion nicht vitaler Darmabschnitte notwendig.
Literatur
- Flikweert et al.: Return of the milk curd syndrome. Pediatric Surgery International, 2003
- Psychrembel: Milchpfropfsyndrom, zuletzt abgerufen am 12.02.2026