Aujeszky-Krankheit
Trainier deine Lernmuskeln!
Mit Flash Cards, Quiz und mehr
Loslegennach dem ungarischen Veterinärpathologen und Mikrobiologen Aladár Aujeszky (1869–1933)
Synonyme: Aujeszky'sche Krankheit, Pseudowut, Pseudorabies, Pseudolyssa, Morbus Aujeszky, Tollkrätze, infektiöse Bulbärparalyse
Englisch: Aujeszky's disease, pseudorabies, mad itch
Definition
Bei der Aujeszky-Krankheit handelt es sich um eine durch das Suides Herpesvirus-1 (SuHV-1) übertragene Virusinfektion verschiedener Säugetiere.
Erreger
Erreger ist das Suide Herpesvirus 1 (SuHV-1), das auch als Pseudorabiesvirus (PrV) oder Virus der Aujeszkyschen Krankheit (AKV) bezeichnet wird. Es gehört zur Familie der Orthoherpesviridae (früher Herpesviridae), Subfamilie Alphaherpesvirinae, Genus Varicellovirus. Die Spezies trägt nach aktueller ICTV-Klassifikation die Bezeichnung Varicellovirus suidalpha1.[1]
Epizootiologie
Die Infektion tritt hauptsächlich bei Schweinen auf (siehe Hauptartikel: Aujeszky-Krankheit des Schweines). Empfänglich sind daneben weitere Säugetierarten, insbesondere Fleischfresser und Wiederkäuer. Primaten, Pferde und Hühner gelten dagegen als weitgehend resistent.[1] Der Mensch galt lange als nicht empfänglich. Seit 2017 sind jedoch – vor allem in China – vereinzelte zoonotische Infektionen durch neue PrV-Varianten mit Enzephalitis und Endophthalmitis dokumentiert.[2]
Die Ansteckung kann durch direkten Kontakt von Tier zu Tier und indirekt über verschiedene Vektoren (nicht desinfizierte Umgebung, Gerätschaften, Transportmittel etc.) erfolgen. Schwarzwild und Hausschweine bilden das Hauptvirusreservoir. Andere Säugetiere als das Schwein infizieren sich indirekt über Fleischprodukte erkrankter Schweine oder direkt durch Kontakt mit infizierten Schweinen. Deutschland gilt für seine Hausschweinebestände seit 2003 als amtlich AK-frei. Im Schwarzwild zirkuliert der Erreger jedoch weiterhin.
Pathogenese
Das Virus ist neurotrop und epitheliotrop. Nach Aufnahme und initialer Vermehrung im lymphoretikulären Gewebe breitet sich der Erreger lymphogen und neurogen (vom Nervus olfactorius ausgehend in den Nervus trigeminus und dann ins ZNS) aus. Nachfolgend löst er – je nach Wirt – verschiedene Krankheitsformen aus.
Symptome
Die Symptome sind stark alters- und speziesabhängig und können von subklinisch und mild bis akut verlaufen.
Schwein
Nach einer Inkubationszeit von etwa 1 bis 8 Tagen treten die ersten klinischen Erscheinungen auf. Sie variieren in Abhängigkeit von der Virulenz des Erregers und sind beim Schwein vom Alter des erkrankten Individuums abhängig. Bei jungen Tieren (Ferkel) kommt es häufig zu einer Virämie und Meningoencephalitis. Symptome können Apathie, Erbrechen, Polydipsie und neurologische Symptome wie Lähmungen und Krämpfe sein. Adulte Tiere (Sauen und Eber) erkranken in der Regel subklinisch, evtl. können milde klinische Symptome in einem kurzen Zeitraum auftreten. Diese Altersgruppe ist besonders durch Fruchtbarkeitsstörungen (Aborte) gekennzeichnet. Als Sekundärinfektionen können Pneumonien auftreten.
Anders als bei den übrigen Tierarten tritt beim Schwein kein akuter Juckreiz auf.
Andere Säugetiere
Bei den übrigen Tierarten stehen neurologische Symptome im Vordergrund. Sie führen in kurzer Zeit (Stunden bis Tage) zum Tod. Charakteristisch ist der akute Juckreiz („mad itch").
Diagnostik
Die Diagnose wird durch direkten Erregernachweis (Virusisolierung, PCR) sowie serologisch gesichert. Im Rahmen der Tilgungs- und Überwachungsprogramme kommt insbesondere der gE-ELISA zum Einsatz, der im Sinne der DIVA-Strategie (differentiating infected from vaccinated animals) infizierte von geimpften Tieren unterscheidet.[3]
Differentialdiagnosen
Schwein
Hauptsächlich Meningoencephalitiden anderer Genese, KSP, Ansteckende Schweinelähmung, Colisepsis (Enterotoxin), Kochsalzvergiftung sowie Pasteurellose sind differentialdiagnostisch auszuschließen.
Andere Säugetiere
Differentialdiagnostisch müssen vor allem Tollwut und verschiedene Vergiftungen mit ähnlicher Symptomatik in Betracht gezogen werden.
Therapie
Eine kausale Therapie existiert nicht. Aufgrund der Anzeigepflicht erfolgt die Bekämpfung beim Hausschwein staatlich geregelt (Tötung erkrankter Bestände, Tilgung). Bei den übrigen empfänglichen Spezies verläuft die Erkrankung in der Regel innerhalb weniger Tage letal.
Prophylaxe
Zur Prophylaxe stehen Lebend- und Inaktivat-Vakzinen zur Verfügung, darunter gE-Deletionsmutanten (Markerimpfstoffe), die eine serologische Unterscheidung von Feldinfektion und Impfung erlauben.[3] Sie reduzieren die Erkrankungs- und Ausscheidungsrate, verhindern jedoch nicht zuverlässig die Infektion und latente Persistenz des Wildvirus. Ergänzend sind Biosicherheitsmaßnahmen und Tilgungsprogramme zentral.
Ein großes Problem sind latent infizierte, neu zugekaufte Schweine. Durch erhöhten Stress kann das Virus bei Bestandswechsel reaktiviert werden und sich ausbreiten.
Rechtliches
In Deutschland und Österreich ist die Aujeszky-Krankheit beim Hausschwein anzeigepflichtig. Die Bekämpfung richtet sich nach dem EU-Tiergesundheitsrecht (Verordnung (EU) 2016/429) sowie den ergänzenden nationalen Vorschriften.[4] Die Feststellung bei Wildschweinen ist in Deutschland nicht anzeigepflichtig. Die Aujeszky-Krankheit ist zudem eine bei der Weltorganisation für Tiergesundheit (WOAH) gelistete Tierseuche.[5]
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 Sehl J, Teifke JP. Comparative Pathology of Pseudorabies in Different Naturally and Experimentally Infected Species – A Review. Pathogens. 2020;9(8):633.
- ↑ Wang TY, Li C, Cai XH, Shan T, Tang YD. Spillover of pseudorabies virus variants to humans: an urgent call for pseudorabies eradication in domestic pigs. Lancet Microbe. 2026;7(5):101351.
- ↑ 3,0 3,1 Mettenleiter TC. Aujeszky's Disease and the Development of the Marker/DIVA Vaccination Concept. Pathogens. 2020;9(7):563.
- ↑ Verordnung (EU) 2016/429 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 9. März 2016 zu Tierseuchen („Tiergesundheitsrecht"), abgerufen am 09.06.2026
- ↑ WOAH – Aujeszky's disease (pseudorabies), abgerufen am 09.06.2026