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Hypodermose (Rind)

Synonyme: Dasselbefall, furunkulöse Myiasis, Dasselbeulen
Englisch: cattle grubs, warbles, heel flies

1 Definition

Als Hypodermose bzw. furunkulöse Myiasis bezeichnet man eine Ektoparasitose beim Rind, die durch Parasiten der Gattung Hypoderma verursacht wird.

2 Erreger

Die Erreger der Hypodermose sind Hypoderma bovis (große Dasselfliege) und Hypoderma lineatum (kleine Dasselfliege).

Hypoderma-Arten sind zwischen 11 und 13 (Hypoderma lineatum) bzw. 13 und 15 mm (Hypoderma bovis) große, hummelähnliche Fliegen mit dichter Beborstung und rudimentären Mundwerkzeugen.

3 Epidemiologie

Die Hypodermose kommt in Ländern des südlichen und östlichen Europas gehäuft vor. In Nord-, West- und Mitteleuropa ist die Parasitose weitgehend getilgt oder kommt nur mehr herdförmig mit meist niedriger Prävalenz vor. Tritt die Erkrankung in einer Region gehäuft auf, kann sie sich ohne notwendige Gegenmaßnahmen rasch ausbreiten. Aus diesem Grund sind Hypodermose-freie Gebiete durch Importtiere aus Endemiegebieten besonders gefährdet.

Die Erkrankung tritt nur bei Rindern mit Weidehaltung auf. Eine ganzjährige Stallhaltung verhindert einen Befall.

4 Pathogenese

Während der Flugperiode (Mai und Juni bei Hypoderma lineatum bzw. Juni bis September bei Hypoderma bovis) heften die Weibchen ihre Eier an die Haare von Weiderindern. Anschließend schlüpfen die Erstlarven (L1) und dringen in die Haut ihrer Wirte ein. Die Parasiten wandern dann durch den Wirbelkanal (Hypoderma bovis) oder nach einem Aufenthalt in der Ösophaguswand (Hypoderma lineatum) in die Subkutis des Rückens. Dort entwickelt sich die Larve zur Drittlarve (L3) weiter und bildet so ab Januar (Hypoderma lineatum) bzw. Februar (Hypoderma bovis) Dasselbeulen mit einem Atemloch in der Haut. Die Drittlarven verlassen im Frühjahr und Frühsommer die Dasselbeulen und verpuppen sich dann im Boden.

Durch die panischen Fluchtreaktionen der Rinder beim Anflug von Hypoderma bovis kommt es oftmals zu massiven Verletzungen (z.B. an Zäunen). Die im Tierkörper wandernden Larven sind teils von gelatinösen, grünlich verfärbten, stark mit eosinophilen Granulozyten angereicherten Reaktionszonen umgeben. Gelegentlich kommt es auch zu irrwandernden Larven, die zu verschiedenen Organschäden führen. Die im Bereich des Rückens lokalisierten Dassellarven können in die angrenzende Muskulatur ausstrahlen und bei starkem Befall Entzündungen und Ödeme verursachen. Selten schädigen Wanderlarven auch das Rückenmark und verursachen so verschiedene neurologische Ausfallserscheinungen (z.B. Festliegen).

5 Klinik

Bei einem massenhaften Befall kommt es nicht nur zu Schäden der Haut (wirtschaftliche Verluste in der Lederindustrie), sondern auch zu Entwicklungsstörungen mit Rückgang der Fleisch- und Milchleistung. Die Symptome hängen dabei von der Befallsstärke und der immunologischen Reaktion des Körpers auf Dasselallergene ab.

Ein starker Befall führt zu Dysphagie, Wiederkaustörungen, Tympanie, Myositis, Pneumonie, Pleuritis und neurologischen Ausfallserscheinungen.

6 Diagnose

Die klinischen Erscheinungen (Dasselbeulen) sind pathognomonisch für eine Hypodermose. Alternativ kann auch ein Antikörpernachweis (ca. 3 bis 6 Wochen post infectionem) mittels ELISA (Sensitivität 94 %, Spezifität 98 %) durchgeführt werden.

7 Therapie

Die Hypodermose kann mit geeigneten Endektoziden behandelt werden. Einerseits kann Ivermectin (0,5 mg/kgKG s.c.), andererseits auch Eprinomectin (0,5 mg/kgKG als Pour-on) verwendet werden.

Bei der Wahl des Wirkstoffs sind die jeweiligen Zulassungs- und Wartezeitbestimmungen zu berücksichtigen. Ivermectin darf z.B. nicht bei milchliefernden Tieren verwendet werden, während Eprinomectin auch bei Mast- und Milchkühen indiziert ist.

Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.

8 Quellen

  • Klee W, Metzner M. 2016. Ausgewählte Kapitel aus dem Gebiet der Inneren Medizin der Wiederkäuer Lehrmaterialien der Klinik für Wiederkäuer der LMU München (abgerufen am 18.03.2021)
  • Eckert J, Friedhoff KT, Zahner H, Deplazes P. 2008. Lehrbuch der Parasitologie für die Tiermedizin. 2., vollständig überarbeitete Auflage. Stuttgart: Enke Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG. ISBN: 978-3-8304-1072-0
  • CliniPharm CliniTox. Ivermectin CliniPharm Wirkstoffdaten (abgerufen am 18.03.2021)
  • CliniPharm CliniTox. Eprinomectin CliniPharm Wirkstoffdaten (abgerufen am 18.03.2021)

Diese Seite wurde zuletzt am 19. März 2021 um 14:51 Uhr bearbeitet.

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