Transkatheter-Aortenklappenimplantation
Synonym: endovaskulärer Aortenklappenersatz, kathetergestützte Aortenklappenimplantation
Englisch: transcatheter aortic-valve implantation, TAVI
Definition
Als Transkatheter-Aortenklappenimplantation, kurz TAVI, bezeichnet man die minimal-invasive Implantation einer künstlichen Aortenklappe mittels eines Katheters.
Hintergrund
Eine TAVI wurde erstmals im Jahr 2002 durch den französischen Kardiologen Alain Cribier und Kollegen durchgeführt. Seitdem zeigt der minimal-invasive Herzklappenersatz stark steigende Fallzahlen – zunächst insbesondere unter Patienten, bei denen eine Operation in Kardioplegie zu risikoreich wäre. Mittlerweile (2026) wurde ihre Anwendung auch auf Patienten mit intermediärem und niedrigem Risiko ausgeweitet. Die Anwendung bei jüngeren Patienten wird weiterhin differenziert diskutiert.
Technik
Die TAVI ist ein katheterbasiertes Verfahren, bei dem der Katheter in der Regel transfemoral, d.h. über die Arteria femoralis eingebracht wird. Ist die Arteria femoralis nicht geeignet, kann alternativ die Arteria subclavia verwendet werden. In manchen Fällen (z.B. bei schwerer Arteriosklerose der Aorta) ist ein transapikaler Zugang über einen kleinen Schnitt in der Herzspitze (Apex cordis) notwendig. Eine TAVI kann sowohl in Lokal- als auch in Allgemeinanästhesie durchgeführt werden.[1]
Die neue Aortenklappe wird an einem Drahtgerüst befestigt und durch den Katheter im Herzen in Position gebracht. Sobald die neue Herzklappe sich in adäquater Position befindet, wird sie entfaltet und am Klappenring fest verankert. Dieser Vorgang entfernt die körpereigene Aortenklappe nicht, sondern verdrängt sie durch das Implantat. Unterschieden werden grundsätzlich zwei Arten von Klappen: selbstexpandierende Klappen und Klappen, die mittels Ballon dilatatiert werden. Moderne Systeme sind teilweise repositionierbar, erfordern jedoch vor dem Eingriff eine präzise Bildgebung mittels CT zur exakten Annulusvermessung und Zugangsplanung.
Indikation
Die TAVI wird als Aortenklappenersatz bei Patienten mit behandlungsbedürftiger Aortenklappenstenose eingesetzt.
Die Entscheidung zwischen TAVI und chirurgischem Aortenklappenersatz (SAVR) soll in einem interdisziplinären Heart-Team erfolgen und berücksichtigt mehrere Faktoren. Hierzu zählen insbesondere das Lebensalter, das operative Risiko (z.B. STS-Score, EuroSCORE II), relevante Komorbiditäten, der funktionelle Status einschließlich Frailty, die Lebenserwartung, anatomische Gegebenheiten (z.B. Gefäßzugang, Aortenwurzelanatomie, Koronarostienhöhe, Vorliegen einer bikuspiden Klappe) sowie die zu erwartende Haltbarkeit der Prothese. Auch die Präferenz des informierten Patienten ist integraler Bestandteil der Entscheidungsfindung.
In Leitlinienempfehlungen wird bei älteren Patienten mit geeigneter Gefäßanatomie häufig die TAVI bevorzugt, während bei jüngeren Patienten – insbesondere unter etwa 65–70 Jahren – aufgrund der bislang limitierten Langzeitdaten zur Klappendauerhaltbarkeit die chirurgische Versorgung weiterhin eine wichtige Rolle spielt. Im intermediären Altersbereich erfolgt eine individualisierte Abwägung.
Bei Patienten mit gleichzeitig bestehender komplexer koronarer Herzerkrankung, relevanter Aortopathie oder weiteren kardialen Operationsindikationen (z.B. Mitralklappeneingriff) kann die chirurgische Versorgung Vorteile bieten. Umgekehrt ist die TAVI insbesondere bei erhöhtem operativem Risiko oder erhöhter Gebrechlichkeit eine etablierte Therapieoption.
Voraussetzungen
Vor Beginn einer TAVI müssen diverse apparative Untersuchungen durchgeführt werden:
- Transösophageale Echokardiographie: in der Regel sind nur trikuspide Aortenklappen für die Behandlung geeignet
- Computertomographie mit Kontrastmittel: zentrale Untersuchung zur Annulusvermessung, Beurteilung der Koronarostienhöhe, Kalzifikationsverteilung sowie zur Planung des Gefäßzugangs
- Herzkatheteruntersuchung: bei Vorliegen einer KHK wird abhängig von Koronaranatomie und Komplexität der Läsionen eine individuelle Revaskularisationsstrategie (PCI versus operative Versorgung mit Bypassanlage) festgelegt.
- Sonographie der Arteria femoralis: bei beidseitigen, höhergradigen Stenosen der Arteriae femorales ist eine TAVI i.d.R. nicht möglich
Risiken
- Schlaganfall
- Gefäßläsionen durch den Katheter
- Akutes Nierenversagen
- Notwendigkeit eines erneuten Eingriffs bei undichter Anbringung der neuen Aortenklappe
- Erhöhtes Risiko für Auftreten eines AV-Blocks 3. Grades mi[2]t konsekutiver Schrittmacher-Implantation.
Bei einem TAVI-Eingriff sollte zu jedem Zeitpunkt ein herzchirurgisches Stand-By bestehen, um im Notfall die offen-herzchirurgische Operation durchführen zu können. Um diesen Umstand gewährleisten zu können, sollten Patienten nur in einem Hybrid-Operationssaal mit einer TAVI versorgt werden.
Outcome
Trotz der raschen Verbreitung des Verfahrens existieren nur wenige Studien zum Langzeitoutcome der Patienten. In einer Metaanalyse von 31 klinischen Studien mit über 13.000 Patienten lag die 30-Tage-Mortalität der TAVI bei 8,4 %. Die Überlebensrate nach 1, 2, 3, 5 und 7 Jahren lag bei 83 %, 75 %, 65 %, 48 % und 28 %. Diese Daten beziehen sich überwiegend auf frühe Hochrisikokollektive und ältere Klappengenerationen.[3]
Im direkten Vergleich mit einem chirurgischen Aortenklappenersatz ist die TAVI bei geeigneter Patientenselektion in mehreren Studien nicht unterlegen und in einzelnen kombinierten Endpunkten kurz- bis mittelfristig vergleichbar oder vorteilhaft gegenüber einem konventionellen Aortenklappenersatz, wobei die Ergebnisinterpretation stets vom Risikoprofil, der Anatomie und der verwendeten Klappengeneration abhängt.[4]
Neuere Studien (2026) zeigen auch bei Patienten mit niedrigem operativen Risikoprofil einen Vorteil der TAVI gegenüber der chirurgischen Operation.[5] Trotz der vergleichsweise hohen Kosten ist das Verfahren häufig mit deutlich kürzeren Liegedauern verbunden.
Weblinks
- Leon MB et al. NEJM: Transcatheter Aortic-Valve Implantation for Aortic Stenosis in Patients Who Cannot Undergo Surgery, N Engl J Med 2010; 363:1597-1607, abgerufen am 08.11.2019
Literatur
Quellen
- ↑ Thiele et al. General versus Local Anesthesia with Conscious Sedation in Transcatheter Aortic Valve Implantation: The Randomized SOLVE-TAVI Trial, Circulation 2020, abgerufen am 02.02.2022
- ↑ Praz et al.: 2025 ESC/EACTS Guidelines for the management of valvular heart disease. European Heart Journal, 11/2025
- ↑ Chakos A, Wilson-Smith A, Arora S, et al. Long term outcomes of transcatheter aortic valve implantation (TAVI): a systematic review of 5-year survival and beyond. Annals of Cardiothoracic Surgery. 2017;6(5):432-443. doi:10.21037/acs.2017.09.10.
- ↑ Mack et al.: Transcatheter Aortic-Valve Replacement with a Balloon-Expandable Valve in Low-Risk Patients. N Engl J Med, 2019
- ↑ Kolkailah AA et al. Transcatheter aortic valve implantation versus surgical aortic valve replacement for severe aortic stenosis in people with low surgical risk (Review), Cochrane Database of Systematic Reviews 2019, Issue 12. Art. No.: CD013319, abgerufen am 14.01.2020