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Kreuzbiss

Synonym: laterale Okklusionsstörung
Englisch: crossbite

1 Definition

Der Kreuzbiss ist eine häufige Okklusionsstörung mit fehlerhafter Beziehung der Oberkiefer- und Unterkieferzähne in labiolingualer oder bukkolingualer Relation.

siehe auch: Dysgnathie

2 Hintergrund

Bei einem physiologischen (eugnathen) Gebiss okkludieren die bukkalen Höcker der Seitenzähne des Unterkiefers mittig in der Längsfissur der Oberkieferseitenzähne. Beim Kreuzbiss okkludieren hingegen die lingualen Höcker der unteren Seitenzähne mit den Längsfissuren der Oberkieferseitenzähne. Diese transversale Verschiebung kann soweit reichen, dass die oberen Zähne an den unteren lingual vorbeibeißen. Die entgegengesetzte Okklusionsanomalie, wenn die oberen Seitenzähne vollständig bukkal vor den unteren stehen, wird auch als gekreuzter seitlicher Scherenbiss oder als Linguo- bzw. Vestibulookklusion bezeichnet. Einige Autoren definieren jegliche abnormale bukkolinguale Beziehung der Seitenzähne als Kreuzbiss.

Beim Kreuzbiss kann sowohl die erste als auch die zweite Dentition betroffen sein. Außerdem kann ein Kreuzbiss ein- oder beidseitig auftreten, ganze Zahnreihen oder auch nur Einzelzähne betreffen.

3 Klassifikation

Es existieren verschiedene Möglichkeiten, um Kreuzbissformen einzuteilen.

3.1 ...nach Lokalisation

Insbesondere in der angloamerikanischen Literatur wird unterschieden zwischen:

  • anteriorem Kreuzbiss (unterer Frontzahnvorbiss)
  • posteriorem Kreuzbiss (lateraler Kreuzbiss): Kreuzbiss im engeren Sinne

3.2 ...nach Pathophysiologie

Im deutschsprachigen Raum erfolgt die Klassifikation anhand von pathophysiologischen Faktoren:

  • Dentoalveolär bedingte Okklusionsstörung: Die Störung ist auf einen oder beide Alveolarfortsätze sowie die Zähne beschränkt
  • Skelettale Störung:
    • Oberkieferkompression: bilateral symmetrisch, bilateral asymmetrisch, unilateral
    • Unterkieferexpansion: bilateral symmetrisch, bilateral asymmetrisch, unilateral
    • Kombinationsbefunde
    • Seitabweichung des Unterkiefers: Parallelverschiebung oder Diagonalverschiebung der Kiefergelenke

Die Trennung zwischen den Formen ist jedoch nicht immer eindeutig. Ein beidseitiger lateraler Kreuzbiss, der durch symmetrische Größenunterschiede der beiden Kiefer entstanden ist, kann zum Beispiel durch alveoläre Veränderungen fälschlicherweise als einseitiger Kreuzbiss manifestieren. Weiterhin treten oft Mischformen auf.

3.3 ...nach Morphologie

Eine alternative Klassifikation nach Klinck-Heckmann basiert auf morphologischen Leitsymptomen und unterscheidet bei der lateralen Okklusionsstörung zwischen:

  • Seitabweichung des Unterkiefers mit Mittellinienabweichung
  • Falsch verzahnte Seitenzahngruppen ohne Mittellinienabweichung
    • Einseitiger Kreuzbiss im Seitenzahngebiet
    • Beidseitiger Kreuzbiss im Seitenzahngebiet (Symmetrische Oberkieferkompression)
    • Bukkale Nonokklusion

4 Ätiologie

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen endogenen (genetischen) und exogenen Faktoren. Zwar kann ein Kreuzbiss familiär gehäuft vorkommen, jedoch sind exogene Einflüsse ätiologisch bedeutsamer. Hierzu zählen:

Weiterhin kann ein Kreuzbiss im Rahmen von syndromalen Erkrankungen (z.B. Treacher-Collins-Syndrom) auftreten. Außerdem kommt er als Begleitsymptom von Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten, bei Patienten mit vertikaler Dysgnathie, in Kombination mit einer mandibulären Retrognathie und/oder einem offenen Biss vor.

5 Epidemiologie

Bei kaukasischen Jugendlichen wird die Inzidenz auf 5 % beim beidseitigen und auf bis zu 10 % beim einseitigen Kreuzbiss geschätzt. Jedoch finden sich in der Literatur unterschiedliche Angaben.

6 Symptome

Aufgrund eines Kreuzbisses können Probleme bei der Nahrungsaufnahme und in Bezug auf die Nasenatmung entstehen. Weiterhin können ästhetische Faktoren zu psychischen Folgen und zur Einschränkung der Lebensqualität führen. Betrifft der Kreuzbiss die Schneidezähne, sind Sprachstörungen möglich. Außerdem kann durch die Fehlbelastung des Kiefers Kopf-, Kiefergelenk- und Kaumuskelschmerzen entstehen.

7 Diagnostik

Um einen geeigneten Therapieplan aufstellen zu können, ist eine umfangreiche Diagnostik obligat. Die wichtigste Aufgabe ist dabei die Suche nach der Ursache und Differenzierung zwischen rein dentalen Problemen, skelettalen Abweichungen oder einer Kombination von beiden. Diese beinhaltet:

Begleitend finden sich bei den betroffenen Patienten häufig ein schmales und hohes Gaumendach, ein schmaler oberer Zahnbogen sowie Engstände und/oder Rotationen.

8 Therapie

Zwar kommen spontane Korrekturen von Kreuzbissen im Milchgebiss vor, meistens übertragen sich jedoch die Okklusionsanomalien auf die zweite Dentition. Wenn nur ein einzelnes Zahnpaar betroffen ist, wird man beim Milchgebiss meist keine Behandlung einleiten. Bei einem stärker ausgeprägten lateralen Kreuzbiss sollte man früh mit einer Therapie beginnen. Spätestens beim Wechsel der Seitenzähne sollte die Korrektur abgeschlossen sein, da sich sonst skelettale Asymmetrien ausbilden können. Ein Kreuzbiss, der auf einer Seitabweichung des Unterkiefers beruht, sollte so früh wie möglich behandelt werden.

Die Therapie kann je nach Ursache und Gebissphase mit herausnehmbaren Apparaturen und/oder festsitzenden Behandlungsgeräten erfolgen. Nach dem Wachstumsabschluss kommt je nach Ausmaß eine chirurgische Therapie in Frage. Supportiv kann eine Physiotherapie sowie Atemtherapie sinnvoll sein.

8.1 Herausnehmbare Geräte

Eine Möglichkeit einer Kreuzbisskorrektur ist die Verwendung einer Oberkiefer-Dehnplatte, gegebenenfalls mit seitlichen Aufbissen. Damit kann eine Erweiterung und vor allem eine Bukkalkippung des oberen Zahnbogens erreicht werden. Mit Hilfe von funktionskieferorthopädischen Geräten ist die Korrektur einer mandibulären Mittellinienverschiebung möglich.

8.2 Fesitzende Geräte

Mit Hilfe von Criss-Cross-Gummizügen lassen sich einzelne Zähne oder Zahngruppen überstellen. Eine Quadhelix ist ein Palatinalbogen mit 4 Helices, der an Molarenbändern befestigt werden kann. Sie kann eine transversale Erweiterung des oberen Zahnbogens bewirken. Eine Erweiterung der Sutura palatina ist mit einer Gaumennahterweiterungsapparatur (GNE) möglich.

9 Literatur

  • Harzer, W. (2011). Kieferorthopädie. Georg Thieme Verlag.
  • Diedrich, P. (2000). Kieferorthopädie II. Therapie. PdZ, 11.
  • Proffit, W. R., Fields Jr, H. W., & Sarver, D. M. (2006). Contemporary orthodontics. Elsevier Health Sciences.
  • Bock, J. J., Bock, J., & Bock, F. (2011). Grundwissen Kieferorthopädie interdisziplinäre Zusammenarbeit, Diagnostik. Therapie. Balingen: Spitta, 978-3.

Fachgebiete: Zahnmedizin

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