Hutchinson-Pupille
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nach dem britischen Chirurgen, Ophthalmologen und Pathologen Sir Jonathan Hutchinson (1828–1913)
Definition
Die Hutchinson-Pupille ist eine mydriatische, lichtstarre Pupille als Zeichen einer Kompression des N. oculomotorius durch eine intrakranielle Raumforderung, z.B. ein Subduralhämatom.
Mechanismus
Die parasympathischen Fasern verlaufen oberflächlich (peripher) im N. oculomotorius und sind daher bei einer Kompression des Nervs als erstes betroffen. Durch den Ausfall dieser Fasern fällt der Parasympathikus-Tonus weg, sodass die Pupille unter dem Einfluss des Sympathikus weit (mydriatisch) und lichtstarr wird. Bei einer durch eine Blutung verursachten Raumforderung und weiter steigendem Hirndruck zeigt sich im Verlauf an der kontralateralen Pupille das gleiche klinische Bild. Beidseitige, weite, lichtstarre Pupillen sind mit einer sehr schlechten Prognose vergesellschaftet.
Diagnostik und Differenzialdiagnosen
Die Pupillen sollten klinisch hinsichtlich Größe, Form und Lichtreaktion seitenvergleichend untersucht werden. Eine einseitige weite, lichtstarre Pupille ist ein Warnzeichen für eine akute Okulomotoriuskompression und erfordert eine sofortige Bildgebung des Gehirns. In der Regel erfolgt diese mittels kranialer Computertomografie; bei entsprechender Fragestellung ergänzt die Magnetresonanztomografie die Diagnostik.[1][2] Wichtige Differenzialdiagnosen der einseitigen lichtstarren Mydriasis sind pharmakologische Mydriasis, traumatische Iridoplegie, eine isolierte oder aneurysmatische Okulomotoriusparese sowie andere Ursachen einer anisokoren Pupillenstörung.[2]
Akutmanagement
Das Hutchinson-Zeichen ist ein neurologisch-neurochirurgischer Notfall und spricht für eine drohende transtentorielle Herniation mit Bedarf an unverzüglicher Diagnostik und Behandlung der kausalen Ursache.[3] Bis zur definitiven Therapie werden hirndrucksenkende Maßnahmen eingeleitet. Dazu gehören Oberkörperhochlagerung, Sicherung von Oxygenierung und Ventilation sowie die Vermeidung von Hypotonie. Bei Zeichen der Herniation erfolgen eine kurzzeitige Hyperventilation und die Gabe von Mannitol oder hypertoner Kochsalzlösung. Bei raumfordernder Blutung ist eine rasche neurochirurgische Entlastung erforderlich.[3][1]
Klinische Bedeutung
Eine neu aufgetretene lichtstarre Pupillenerweiterung bei intrakranieller Raumforderung ist ein Warnzeichen einer möglichen transtentoriellen Herniation und erfordert eine unverzügliche notfallmäßige Abklärung. Bei Schädel-Hirn-Trauma sollte die Versorgung in einer Klinik mit neurochirurgischer Behandlungsmöglichkeit erfolgen.[4]
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 Intrakranieller Druck (ICP), AWMF-Leitlinie, 2024, abgerufen am 01.11.2026
- ↑ 2,0 2,1 Empfehlungen zur Untersuchung und zum diagnostischen Vorgehen bei Pupillenstörungen, Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft, 2017, abgerufen am 01.11.2026
- ↑ 3,0 3,1 Polytrauma/Schwerverletzten-Behandlung S3-Leitlinie, AWMF-Leitlinie, 2026, abgerufen am 01.11.2026
- ↑ Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie und Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie: S3-Leitlinie Polytrauma/Schwerverletzten-Behandlung, AWMF-Registernummer 187-023, Version 4.1, Stand 12/2022, abgerufen am 01.11.2026