Wehendystokie
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LoslegenSynonym: Wehenanomalie
Englisch: contraction anomalies
Definition
Die Wehendystokie ist ein pathologischer Geburtsverlauf aufgrund einer gestörten Wehentätigkeit. Typischerweise führt sie zu einem verlängerten oder protrahierten Verlauf, der ein erhöhtes Risiko für maternale und fetale Komplikationen nach sich zieht.
Epidemiologie
Die Wehendystokie ist eine der häufigsten Indikationen für eine sekundäre Sectio caesarea und betrifft etwa 20 % aller Erstgebärenden.
Ätiologie
Eine Wehendystokie kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden:
- uterine Faktoren: Uterusfehlbildungen, Myome, Überdehnung des Uterus (z.B. bei Mehrlingsschwangerschaft oder Polyhydramnion)
- fetale Faktoren: Lageanomalien, Einstellungsanomalien, Makrosomie
- maternale Faktoren: Beckenanomalien, Adipositas, hohes mütterliches Alter, Erschöpfung
- iatrogene Faktoren: Überdosierung von Oxytocin, Periduralanästhesie mit motorischer Blockade
- psychogene Faktoren: Angst, Stress
Einteilung
Es existieren verschiedene Formen der Wehendystokie:
Wehenschwäche (hypoaktive Wehentätigkeit)
Bei der Wehenschwäche (hypoaktive Wehentätigkeit) ist die Wehenfrequenz, -intensität oder -dauer unzureichend für einen normalen Geburtsfortschritt.
- Primäre Wehenschwäche: von Beginn an unzureichende Wehentätigkeit
- Sekundäre Wehenschwäche: initial normale Wehen, später Erschöpfung der Uterusaktivität
Wehenüberstimulation (hyperaktive Wehentätigkeit)
Beim Wehensturm (hyperaktive Wehentätigkeit) liegt eine überschießende Uterusaktivität vor.
- Hypertone Wehen: erhöhter Uterusgrundtonus mit unzureichenden Relaxationsphasen
- Hyperfrequente Wehen: Tachysystolie: > 5 Wehen in 10 Minuten
Dystokie durch Dyskoordination (unkoordinierte Wehentätigkeit)
- Unregelmäßige, ineffektive Kontraktionen ohne koordinierte Ausbreitung der Erregung über den Uterus. Die physiologische fundozervikale Wehenausbreitung ist gestört, sodass trotz Kontraktionen kein adäquater Geburtsfortschritt erfolgt.
Klinik
Leitsymptom der Wehenschwäche ist der protrahierte Geburtsverlauf mit verzögerter Muttermunderöffnung oder fehlendem Tiefertreten des vorangehenden Teils.
Die hyperaktive Wehentätigkeit zeichnet sich durch extreme, intensive, nahezu pausenlose Kontraktionen des Uterus aus. Dabei wirkt der Uterus dauerhaft bretthart. Die Schmerzintensität ist übermäßig stark. Durch die hyperaktive Wehentätigkeit fehlen Mutter und Kind Erholungsphasen, wodurch das Risiko einer fetalen Hypoxie durch unzureichende uteroplazentare Perfusion sowie einer Uterusruptur besteht.
Diagnostik
- klinische Geburtsverlaufsbeurteilung anhand des Partogramms
- Kardiotokographie (CTG) zur Beurteilung der Wehentätigkeit und der fetalen Herzfrequenz
- vaginale Untersuchung zur Beurteilung von Muttermund, Höhenstand und Einstellung
- Ausschluss eines Geburtshindernisses (z.B. kephalopelvines Missverhältnis)
Therapie
Die Behandlung ist abhängig von der Form der Wehendystokie. Bei einer Wehenschwäche ist die Gabe von Wehenmitteln (Oxytozin) indiziert, bei hyperaktiven Wehen die Gabe von Tokolytika. Eventuell ist eine Sectio caesarea notwendig.
Literatur
- Pschyrembel - Wehendystokie, abgerufen am 18.04.2023
- Schneider H, Husslein P, Schneider KTM (Hrsg.). Die Geburtshilfe. 5. Auflage, Springer, 2016