Delleman-Syndrom
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Loslegennach den niederländischen Ärzten J. W. Dellemann und J. W. E. Oorthuys
Synonyme: Okulozerebrokutanes Syndrom, Delleman-Oorthuys-Syndrom, OCC-Syndrom, OCCS
Englisch: oculocerebrocutaneous syndrome, Delleman syndrome, Delleman-Oorthuys syndrome, OCCS
Definition
Das Delleman-Syndrom ist ein sehr seltenes, angeborenes Fehlbildungssyndrom, das durch die Trias aus Fehlbildungen der Augen, des Zentralnervensystems und der Haut gekennzeichnet ist.[1]
- ICD-10-Code: Q87.8
Epidemiologie
Das Delleman-Syndrom ist eine sehr seltene Erkrankung. Die genaue Prävalenz ist unbekannt, wird jedoch auf weniger als 1:1.000.000 geschätzt. Seit der Erstbeschreibung durch Delleman und Oorthuys im Jahr 1981 wurden etwa 40 Fälle in der Literatur beschrieben. Das männliche Geschlecht ist deutlich häufiger betroffen.[2][1]
Ätiologie
Die Ursache des Delleman-Syndroms ist bisher (2026) nicht geklärt.[3] Da alle bis heute beschriebenen Fälle sporadisch auftraten, wird ein postzygotischer Mosaizismus vermutet. Dabei entsteht eine Mutation sehr früh in der Embryonalentwicklung neu und betrifft nur einen Teil der Körperzellen. Ein ursächliches Gen ist bislang (2026) nicht identifiziert. Das Überwiegen des männlichen Geschlechts wird als möglicher Hinweis auf eine X-chromosomale Beteiligung diskutiert.[2] Aufgrund der deutlichen Überschneidung der Hirnfehlbildungen mit dem Aicardi-Syndrom wird zudem ein gemeinsamer Pathomechanismus beider Erkrankungen erwogen.[1]
Symptome
Die Erkrankung manifestiert sich bereits beim Neugeborenen. Die typischen Befunde verteilen sich auf drei Organsysteme:[1][2]
| Organsystem | Typische Befunde |
|---|---|
| Augen | Orbitazyste bzw. zystische Mikrophthalmie, seltener Anophthalmus; häufig Lidkolobome |
| Haut | Gestielte, fingerförmige Hautanhängsel (v.a. periorbital), häufig als Hamartome der quergestreiften Muskulatur; fokale Aplasie oder Hypoplasie der Haut (v.a. Gesicht, Hals, Kopfhaut), darunter postaurikuläre halbmondförmige Hautdefekte; Alopezie |
| ZNS |
|
Das Ausmaß der Entwicklungsverzögerung und Intelligenzminderung reicht von sehr mild bis schwer. Etwa die Hälfte der Patienten hat epileptische Anfälle, die in den meisten Fällen gut kontrollierbar sind.[2]
Darüber hinaus können weitere Fehlbildungen auftreten:
- Anomalien von Schädel, Rippen und Wirbeln
- kraniofaziale Spalten, teils mit Defekt des Nasenflügels
- Fehlbildungen der Ohrmuschel
- gelegentlich Kryptorchismus
Diagnostik
Die Diagnose stützt sich auf die klinische Trias aus Augen-, ZNS- und Hautbefunden. Auf Basis von 40 Patienten wurden die klinischen Diagnosekriterien revidiert. Sie unterscheiden Haupt- und Nebenkriterien an Augen, Haut und Gehirn.[1]
Bestätigt wird die Diagnose mittels Magnetresonanztomographie (MRT). Besonders charakteristisch ist die Mittel-/Hinterhirnfehlbildung mit vergrößertem, dysplastischem und nach oben rotiertem Tectum sowie fehlendem oder schwer fehlgebildetem Kleinhirnwurm. Sie gilt nach derzeitigem Kenntnisstand als spezifisch für das Delleman-Syndrom.[1] Das Elektroenzephalogramm (EEG) ist bei etwa der Hälfte der Patienten auffällig.[2] Einzelne Befunde wie eine Orbitazyste oder eine Ventrikelerweiterung können bereits pränatal im Ultraschall auffallen.
Differentialdiagnosen
Folgende Differentialdiagnosen müssen in Betracht gezogen werden:
- Enzephalokraniokutane Lipomatose
- Goldenhar-Syndrom
- Goltz-Syndrom
- MIDAS-Syndrom
Diese Syndrome können anhand der zerebralen Deformationen unterschieden werden. Deformationen des Mesencephalon oder Corpus callosum charakterisieren dabei das Delleman-Syndrom.
Therapie
Eine ursächliche Therapie ist nicht verfügbar. Die Behandlung erfolgt symptomatisch und interdisziplinär durch Augenheilkunde, Neurologie und Pädiatrie.[2]
Orbitazysten können je nach Größe abgewartet, punktiert oder operativ entfernt werden. Alternativ ist eine Sklerotherapie möglich, z.B. mit Ethanolaminoleat. Wegen der begleitenden Hirnfehlbildungen sollte vor jedem operativen Eingriff eine neurologische Abklärung erfolgen.[2] Lidkolobome werden operativ rekonstruiert. Hautanhängsel können chirurgisch entfernt werden. Ein Shunt kann den Hydrozephalus entlasten, indem er überschüssigen Liquor ableitet. Epileptische Anfälle werden mit Antikonvulsiva behandelt.
Prognose
Der Verlauf ist variabel und hängt wesentlich vom Ausmaß der okulären und zerebralen Fehlbildungen ab. In etwa 15 % der beschriebenen Fälle verlief die Erkrankung tödlich. Die meisten überlebenden Patienten haben deutliche psychomotorische Einschränkungen. Bei mindestens 15 % wurde jedoch eine normale Entwicklung beschrieben.[2] Für die funktionelle Prognose ist eine konsequente Behandlung von Hydrozephalus, Epilepsie und Sehbeeinträchtigungen wichtig.
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 Moog U, Dobyns WB. An update on oculocerebrocutaneous (Delleman-Oorthuys) syndrome. Am J Med Genet C Semin Med Genet. 2018;178(4):414-422.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 2,7 Orphanet. Oculocerebrocutaneous syndrome, abgerufen am 18.10.2026
- ↑ Genetic and Rare Diseases Information Center (GARD). Oculocerebrocutaneous syndrome, abgerufen am 18.10.2026