Pseudocholinesterase
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LoslegenAbkürzung: BChE
Synonyme: Typ-II-Cholinesterase, β-Cholinesterase, unechte Cholinesterase, unspezifische Cholinesterase, Butyrylcholinesterase, Tributyrinase, Acylcholinesterase, Plasmacholinesterase
Englisch: butyrylcholinesterase, pseudocholinesterase
Definition
Die Pseudocholinesterase, kurz BChE, ist ein Enzym, das zur Gruppe III der EC-Klassifikation (Hydrolasen) gehört. Es katalysiert unspezifisch die hydrolytische Spaltung der Esterbindung zwischen der OH-Gruppe des Cholins und der Carboxy-Gruppe einer organischen Säure.
Physiologie
Die Pseudocholinesterase kommt in vielen Geweben, beispielsweise im Blutplasma, in der Darmmukosa oder im Pankreas vor. Das Enzym wird überwiegend in der Leber synthetisiert und dann sezerniert. Seine biologische Halbwertszeit beträgt etwa 10–12 Tage.[1] Man vermutet, dass es die Wirkungen von Acetylcholin außerhalb des synaptischen Spaltes verhindern soll.[2]
Klinik
Ein genetisch bedingter Mangel an Pseudocholinesterase (Pseudocholinesterasmangel) kann bei Verwendung von Muskelrelaxanzien wie Suxamethoniumchlorid oder Mivacurium im Rahmen einer Narkose zu einem Relexansüberhang mit lebensbedrohlicher Atemlähmung führen.
Aufgrund der hepatischen Synthese ermöglicht die labordiagnostische Messung der Pseudocholinesterase Aussagen über den Funktionszustand des Leberparenchyms. Bei Leberschäden ist der Serumspiegel vermindert.
Zu erhöhten Serumspiegeln kommt es unter anderem bei Diabetes mellitus, koronarer Herzkrankheit (KHK) oder gesteigerter Syntheseleistung der Leber. Außerdem sind die Werte bei einer alkoholischen Fettleber, einem nephrotischen Syndrom sowie bei Eiweißverlust erhöht.
Nach neueren Studienergebnissen ist Pseudocholinesterase ein potentieller Biomarker für das Risiko eines plötzlichen Kindstods (SIDS).[3] Eine niedrigere BChE-Aktivität ist mit einem höheren SIDS-Risiko verbunden. Die BChE-Aktivität kann aus getrocknetem Blut bestimmt werden, das 2 bis 3 Tage nach der Geburt entnommen wird. Es handelt sich um einen explorativen Studienbefund, der extern validiert werden muss. Eine begleitende Einordnung mahnt ausdrücklich zur Zurückhaltung gegenüber einer vorschnellen klinischen Nutzung als Screening-Marker.[4] Die BChE-Aktivität ist derzeit (2026) kein etablierter Marker zur SIDS-Risikovorhersage.
Hinweis
Im klinischen Alltag wird die Pseudocholinesterase häufig nur als Cholinesterase, kurz "CHE", bezeichnet, was zu Verwechslungen führen kann. Die neuere Bezeichnung "Butyrylcholinesterase" hat sich im Sprachgebrauch noch nicht durchgesetzt. Alternativ wird die Bezeichnung "Plasmacholinesterase" verwendet.
Quellen
- ↑ Lockridge O. Review of human butyrylcholinesterase structure, function, genetic variants, history of use in the clinic, and potential therapeutic uses. Pharmacol Ther. 2015;148:34-46. doi:10.1016/j.pharmthera.2014.11.011
- ↑ Darvesh S, Hopkins DA, Geula C. Neurobiology of butyrylcholinesterase. Nat Rev Neurosci. 2003;4(2):131-138. doi:10.1038/nrn1035
- ↑ Harrington CT et al.: Butyrylcholinesterase is a potential biomarker for Sudden Infant Death Syndrome EBioMedicine (The Lancet) Volume 80, 104041, published:May 06, 2022
- ↑ Hall PL, Matern D. Identification of Decreased Butyrylcholinesterase in Sudden Infant Death Syndrome Is, at Best, a First Step Toward Preventive Screening. Clin Chem. 2023;69(2):116-117. doi:10.1093/clinchem/hvac134