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Dünndarmvolvulus (Pferd)

von lateinisch: volvere - drehen
Synonym: Dünndarm-Volvulus
Englisch: small intestinal volvulus

1. Definition

Als Dünndarmvolvulus bezeichnet man eine erworbene Verdrehung (Volvulus) des Dünndarms beim Pferd.

2. Nomenklatur

Ein Dünndarmvolvulus ist eine Drehung des Dünndarms entlang der Achse des Mesenteriums (Dünndarmgekröse). Im Gegensatz dazu stellt die Dünndarmtorsion eine Drehung des Dünndarms um die eigene Längsachse dar.

3. Epidemiologie

Dünndarmvolvuli treten bei Pferden aller Altersklassen auf, wobei Fohlen deutlich häufig betroffen sind als adulte Tiere. Fohlen sind - aufgrund der Umstellung von flüssiger zu fester Nahrung - in dieser Phase besonders prädisponiert.

4. Ätiologie

Zu einem Dünndarmvolvulus kann es aufgrund unterschiedlicher Auslöser kommen. Zur Diskussion stehen einerseits lokale Änderungen der Dünndarmperistaltik, andererseits fokale Läsionen (z.B. Obstipation aufgrund einer Parascariose), die eine Verdrehung des Dünndarms begünstigen.

5. Pathogenese

Unabhängig vom Auslöser erfolgt eine Drehung des Dünndarms entlang der Achse des Mesenteriums. Durch die Drehung werden sowohl zu- als auch abfließende Gefäße abgeschnürt, sodass es zur Ischämie der versorgten Gebiete kommt.

Bei adulten Pferden tritt ein Dünndarmvolvulus oftmals infolge einer anderer Erkrankung auf. Durch entzündliche Prozesse innerhalb des Abdomens kommt es zu einer Dehnung des Dünndarms, wobei eine lokale Einengung des Darmlumens (partielle Obstruktion) eine Drehung des Darmabschnitts entlang der Mesenterialwurzel begünstigt.

Grundsätzlich können alle Abschnitte des Dünndarms betroffen sein. Aufgrund der Länge des anhängenden Mesenteriums kommt es jedoch besonders oft zu einem Volvulus im Bereich des distalen Jejunums und des Ileums.

6. Klinik

Ein Dünndarmvolvulus zeigt sich häufig in Form von akut auftretenden und hochgradigen Koliksymptomen. Die Pferde wälzen sich, treten sich mit den Hinterbeinen gezielt auf den Unterbauch und schmeißen sich regelrecht auf den Boden. Sie schwitzen stark, zeigen eine Anorexie und ein aufgetriebenes Abdomen.

7. Diagnose

Sowohl die klinische Untersuchung als auch die rektale Palpation geben erste Hinweise auf einen Dünndarmvolvulus. Die Diagnosesicherung kann jedoch erst intraoperativ gestellt werden. In den meisten Fällen lässt sich eine gedrehte Arteria mesenterica cranialis im Bereich der Mesenterialwurzel ertasten.

8. Differenzialdiagnose

Differenzialdiagnostisch müssen alle anderen Erkrankungen in Betracht gezogen werden, die Koliksymptome hervorrufen können, z.B. eine Dünndarminvagination oder ein Epiploic foramen entrapment.

9. Therapie

Bei Verdacht auf einen Dünndarmvolvulus muss umgehend eine Laparotomie durchgeführt werden. Der betroffene Dünndarmabschnitt muss zurückgedreht und auf Vitalität überprüft werden. Nekrotische Darmteile sind zu resezieren (z.B. Duodenocaecostomie[1]).

10. Literatur

  • Stephen M. Reed, Warwick M. Bayly, Debra C. Sellon. Equine internal medicine. 4th edition. Elsevier, 2018.

11. Quellen

  1. G. B. Edwards. Resection and anastomosis of small intestine: Current methods applicable to the horse, Equine vet. J. (1986) 18(4), 322-330, abgerufen am 19.03.2020

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