Sprunggelenksfraktur
Synonym: Malleolarfraktur
Englisch: ankle fracture
Definition
Sprunggelenksfrakturen sind Frakturen der Knochen im Bereich des oberen Sprunggelenkes.
Epidemiologie
Sprunggelenksfrakturen gehören zu den häufigen Frakturen der unteren Extremität und betreffen ein breites Altersspektrum. In höheren Altersgruppen spielen Sturzmechanismen und Knochenqualität häufiger eine Rolle. Bevölkerungsrepräsentative Kennzahlen speziell für Sprunggelenksfrakturen sind in Deutschland uneinheitlich publiziert. Häufig zitiert wird eine Größenordnung um etwa 1/1.000 Einwohner pro Jahr in europäischen Kollektiven.
Einteilung
Sprunggelenksfrakturen werden nach der Weber-Klassifikation eingeteilt. Darüber hinaus kann die AO-Klassifikation verwendet werden.
Eine Sonderform sind die Maisonneuve-Fraktur und die Pilon-tibiale-Fraktur. Außerdem werden noch die bimalleoläre und die trimalleoläre Sprunggelenksfraktur unterschieden.
Diagnostik
Diagnostisch wegweisend ist die Röntgenaufnahme des oberen Sprunggelenkes in 2 Ebenen.
siehe auch: Radiologie des Sprunggelenks
Differentialdiagnose
Differentialdiagnostisch sind Bandrupturen, Distorsionen, Luxation von Sehnen und eine Talusfraktur auszuschließen.
Therapie
Eine konservative Therapie mit Unterschenkelgips kommt nur bei äußerst seltenen, nicht dislozierten Frakturen und bei absoluten Kontraindikationen gegen eine Operation in Frage. Zur Beurteilung der Dislokation dient unter anderem das Volkmann-Dreieck (hintere Tibiakante).
Operative Versorgung
Die Therapie der Sprunggelenksfraktur ist meistens operativ. Dabei erfolgt eine frakturtypadaptierte stabile Osteosynthese, eventuell kombiniert mit einer Bandnaht. Es erfolgt eine frühfunktionelle Nachbehandlung mit relativ schneller Mobilisierung und Physiotherapie.
Zu beachten ist, dass die Rekonstruktion anatomisch korrekt erfolgt, da bei verbleibender Fehlstellung die Entstehung einer Arthrose (sog. Spätarthrose) vorprogrammiert ist.
- Bei Frakturen vom Typ Weber A mit nicht-disloziertem Knochenfragment erfolgt in der Regel eine konservative Therapie. Bei großem, disloziertem Knochenfragment ist eine Schrauben- bzw. Plattenosteosynthese mit exakter Längenrekonstruktion der Fibula indiziert.
- Frakturen vom Typ Weber B erfordern in der Regel eine kombinierte Osteosynthese mit freier Zugschraube sowie (Drittelrohr-) Plattenosteosynthese.
- Liegt eine Fraktur des Typs Weber C vor, ist die Frakturversorgung erschwert. Eine Drittelrohrplatte lateral dient der Stützung. Die eigentliche Osteosynthese erfolgt mit Schrauben oder Zugschrauben. Dabei ist sehr genau auf die korrekte Länge der Unterschenkelknochen und die richtige Rotationsstellung zu achten.
Ist die Malleolengabel nach dieser Versorgung noch instabil (intraoperative Prüfung), wird in der Regel eine Stellschraube zur Fixierung angebracht. Auch bei der Zerreißung der Membrana interossea cruris und bei instabilem Bandapparat wird die Syndesmosenaht mit einer Stellschraube gesichert. Diese wird jedoch nach etwa 6 Wochen wieder entfernt, sodass ein zweizeitiges Vorgehen erfolgen muss.
Podcast
Bildquelle
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