Trockenbluttest
Synonyme: Dried-Blood-Spot-Test, DBS-Test, Trockenblutprobe, Trockenblut
Englisch: dried blood spot test
Definition
Der Trockenbluttest, kurz DBS-Test, ist ein Verfahren zur Probengewinnung und -analyse, bei dem eine geringe Menge Kapillarblut auf eine spezielle Filterpapierkarte aufgetragen, getrocknet und anschließend im Labor analysiert wird.[1]
Hintergrund
Der Trockenbluttest wurde 1963 von Robert Guthrie für das Neugeborenenscreening auf Phenylketonurie eingeführt und wird heute für zahlreiche diagnostische Fragestellungen verwendet.[2] Als Trägermaterial dient üblicherweise eine standardisierte Filterkarte (z.B. Whatman 903 oder Ahlstrom 226).
Durchführung
Probennahme
Die Punktionsstelle, meist Fingerbeere oder – bei Neugeborenen – die laterale Ferse, wird desinfiziert und mit einer Lanzette punktiert. Die ersten Bluttropfen werden verworfen. Anschließend werden die markierten Kreise der Filterkarte vollständig mit Kapillarblut durchtränkt.
Trocknung
Die Karte wird horizontal bei Raumtemperatur vor direkter Sonneneinstrahlung und Feuchtigkeit geschützt für mindestens 2 bis 4 Stunden getrocknet. Die zellulären und proteinhaltigen Bestandteile werden dabei in der Zellulosematrix fixiert.
Versand und Lagerung
Die getrocknete Probe ist transport- und lagerstabil und kann in einem Umschlag ohne Kühlung versandt werden. Je nach Analyt ist eine Lagerung bei Raumtemperatur, +4 °C oder –20 °C möglich.
Extraktion und Analyse
Im Labor werden Stanzlinge (meist 3 bis 6 mm) aus der Filterkarte ausgestanzt und die Analyten mit geeigneten Lösungsmitteln eluiert. Die Analyse erfolgt je nach Fragestellung mittels
- Tandem-Massenspektrometrie (LC-MS/MS)
- Enzymimmunoassay (ELISA)
- Polymerase-Kettenreaktion (PCR)
- enzymatischen Aktivitätsmessungen
- fluorometrischen Verfahren
Anwendungsgebiete
- Neugeborenenscreening auf angeborene Stoffwechselstörungen und Endokrinopathien (z.B. Phenylketonurie, Galaktosämie, kongenitale Hypothyreose, Mukoviszidose)
- Screening auf lysosomale Speicherkrankheiten, z.B. Morbus Fabry, Morbus Pompe, Morbus Gaucher
- Diagnostik und Surveillance von Infektionskrankheiten, insbesondere HIV, Hepatitis B, Hepatitis C in Regionen mit eingeschränkter Infrastruktur
- Therapeutisches Drug Monitoring (TDM)
- toxikologische und forensische Analytik
- Dopinganalytik
- molekulargenetische Untersuchungen
Vorteile
- minimalinvasive Probengewinnung ohne Venenpunktion
- geringes benötigtes Probenvolumen (wenige Mikroliter)
- hohe Analytstabilität und einfacher Transport
- ortsunabhängige Probenentnahme, auch im häuslichen Umfeld
- geringes biologisches Risiko bei Transport und Lagerung
Limitationen
- begrenztes Probenvolumen schränkt die Anzahl parallel möglicher Analysen ein
- Hämatokrit-Effekt kann Quantifizierung beeinflussen[3]
- nicht alle Analyten sind in getrockneter Matrix stabil
- präanalytische Fehler bei unsachgemäßer Auftragung (z.B. unvollständige Durchtränkung, Mehrfachauftragung)
Quellen
- ↑ Smit PW, Elliott I, Peeling RW, Mabey D, Newton PN. An overview of the clinical use of filter paper in the diagnosis of tropical diseases. Am J Trop Med Hyg. 2014;90(2):195–210. doi: 10.4269/ajtmh.13-0463
- ↑ Guthrie R, Susi A. A simple phenylalanine method for detecting phenylketonuria in large populations of newborn infants. Pediatrics. 1963;32(3):338–43.
- ↑ Demirev PA. Dried blood spots: analysis and applications. Anal Chem. 2013;85(2):779–89. doi: 10.1021/ac303205m