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Goldregen

Synonyme: Bohnenbaum
Englisch: golden chain

1 Definition

Goldregen, botanisch Laburnum, ist eine aus Europa und Westasien stammende Pflanzengattung der Hülsenfruchtgewächse (Fabaceae). Die Arten haben Bedeutung als Zier- und Giftpflanzen und verwildern gelegentlich.

2 Systematik

Es gibt zwei Arten innerhalb der Gattung:

  • Gewöhnlicher Goldregen (Laburnum anagyroides MEDIK.)
  • Alpen-Goldregen (Laburnum alpinum MILL.)

Darüber hinaus existiert eine Kreuzung beider Arten, der Edel-Goldregen (Laburnum x watereri G. KIRCHN.), die häufig als Zierpflanze kultiviert wird.

3 Eigenschaften

Es handelt sich um sommergrüne Gehölzpflanzen, die eine Wuchshöhe von bis zu 8 Metern erreichen können. Die Laubblätter sind aus drei elliptisch-eiförmigen oder schmal-elliptischen Blättchen zusammengesetzt. Die Blüten weisen eine goldgelbe Krone auf und sind in einer zwischen 10 und 40 Zentimeter langen, hängenden Traube angeordnet. Der Fruchtstand wird von einer hängenden Hülse gebildet. Bei Laburnum anagyroides sind die Blättchen und Hülsen seidig behaart, bei Laburnum alpinum dagegen annähernd kahl.

4 Medizinische Anwendung

Die Anwendung von Goldregen ist obsolet. Früher nutzte man die Pflanze zur Raucherentwöhnung, da der Hauptwirkstoff (Cytisin, s.u.) ähnlich wirkt wie Nikotin. Von Cytisin abgeleitet ist der Wirkstoff Vareniclin, der als Fertigarzneimittel in den USA (Chantix®) und Europa (Champix®) zur Raucherentwöhnung vertrieben wird.

5 Toxikologie

5.1 Inhaltsstoffe

Goldregen ist stark giftig und enthält in allen Pflanzenteilen verschiedene pharmakologisch aktive Inhaltsstoffe, in erster Linie Alkaloide (Chinolizidinalkaloide). Hauptalkaloid ist Cytisin, daneben kommt u.a. N-Methylcytisin vor. Der Cytisingehalt ist in den Samen am höchsten und steigt mit zunehmender Fruchtreife. Gesamtalkaloidgehalt bei Laburnum anagyroides: 0,3 % in den Blättern, 0,2 % in den Blüten und 1,5 bis 3 % in reifen Samen, wobei hier hauptsächlich Cytisin vertreten ist. Bei Laburnum x watereri wurde in reifen Samen ein Cytisingehalt von 0,7 bis 1,6 % nachgewiesen, N-Methylcytisin kam lediglich in Spuren vor.

5.2 Symptome

Die Symptomatik wird bestimmt durch die Wirkungen des Cytisins. Dieses wirkt als Partialagonist an Nikotinrezeptoren und als Ganglienblocker (nach vorangehender Erregung erfolgt eine Lähmung). Beschwerden einer Intoxikation durch Goldregen treten in der Regel 15 bis 60 Minuten nach peroraler Aufnahme auf und können sich durch Brennen der Mund- und Rachenschleimhaut, erhöhten Speichelfluss (Hypersalivation), Übelkeit, Emesis, Bluterbrechen (Hämatemesis), Schweißausbrüche, Mydriasis, Vertigo, Angst, Verwirrtheit, Halluzinationen, tonisch-klonische Krämpfe und Kreislaufversagen äußern. Der Tod tritt nach Aufnahme letaler Dosen in der Regel durch zentrale Atemlähmung ein. Früh einsetzendes Erbrechen des Mageninhalts, einschließlich dort verbliebener Pflanzenreste, verhindert häufig die Resorption letaler Dosen.

Kinder sind besonders empfindlich gegenüber den Giftstoffen, letale Giftmengen können bereits in 3 bis 20 Samen enthalten sein.

5.3 Therapie

Erbrechen herbeiführen (Emetika), resorptionsvermindernde Maßnahmen (Aktivkohle, Magenspülung) und intensivmedizinische Betreuung (Volumenersatz, künstliche Beatmung, Defibrillation), Analeptika, darüber hinaus symptomatisch.

6 Literatur

  • Jäger et al.: Rothmaler - Exkursionsflora von Deutschland, Bd. 2. Aufl. 20, Spektrum Akadem. Verlag.
  • Roth, Daunderer & Kormann: Giftpflanzen - Pflanzengifte, 5. Aufl., Nikol Verlag.
  • Mutschler et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen, 8. Aufl, Wissenschaftl. Verlagsgesellschaft.

7 Weblinks

Fachgebiete: Biologie, Toxikologie

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