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Embryotransfer (Pferd)

Synonyme: Embryonentransfer, Embryo(nen)übertragung, Embryospülung
Englisch: embryo transfer

1 Definition

Der Embryotransfer ist eine Reproduktionstechnik, bei der Embryonen von einer Spenderstute gewonnen und anschließend an eine Empfängerstute übertragen werden.

2 Indikation

Beim Embryotransfer werden Embryonen von einer Spenderstute mit überdurchschnittlicher Genetik gewonnen und anschließend an eine Empfängerstute mit durchschnittlicher Genetik übertragen. Die Empfängerstute übernimmt dabei sowohl die Trächtigkeit als auch die Aufzucht des Fohlens.

Der Embryotransfer wird v.a. bei Hochleistungsstuten (z.B. im Spitzensport) durchgeführt. Er dient vorwiegend der Produktion mehrerer Nachkommen bei gleichzeitiger Verwendung der Spenderstute im Sport. Zusätzlich kann der Embryotransfer auch bei Stuten angewendet werden, die selbst (z.B. aus gesundheitlichen Gründen) nicht mehr in der Lage sind, ein Fohlen problemlos auszutragen. Die Technik kommt auch bei Stuten zum Einsatz, die aufgrund ihres Alters noch nicht für eine Trächtigkeit bereit wären, jedoch eine überdurchschnittlich gute Genetik besitzen.

Der Embryotransfer stellt zudem eine wichtige Methode zum Erhalt von bedrohten Pferderassen dar. Die gewonnenen Embryonen werden kryokonserviert und in einer Embryonenbank aufbewahrt und/oder zu Forschungszwecken verwendet.

3 Voraussetzungen

Aufgrund des hohen technischen, zeitlichen sowie auch finanziellen Aufwands ist ein Embryotransfer nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen indiziert. Folgende Kriterien müssen vor der Durchführung des Transfers sichergestellt werden:

  • Spenderstute mit überdurchschnittlicher Genetik
  • Spenderstute sollte zwischen 2 und 8 Jahre alt sein
  • Verfügbarkeit von mehreren Empfängerstuten (2 bis 3 Stuten pro Spenderstute)
  • Empfängerstuten sollten zwischen 3 und 10 Jahre (max. 14 Jahre) alt sein
  • Empfängerstuten mit guter Fruchtbarkeit, guter Milchleistung und überdurchschnittlichen Mutterstuteneigenschaften
  • Empfängerstuten sollten mindestens die Größe der Spenderstute haben
  • Zyklussynchronität von Spender- und Empfängerstuten
  • Verfügbarkeit von Hengsten mit guter Fruchtbarkeit

4 Vorbereitung

Sowohl die Spender- als auch die Empfängerstuten sollten eine Zuchttauglichkeitsuntersuchung erhalten. Hierfür ist eine gynäkologische Untersuchung vorzunehmen, wobei auch Tupferproben sowie eine Endometriumbiopsie durchgeführt werden.

Die Stuten sind an eine geeignete Klinik zu überweisen und dort einzustellen. Es ist eine Rossesynchronisation mit PGF durchzuführen, damit sich neben der Spenderstute auch die Empfängerstuten im gleichen Abschnitt des Zyklus befinden. Anschließend erfolgt eine regelmäßige Überwachung des Follikelwachstums, damit bei der Spenderstute rechtzeitig mittels hCG-Injektion eine Ovulation induziert werden kann. Bei den Empfängerstuten sollte die Ovulationsinduktion ca. 1 bis 2 Tage nach der Spenderstute durchgeführt werden, damit der später übertragene Embryo mehr Zeit hat, um sich erfolgreich im Uterus einzunisten.

Abhängig vom verwendeten Samen (Frischsamen oder Tiefgefriersamen) ist die Besamung der Spenderstute entweder vor oder nach der Ovulation durchzuführen.

5 Embryonenspülung

Nachdem die Spenderstute besamt wurde und die Empfängerstuten ovuliert haben, wird am Tag 8 post ovulationem die Embryonenspülung durchgeführt. Die Stute ist hierfür in einen geeigneten Zwangsstand zu bringen, möglichst aseptisch vorzubereiten und auszubinden. Folgende Schritte sind bei der Embryonengewinnung vorzunehmen:

  • Embryonenspülung erfolgt transzervikal mittels Spülkatheter (Ballonkatheter)
  • Spülkatheter wird durch die Zervix in den Uterus eingeführt und mittels Ballon fixiert
  • Y-Stück an den Katheter anbringen und sterilisierte Silikonschläuche anschließen
  • ca. 700 bis 1.000 ml körperwarmes Spülmedium (Ringer-Laktat-Lösung, PBS, Embryonen-Spülmedium) in den Uterus instillieren
  • Spülmedium unmittelbar nach dem Infundieren wieder über das Schlauchsystem in ein sterilisiertes Glasgefäß zurückgewinnen
  • Spülvorgang 3 bis 4 mal wiederholen

Anschließend wird der Spülkatheter wieder entfernt und die gewonnene Spülflüssigkeit in ein Labor verbracht.

6 Embryonenbeurteilung

Die Spülflüssigkeit wird durch einen speziellen Filter (Porengröße zwischen 70 und 75 µm) in einen großen Behälter umgefüllt, sodass letztendlich nur mehr ca. 15 ml der Spülflüssigkeit im Filter verbleiben. Der Überschuss wird in eine mit eingeritztem Raster versehene Petrischale überführt und unter dem Lichtmikroskop beurteilt.

Sobald eine befruchtete Eizelle gefunden wurde, ist diese zu untersuchen (Größe zwischen 400 und 1.200 µm, kugelförmig, keine Anomalien erkennbar) und über vier einzelne Waschvorgänge von der Spülflüssigkeit zu reinigen. Danach wird der Embryo in eine Paillette so aufgezogen, dass abwechselnd Luft und Medium angesaugt wird. Der Embryo kann dann an eine der Spenderstuten übertragen werden.

7 Embryotransfer

Der Embryotransfer kann entweder chirurgisch oder transzervikal durchgeführt werden. Aufgrund des geringeren Aufwands wird in den meisten Fällen eine nicht-chirurgische Übertragung vorgenommen.

Beim transzervikalen Transfer wird die Empfängerstute in einem Zwangsstand fixiert und gegebenenfalls sediert. Nachdem die Stute im Perianalbereich gereinigt und desinfiziert wurde, wird ein Spreizspekulum vaginal eingeführt. Das Transfergerät (z.B. Implantationskanüle mit abschraubbarer Spritze) wird durch die Zervix hindurch in das Corpus uteri vorgeschoben. Dort wird der Embryo abgesetzt, worauf die Kanüle mitsamt dem Spekulum wieder entfernt wird.

8 Prognose

Wurden alle Maßnahmen für einen idealen Embryotransfer getroffen (geeignete Spender- sowie Empfängerstuten, Zyklus- und Ovulationssynchronisation, technische Voraussetzungen u.ä.), liegt die Erfolgschance zwischen 50 und 80 %, einen befruchteten Embryo bei der Spülung zu erhalten.

Nach transzervikaler Embryoübertragung sind zwischen 25 und 64 % der Empfängerstuten tragend.

9 Quellen

  • Aurich C (Hrsg.). 2009. Reproduktionsmedizin beim Pferd. Gynäkologie - Andrologie - Geburtshilfe. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Parey-Verlag. ISBN: 978-3-8304-4179-3
  • McCue PM, DeLuca CA, Ferris RA, Wall JJ. 2009. How to Evaluate Equine Embryos. AAEP Proceedings, Vol. 55.
  • Panzani D, Vannozzi I, Marmorini P, Rota A, Camillo F. 2015. Factors Affecting Recipients' Pregnancy, Pregnancy Loss, and Foaling Rates in a Commercial Equine Embryo Transfer Program. J. Equine Vet. Sci Vol. 37:17-23. http://dx.doi.org/10.1016/j.jevs.2015.10.011

Diese Seite wurde zuletzt am 6. Juni 2021 um 14:04 Uhr bearbeitet.

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