Chromallergie
Definition
Die Chromallergie ist eine allergische Kontaktdermatitis vom Spättyp (Typ-IV-Reaktion), die durch eine Sensibilisierung gegenüber Chromverbindungen ausgelöst wird. Sie zählt zu den häufigsten Kontaktallergien und tritt vor allem nach wiederholtem oder längerfristigem Hautkontakt mit chromhaltigen Materialien auf.
Hintergrund
Von besonderer klinischer Bedeutung sind Chrom(VI)-Verbindungen, da sie eine hohe Sensibilisierungspotenz aufweisen. Chrom(III) gilt demgegenüber als deutlich weniger allergen, kann jedoch unter bestimmten Bedingungen, etwa bei Oxidation oder gestörter Hautbarriere, ebenfalls allergologisch relevant werden.
Ätiopathogenese
Chrom wirkt als Hapten und bindet nach Hautpenetration an körpereigene Proteine. Dadurch entsteht ein vollständiges Antigen, das eine zellvermittelte Immunantwort auslöst. Die Antigenpräsentation erfolgt überwiegend über epidermale antigenpräsentierende Zellen, insbesondere Langerhans-Zellen. Nach der Sensibilisierungsphase reagieren spezifische T-Lymphozyten bei erneutem Kontakt mit einer verzögerten Entzündungsreaktion, die typischerweise 12–72 Stunden nach Exposition auftritt. Hautbarriereschäden und irritative Vorschädigungen begünstigen die Sensibilisierung erheblich.
Häufige chromhaltige Kontaktquellen sind:
- Lederprodukte (v.a. chromgegerbtes Leder in Schuhen, Handschuhen, Gürteln)
- Zement und Mörtel (relevant im Baugewerbe)
- Metalllegierungen (Schmuck)
- Farben, Lacke und Holzschutzmittel
Berufsbedingte Expositionen gelten als ein erhöhtes Risiko, insbesondere im Bau-, Leder- und Metallverarbeitungsbereich.
Symptome
Die klinische Manifestation zeigt sich meist als allergisches Kontaktekzem mit Erythem, Juckreiz, Papeln und Vesikeln sowie Nässen und Krustenbildung im akuten Stadium. Bei chronischem Verlauf treten Schuppung, Lichenifikation und Fissuren auf. Typische Prädilektionsstellen sind Hände, Füße, Unterarme und Unterschenkel. Besonders häufig sind chronisch-rezidivierende Handekzeme bei beruflich exponierten Personen.
Diagnostik
Die Diagnosesicherung erfolgt mittels Epikutantest (Pflastertest), üblicherweise mit Kaliumdichromat als Testsubstanz. Ein positiver Test bestätigt die Sensibilisierung. Ergänzend sind eine sorgfältige Berufsanamnese und Expositionsanamnese sowie die klinische Korrelation entscheidend.
Therapie
Die Therapie basiert primär auf konsequenter Allergenkarenz. Ergänzend kommen topische Glukokortikoide zur Entzündungshemmung sowie eine konsequente rückfettende Hautpflege zur Stabilisierung der Hautbarriere zum Einsatz. Bei schweren Verläufen können kurzfristig systemische Kortikosteroide erforderlich sein. Eine nachhaltige Barrierereparatur ist ein zentraler Bestandteil der Langzeittherapie. Eine spezifische Desensibilisierung ist nicht verfügbar. Bei beruflicher Ursache ist eine berufsdermatologische Abklärung erforderlich, gegebenenfalls im Rahmen einer anerkannten Berufskrankheit.
Prognose
Literatur
- Biedermann, T., & Worm, M. (2020). Allergologie. Springer
- Johansen et al., European Society of Contact Dermatitis. (2015). European Society of Contact Dermatitis guideline for diagnostic patch testing. Contact Dermatitis