5-Methylcytosin
Trainier deine Lernmuskeln!
Mit Flash Cards, Quiz und mehr
LoslegenEnglisch: 5-methylcytosine
Definition
5-Methylcytosin, kurz 5mC, ist eine Modifikation der Nukleinbase Cytosin, die durch Methylierung am Kohlenstoffatom 5 entsteht. Es kommt in der DNA und RNA vor. In der DNA bildet es eine zentrale Grundlage der epigenetischen Regulation.
Chemie
5-Methylcytosin gehört zu den Pyrimidinbasen. Seine Summenformel lautet C5H7N3O. Verglichen mit Cytosin trägt es eine zusätzliche Methylgruppe an Position 5 des Pyrimidinrings.[1] Diese Modifikation verändert die reguläre Basenpaarung mit Guanin nicht. Die freie Base ist von den entsprechenden Nukleosiden 5-Methylcytidin und 5-Methyl-2'-desoxycytidin zu unterscheiden.
Vorkommen
In der DNA von Säugetieren liegt 5-Methylcytosin überwiegend innerhalb von CpG-Dinukleotiden vor. Eine Methylierung außerhalb dieses Sequenzkontexts findet sich unter anderem in embryonalen Stammzellen und Neuronen.
Auch verschiedene RNA-Arten enthalten 5-Methylcytosin:
- Transfer-RNA (tRNA)
- Ribosomale RNA (rRNA)
- Messenger-RNA (mRNA)
Vorkommen und Funktion hängen vom RNA-Typ und von der jeweiligen Position der Modifikation ab.[2]
Synthese
Die Bildung erfolgt enzymatisch durch Übertragung einer Methylgruppe von S-Adenosylmethionin auf Cytosinreste innerhalb der Nukleinsäure. Dabei entsteht S-Adenosylhomocystein.
Die beteiligten Enzyme unterscheiden sich nach Substrat und Funktion:
| Substrat | Enzyme | Hauptfunktion |
|---|---|---|
| DNA | DNMT3A, DNMT3B | Etablierung neuer Methylierungsmuster (De-novo-Methylierung) |
| DNA | DNMT1 | Erhaltung bestehender Methylierungsmuster nach der DNA-Replikation |
| RNA | NSUN-Familie und TRDMT1, auch als DNMT2 bezeichnet | Methylierung bestimmter Cytosinreste in RNA |
DNMT1 methyliert bevorzugt die neu synthetisierte DNA an hemimethylierten CpG-Stellen. Dadurch können Methylierungsmuster bei Zellteilungen weitergegeben werden.[3][2]
Funktion
DNA
5-Methylcytosin beeinflusst die Bindung regulatorischer Proteine an die DNA und die Organisation des Chromatins. DNA-Methylierung ist unter anderem beteiligt an:
- Regulation der Genexpression
- genomischem Imprinting
- X-Inaktivierung
- Unterdrückung transponierbarer Elemente
- Stabilisierung zelltypspezifischer Genexpressionsmuster
Die Methylierung von CpG-Inseln in Promotoren ist häufig mit einer verminderten Transkription verbunden. Die Wirkung hängt jedoch von der Position im Genom und vom Zelltyp ab. Methylierung innerhalb eines Genkörpers ist nicht grundsätzlich mit einer Inaktivierung des Gens gleichzusetzen.[3]
RNA
In RNA kann 5-Methylcytosin die Stabilität, Prozessierung und Funktion des jeweiligen Moleküls beeinflussen. Beschrieben sind unter anderem Effekte auf die tRNA-Stabilität, die Ribosomenfunktion sowie den Export und die Stabilität bestimmter mRNAs.[2]
Demethylierung
In der DNA kann 5-Methylcytosin durch TET-Proteine schrittweise oxidiert werden:
5-Methylcytosin → 5-Hydroxymethylcytosin → 5-Formylcytosin → 5-Carboxylcytosin
5-Formylcytosin und 5-Carboxylcytosin können durch die Thymin-DNA-Glykosylase entfernt und im Rahmen der Basenexzisionsreparatur durch unmodifiziertes Cytosin ersetzt werden. Dieser Vorgang ermöglicht eine aktive DNA-Demethylierung.
Eine passive Demethylierung erfolgt dagegen über Zellteilungen, wenn die Erhaltungsmethylierung ausbleibt oder unvollständig ist.[4]
Pathobiochemie
Durch spontane hydrolytische Desaminierung von 5-Methylcytosin entsteht Thymin. Die resultierende T:G-Fehlpaarung kann bei ausbleibender Reparatur zu einer C→T-Transition führen. Methylierte CpG-Stellen sind daher besonders mutationsanfällig. Dieser Mechanismus trägt auch zu Mutationsmustern in Tumorgenomen bei.[5]
Nachweis
Ein verbreitetes Verfahren zur Untersuchung der DNA-Methylierung ist die Bisulfit-Sequenzierung. Dabei wird unmodifiziertes Cytosin in Uracil umgewandelt und nach der Amplifikation als Thymin gelesen. 5-Methylcytosin bleibt unter den üblichen Reaktionsbedingungen weitgehend erhalten.
Die klassische Bisulfitsequenzierung unterscheidet nicht zwischen 5-Methylcytosin und 5-Hydroxymethylcytosin. Für eine getrennte Bestimmung sind zusätzliche Verfahren erforderlich, beispielsweise die oxidative Bisulfitsequenzierung in Kombination mit einer konventionellen Bisulfitmessung.[6]
Pharmakologie
Pharmakologisch wird 5-Methylcytosin in der Nukleosid-modifizierten mRNA (modRNA) genutzt.
Quellen
- ↑ PubChem. 5-Methylcytosine, CID 65040. Abgerufen am 7. September 2026.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 Bohnsack KE, Höbartner C, Bohnsack MT. Eukaryotic 5-methylcytosine (m⁵C) RNA Methyltransferases: Mechanisms, Cellular Functions, and Links to Disease. Genes (Basel). 2019;10(2):102.
- ↑ 3,0 3,1 Mammalian DNA methylome dynamics: mechanisms, functions and new frontiers. Development. 2022.
- ↑ Wu X, Zhang Y. TET-mediated active DNA demethylation: mechanism, function and beyond. Nat Rev Genet. 2017;18(9):517–534.
- ↑ Silveira AB et al. Base-excision repair pathway shapes 5-methylcytosine deamination signatures in pan-cancer genomes. Nat Commun. 2024;15:9864.
- ↑ Oxidative bisulfite sequencing of 5-methylcytosine and 5-hydroxymethylcytosine. Nat Protoc. 2013.