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Vascular-Leak-Syndrom

Abkürzung: VLS
Englisch: vascular leak syndrome

1. Definition

Das Vascular-Leak-Syndrom (VLS) ist eine häufige Form von Nebenwirkung, die bei der Therapie mit bestimmten Zytokinen auftreten kann. Besonders häufig ist dies bei einer längeren Applikation von Interleukin-2 oder solchen Immuntoxinen, die auf der Basis von Interleukin-2 entwickelt wurden, der Fall.

2. Klinisches Bild

Leitsymptom des VLS ist eine signifikante Zunahme der Durchlässigkeit von Blutgefäßen. Direkte Folge dieses Effektes ist eine Zunahme des Einstromes von Proteinen und Flüssigkeit in das Interstitium. Dadurch kommt es praktisch immer zu einem mehr oder weniger ausgedehnten Ödem. In Extremfällen können solche Ödeme die Funktionalität von lebenswichtigen, inneren Organen derart beeinträchtigen, dass diese die Arbeit einstellen und es zum Tod des Patienten kommt.

3. Symptome

Durch das immer häufigere Auftreten von Ödemen ist eine der ersten klinischen Anzeichen des VLS eine unerklärliche Zunahme von Körpergewicht. Es kommt zur Wassersucht, deren weitere Folgen Ödeme am gesamten Körper, ein Perikarderguss, Pleuraerguss, Anasarka oder Aszites sein können. Durch die große Wasserlast im gesamten Körper kommt es nicht selten zu ersten Anzeichen eines totalen Lungen- und Herzversagens.

4. Ursachen

Praktisch immer geht die Ausbildung eines VLS auf die Therapie mit Interleukin-2 oder strukturell verwandten Immuntoxinen zurück. Bei einer Behandlung mit den genannten Substanzen muss stets mit diesen teilweise schwerwiegenden Nebenwirkungen gerechnet werden. Die gleich hohe Dosis von Interleukin-2 kann bei verschiedenen Patienten vollkommen unterschiedlich vertragen werden. Limitierender Faktor einer Therapie mit Interleukin-2 oder Immuntoxinen ist das VLS. Tritt das Syndrom auf, ist die Dosis sofort zu reduzieren oder in manchen Fällen auch ein sofortiges Ende der Therapie einzuleiten. Denileukin Diftitox ist ein in den USA zugelassener Wirkstoff zur Bekämpfung des therapieresistenten T-Zell-Lymphoms der Haut. Da der Wirkstoff ebenfalls ein Derivat von Interleukin-2 ist, muss auch hier mit dem VLS gerechnet werden.

5. Folgen

Etwa 3 % der Patienten, die sich einer Therapie mit Interleukin-2 oder seinen Derivaten unterziehen müssen, sterben an den Folgen des VLS. Daher sind neuartigere Wirkstoffe in der Erforschung, die diese Gefahr umgehen.

6. Pathophysiologie

Obwohl noch nicht der gesamte Mechanismus der Pathogenese des VLS geklärt ist, weist vieles auf die Entstehung von Schäden im Gefäßendothel hin, welche durch Interleukin-2 verursacht werden. Ebenfalls scheint Interleukin-2 die Apoptose mancher Endothelzellen einzuleiten.

7. Therapie

Eine ursächliche Therapie gegen das VLS existiert bisher nicht. Offenbar gibt es einen Zusammenhang zwischen dem VLS und Hyaluronsäure. Die Blockade der Hyaluronsäure-Rezeptoren bewirkte eine starke Minderung des VLS. Ebenfalls diskutiert wird die Gabe von Histamin.

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