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Klauenspitzengeschwür (Wiederkäuer)

Synonyme: KSG, Pododermatitis septica traumatica circumscripta, Unulochoriitis septica traumatica
Englisch: toe ulcer

1 Definition

Ein Klauenspitzengeschwür ist ein an der Hornsohle im Bereich der Klauenspitze auftretendes Geschwür (Ulkus) beim Wiederkäuer.

2 Epidemiologie

Klauenspitzengeschwüre treten vermehrt an den Hintergliedmaßen, seltener an den Klauen der Vorderextremität auf. In den meisten Fällen sind zwei oder mehrere Klauen gleichzeitig betroffen, was als Hinweis auf eine allgemeine Vorschädigung (Klauenrehe, unsachgemäße Klauenpflege) angesehen werden kann.

3 Ätiologie

Die häufigste Ursache eines Klauenspitzengeschwürs ist das Dünnlaufen des Horns (dünne Sohle) auf stark abrasiven Böden (z.B. Gussasphalt oder neuer rauer Betonboden).

Zusätzlich kann ein Dünn- oder Durchschneiden des Sohlenhorns bei unsachgemäßer Klauenpflege die Ausbildung eines Klauenspitzengeschwürs begünstigen. Als weiterer prädisponierende Faktoren gelten Hornspalten und chronische Klauenrehen. Bei letzteren kommt es zum Absinken oder Rotation des Klauenbeins, die in Verbindung mit Zirkulationsstörungen und Thrombosen in den Zehenendarterien eine Nekrose der Sohlenlederhaut verursacht. Kommt es aufgrund einer Klauenrehe zum Klauenspitzengeschwür, treten oftmals gleichzeitig auch Sohlengeschwüre auf.

Klauenspitzengeschwüre können auch von der weißen Linie (Zona alba) im Bereich der Klauenspitze ausgehen, meist aufgrund unsachgemäßer Klauenpflege und zu dünnem Schneiden des Horns.

4 Pathogenese

Durch mechanische Einwirkungen nimmt die Dicke des Sohlenhorns im Bereich der Klauenspitze deutlich ab. Da in diesem Bereich die subkutane Schicht jedoch maximal nur 2 bis 3 mm dünn ist, liegt die Lederhaut nahezu unmittelbar am Knochen an. Aufgrund dieser Verhältnisse können Infektionen von der Lederhaut rasch auf das Klauenbein übergreifen, sodass es zu einer Knocheninfektion und nachfolgender Klauenbeinspitzennekrose kommt.

5 Klinik

Im Anfangsstadium zeigen betroffene Tiere meist nur eine geringgradige Lahmheit (Grad 1 bis 2 nach Sprecher et al.). Lahmheiten, die zusammen mit einer Schwellung dorsal an der Krone einhergehen, sprechen für die Beteiligung tiefer Strukturen und somit für eine Klauenbeinspitzennekrose.

Sind eine oder gar mehrere Klauen an beiden Hintergliedmaßen betroffen, geht die Erkrankung oft mit einer mittelgradigen bis hochgradigen Lahmheit (Grad 3 bis 5), spießigem Gang und massiven Schwierigkeiten beim Aufstehen einher.

6 Diagnose

Ein Klauenspitzengeschwür kann adspektorisch diagnostiziert werden. Hierzu muss die Klaue gereinigt und mittels diagnostischen Klauenschnitt von Schmutz und äußerem Horn entfernt werden. Beim Vorliegen eines Geschwürs ist eine deutliche Läsion im Spitzenbereich der Klaue erkennbar. Das Geschwür kann entweder als kleinste Zusammenhangstrennung (kleiner Kanal) oder als großflächiger Substanzverlust in Erscheinung treten.

Mithilfe der Zangenpalpation wird der schmerzhafte Bereich eingegrenzt. In diesem Abschnitt ist das Sohlenhorn meist sehr dünn, sodass es bereits mit dem Daumen eingedrückt werden kann. Das Geschwür ist immer im vorderen Bereich der Hornsohle anzutreffen, wobei sich die nekrotische Sohlenlederhaut meist vorwölbt. Eine Exsudation ist - wenn vorhanden - nur geringgradig nachweisbar.

Das gesamte Ausmaß des Klauenspitzengeschwürs kann mittels Sondierung (Knopfsonde) und Röntgenuntersuchung festgestellt werden. Hierfür sollte eine dorsopalmare bzw. dorsoplantare sowie eine schräg-seitliche Aufnahme der Zehe durchgeführt werden. Sind osteolytische Veränderungen am Klauenbein ersichtlich, liegt eine Klauenbeinnekrose vor.

7 Differenzialdiagnosen

Differenzialdiagnostisch sind Infektionen, die von der weißen Linie ausgehen, Exungulationen und Klauenbeinfrakturen auszuschließen.

8 Therapie

Klauenspitzengeschwüre müssen unbedingt freigelegt und entlastet werden. Hierzu wird unter intravenöser Stauungsanästhesie (IVSTAN) und eventuell auch intravenöser Stauungsantibiose (IVSTAB) ein Klotz auf die gesunde Nachbarklaue geklebt und eine funktionelle Klauenpflege durchgeführt. Ist die Spitze des Klauenbeins schon nekrotisch angegriffen, muss zusätzlich eine Resektion der osteolytischen Knochenanteile erfolgen.

Ist mehr als die Hälfte des Klauenbeins osteolytisch, kann nur noch die Amputation der Klaue zu einer Genesung führen.

9 Prophylaxe

Regelmäßige und fachgerechte Klauenpflege und wenig-abrasive Laufflächen verhindern die Ausbildung von Klauenspitzengeschwüren.

10 Quellen

  • A. Univ.-Prof. Dr. Johann Kofler. Dipl. ECBHM. Orthopädische Erkrankungen & Orthopädische Operationen bei Wiederkäuern. Neu überarbeitet im Jänner 2015 mit 45 Videos abrufbar mittels QR-Code & URL's zur VETmedhiathek. Klinik für Wiederkäuer, Vetmeduni Wien.
  • A. Univ.-Prof. Dr. Johann Kofler. Diagnoseschlüssel zu Klauenerkrankungen für Klauenpfleger & Tierärzte, Johann Kofler. Klinik für Wiederkäuer, Vetmeduni Wien, 14.11.14 (abgerufen am 03.10.2019)

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