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Δ-Opioidrezeptor

Synonym: Delta-Opioidrezeptor
Englisch: delta opioid receptor

1 Definition

δ-Opioidrezeptoren, kurz DOR, sind eine Klasse von Opioidrezeptoren, die eine besonders hohe Affinität für Enkephalin besitzen. Hochselektive Agonisten für den Rezeptor sind Deltorphine und Dermophine. δ-Opioidrezeptoren sind die einzigen Opioidrezeptoren, die eine rein analgetische Wirkung haben.

2 Biochemie

Der δ-Opioidrezeptor besteht aus 372 Aminosäuren, wobei die Struktur des Rezeptors dem eines klassischen G-Protein-gekoppelten Rezeptor entspricht. Die Bindung eines selektiven δ-Opioidrezeptor-Agonisten führt zu einer Analgesie. Eine zusätzliche angstlösende und antidepressive Wirkung ist möglich.

Neben Enkephalin besitzen Sufentanil und Pethidin eine agonistische Wirkung am δ-Opioidrezeptor. Andere Opioide haben einen geringen bis keinen Effekt auf den Rezeptor. Eine Antagonisierung der Rezeptoraktivität mittels Naloxon oder Naltrexon ist geringfügig möglich.

Der δ-Opioidrezeptor ist im zentralen und peripheren Nervensystem vorhanden. Vermehrt kommt er auf Rückenmarksebene vor, da er dort mit einer analgetischen Wirkung assoziiert ist. Weiterhin werden die Rezeptoren in Keratinozyten der Haut exprimiert. Auch hier finden sich selektive Agonisten in einer großen Anzahl.

3 Physiologie

Nach Bindung von Enkelphalin kommt es zu einer Gi-gekoppelten Erhöhung der Kalium-Permeabilität der präsynaptischen Nervenendigung. Gleichzeitig wird die Calciumpermeabilität erniedrigt. Die Membrandepolarisation wird erschwert, sodass die Übertragung von Erregungen über die Synapse nicht möglich ist.

4 Pharmakologische Bedeutung

Der δ-Opioidrezeptor steht bei der Behandlung chronischer Schmerzen im Fokus. Bei akuten Schmerzen ist die Analgesierung durch alleinige Aktivierung des Rezeptors jedoch unzureichend, hier kann die Wirkung über kombinierte Aktivierung eines weiteren Opioidrezeptors erfolgen.

Typische Nebenwirkungen der Opioidrezeptoren wie Atemdepression und Ausbildung einer physischen Abhängigkeit sind gering ausgeprägt. Dafür kann es bei einer Stimulation des Rezeptors zu Halluzinationen kommen.

5 Literatur

  • Pharmakologie und Toxikologie, Thieme, 18. Auflage 2016
  • Pharmakologie und Toxikologie, Springer, 3. Auflage 2020
  • Mutschler Arzneimittelwirkungen, Hirzel, 11. Auflage 2020
  • Gendron L, Cahill CM, von Zastrow M, Schiller PW, Pineyro G. Molecular Pharmacology of δ-Opioid Receptors. Pharmacol Rev. 2016
  • Vicente-Sanchez A, Segura L, Pradhan AA. The delta opioid receptor tool box. Neuroscience. 2016

Diese Seite wurde zuletzt am 16. März 2021 um 19:21 Uhr bearbeitet.

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