Keratosis pilaris
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LoslegenSynonyme: Reibeisenhaut, Lichen pilaris
Englisch: keratosis pilaris
Definition
Die Keratosis pilaris ist eine Verhornungsstörung der Haut, bei der es vorwiegend an den Streckseiten der Oberarme und Oberschenkel zur Ausbildung follikulär gebundener, keratotischer Knötchen kommt. Sie ist eine sehr häufige, gutartige Störung und findet sich oft als Begleitsymptom bei Patienten mit atopischen Erkrankungen. Prädisponiert sind auch Menschen mit trockener Haut.
Epidemiologie
Die Erkrankung ist bei beiden Geschlechtern sehr häufig und erreicht ihren Häufigkeitsgipfel in der Adoleszenz.
Ätiologie
Die genaue Ursache der Verhornungsstörung ist nicht abschließend geklärt. Beobachtet werden eine familiäre Häufung mit vermuteter autosomal-dominanter Veranlagung sowie eine Assoziation mit einer gestörten Hautbarriere. Häufig besteht ein Zusammenhang mit atopischer Dermatitis, Ichthyosis vulgaris und Filaggrin-assoziierten Barrierestörungen.[1]
Einteilung
Eine einheitliche Klassifikation existiert nicht. In der Literatur werden jedoch gebräuchliche klinische Varianten unterschieden, die sich in ihrer Abgrenzung teils überschneiden:
- Klassische Keratosis pilaris – follikuläre Papeln ohne wesentliche Entzündung
- Keratosis pilaris rubra – ausgeprägteres perifollikuläres Erythem, gelegentlich als eigene Entität, teils als entzündliche Verlaufsform der klassischen Keratosis pilaris verstanden
- Keratosis pilaris alba – follikuläre Hyperkeratosen ohne Erythem, Abgrenzung zur klassischen Form nicht immer trennscharf
Davon abzugrenzen ist die Gruppe der Keratosis-pilaris-atrophicans-Erkrankungen – seltene, z.T. genetisch eigenständige Verlaufsformen mit follikulärer Vernarbung und Atrophie statt reiner Hyperkeratose, u.a. Ulerythema ophryogenes an den Augenbrauen, Atrophoderma vermiculata und Keratosis follicularis spinulosa decalvans.[2]
Symptome
Die Erkrankung verläuft überwiegend asymptomatisch. Die Haut fühlt sich rau und schuppig an. Follikulär gebundene, kegelförmige Hornpfröpfe (keratotische Papeln) sitzen den Haarfollikeln auf. Neben den Streckseiten von Oberarmen und Oberschenkeln können auch Herde im Gesäßbereich oder im seitlichen Gesicht auftreten. Ein variables perifollikuläres Erythem ist möglich.
Gelegentlich, insbesondere bei trockener Haut, können Juckreiz und ein Spannungsgefühl auftreten. Im Vordergrund steht bei den meisten Betroffenen jedoch die als kosmetisch störend empfundene Optik.
Diagnostik
Die Diagnose wird klinisch anhand der typischen Symptomatik gestellt. Eine histologische Sicherung ist in der Regel nicht erforderlich.
Differentialdiagnose
Abzugrenzen sind insbesondere Follikulitis, Akne vulgaris und Milien.[3] Bei speziellen klinischen Konstellationen kommen zudem Lichen nitidus, Ulerythema ophryogenes und follikuläre Veränderungen bei Ichthyosis vulgaris infrage.[2]
Therapie
Eine kausale Heilung steht nicht zur Verfügung. Die Hautveränderungen können sich jedoch, insbesondere im Erwachsenenalter, spontan deutlich zurückbilden oder vollständig verschwinden. Die Behandlung ist rein symptomatisch bzw. kosmetisch ausgerichtet. Der Nutzen der verfügbaren Maßnahmen ist meist unvollständig und vorübergehend, die Evidenzlage aufgrund kleiner Studien begrenzt.[1] Als Basis dienen:
- regelmäßige, konsequente Anwendung rückfettender und feuchtigkeitsspendender Externa (Emollienzien), häufig in Kombination mit Harnstoff (Urea)
- keratolytische Externa zur Auflösung der Hornpfröpfe, u.a. Harnstoff in an Hautregion und Verträglichkeit angepasster Konzentration, Salicylsäure sowie Alpha-Hydroxysäuren wie Milchsäure oder Glykolsäure[1]
- ggf. topische Retinoide in Einzelfällen
Aggressives mechanisches Schrubben oder stark austrocknende Reinigung sollte vermieden werden, da dies das perifollikuläre Erythem verstärken und die Keratosis pilaris verschlechtern kann. Eine sehr sanfte mechanische Exfoliation (z.B. mit einem weichen Waschlappen) wird in der Praxis von manchen Patienten ergänzend eingesetzt, stellt jedoch wegen des Irritationsrisikos keinen regulären Basisbestandteil der Therapie dar und sollte, wenn überhaupt, zurückhaltend und nur bei guter Verträglichkeit erfolgen.
Lasertherapie
Bei therapierefraktären oder kosmetisch stark belastenden Verläufen können Laser- und Lichtverfahren erwogen werden. Unter den verfügbaren Verfahren schneidet der Nd:YAG-Laser in der aktuellen Literatur am konsistentesten ab. Auch ablative Verfahren wie der CO2-Laser kommen zum Einsatz; dem Erbium:YAG-Laser wird aufgrund eines günstigeren Nebenwirkungsprofils Potenzial zugeschrieben, wobei die Datenlage hierzu noch begrenzt ist.[4] Weiterhin kommen Diodenlaser sowie IPL zum Einsatz. Die Evidenzlage ist insgesamt begrenzt, eine eindeutige Überlegenheit einzelner Verfahren ist nicht gesichert.[5]
Prognose
Die Prognose ist gut. Die Hautveränderungen persistieren zwar oft über Jahre, nehmen aber im Erwachsenenalter häufig an Ausprägung ab. Eine relevante körperliche gesundheitliche Beeinträchtigung besteht in der Regel nicht; die sichtbaren Hautveränderungen können jedoch kosmetisch und psychosozial belastend sein. Im Gegensatz zur klassischen Form, die in der Regel nicht vernarbt, können bei den selteneren atrophischen Varianten (Keratosis pilaris atrophicans) bleibende Vernarbungen bzw. eine Alopezie zurückbleiben.
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Dampa, The Effectiveness of Topical Keratolytics (Alpha Hydroxy Acids/Beta Hydroxy Acids/Urea) in Treating Keratosis Pilaris: A Review of the Literature, Cureus, 2025
- ↑ 2,0 2,1 Wang und Orlow, Keratosis Pilaris and its Subtypes: Associations, New Molecular and Pharmacologic Etiologies, and Therapeutic Options, Am J Clin Dermatol, 2018
- ↑ Lim et al., Presentations of Cutaneous Disease in Various Skin Pigmentations: Keratosis Pilaris, HCA Healthc J Med, 2026
- ↑ Beyron, Keratosis pilaris: a systematic review of the literature and strategies for optimal treatment, Eur J Dermatol, 2025
- ↑ Wong et al., Keratosis pilaris treatment paradigms: assessing effectiveness across modalities, Clin Exp Dermatol, 2024