Maisonneuve-Fraktur
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Loslegennach dem französischen Chirurgen Jules Germain François Maisonneuve (1809–1897)
Englisch: Maisonneuve fracture
Definition
Die Maisonneuve-Fraktur ist eine Fraktur der Fibula im proximalen Drittel mit einer Zerreißung der Syndesmosis tibiofibularis und der Membrana interossea cruris. Typische Begleitverletzungen sind eine Ruptur des Deltabands, eine Innenknöchelfraktur oder eine Absprengung des Volkmann-Dreiecks. Ursache ist meist ein Pronationstrauma des Sprunggelenkes.
siehe auch: Fibulafraktur
Klassifikation
Trotz der proximalen Lage in der Nähe des Knies wird die Maisonneuve-Fraktur als Weber-C-Fraktur (Weber-Klassifikation) bei den Sprunggelenksfrakturen eingeordnet, da sie eine Instabilität im Sprunggelenk nach sich zieht.
Epidemiologie
Die Maisonneuve-Fraktur macht etwa 5–7 % aller Sprunggelenksfrakturen aus.[1] Sie betrifft bevorzugt jüngere, sportlich aktive Erwachsene und wird aufgrund der proximalen Frakturlage häufig primär übersehen.
Ätiopathogenese
Das typische Verletzungsmuster ist ein indirektes Pronations-Außenrotationstrauma. Die Kraft überträgt sich dabei in charakteristischer Reihenfolge: Zunächst reißen die medialen Strukturen des Sprunggelenks (Ligamentum deltoideum oder Innenknöchelfraktur), danach die Syndesmosis tibiofibularis und die Membrana interossea cruris, bis die einwirkende Energie schließlich im proximalen Unterschenkel eine Spiralfraktur der Fibula erzeugt.[2]
Symptome
Klinisch imponieren lokaler Druckschmerz am Fibulaköpfchen, Schwellung und Hämatom im Bereich des proximalen Unterschenkels sowie Schmerzen und Instabilität im Sprunggelenk. Der Druckschmerz am Fibulaköpfchen bei einem Pronationstrauma ist das entscheidende klinische Leitsymptom.
Diagnostik
Klinische Untersuchung
Bei jedem Pronationstrauma des Sprunggelenks sollte die klinische Untersuchung auf den gesamten Unterschenkel bis zum Fibulaköpfchen ausgedehnt werden. Bei Druckschmerz proximal ist die Bildgebung des gesamten Unterschenkels obligat. Intraoperativ oder bei unklarer Instabilität können Stressaufnahmen sowie die direkte intraoperative Syndesmosentestung (z.B. Cotton-Test, externe Rotationsstressaufnahme) zur Stabilitätsbeurteilung beitragen.
Bildgebung
Die initiale Bildgebung umfasst Röntgenaufnahmen des Sprunggelenks in zwei Ebenen sowie des gesamten Unterschenkels. Bei unklarer Syndesmoseninstabilität kann eine Computertomographie (CT) – insbesondere als Belastungs-CT – subtile Instabilitäten zuverlässig darstellen. Die Magnetresonanztomographie (MRT) wird selektiv eingesetzt und gilt als Referenzstandard zur Beurteilung der Bandstrukturen, insbesondere vor operativer Versorgung.[3]
Therapie
Die Therapieentscheidung richtet sich nach der Stabilität der Syndesmose, nicht allein nach der Frakturmorphologie.
Bei instabiler Syndesmose ist eine operative Versorgung indiziert. Die Fibulafraktur selbst wird in der Regel nicht osteosynthetisch versorgt. Die syndesmotische Stabilisierung erfolgt entweder durch eine Syndesmosenschraube (Stellschraube) oder durch eine flexible Fadencerclage (Suture-Button-System).[4]
Bei nachgewiesener Stabilität der Syndesmose und intaktem Ligamentum deltoideum kann in Ausnahmefällen ein konservatives Vorgehen im Unterschenkelgips für 6–8 Wochen erwogen werden. Diese Entscheidung setzt eine sorgfältige Stabilitätsbeurteilung voraus.[5]
Komplikationen
- Chronische Syndesmoseninstabilität bei übersehener oder unzureichend behandelter Verletzung
- Posttraumatische Arthrose des Sprunggelenks
Prognose
Bei adäquater Diagnosestellung und leitliniengerechter Therapie ist die Prognose gut. Eine verzögerte Diagnose oder inadäquate syndesmotische Stabilisierung erhöht das Risiko für chronische Instabilität und posttraumatische Arthrose erheblich.
Podcast
Quellen
- ↑ Clanton TO et al. Management of injuries to the syndesmosis. Instr Course Lect. 2012;61:129-41.
- ↑ Silva LNMD et al. Distal Tibiofibular Syndesmosis: Anatomy, Biomechanics, Imaging Approach, and Postoperative Evaluation. Radiographics. 2026;46(2):e250065. DOI: 10.1148/rg.250065
- ↑ Silva LNMD et al. Distal Tibiofibular Syndesmosis: Anatomy, Biomechanics, Imaging Approach, and Postoperative Evaluation. Radiographics. 2026;46(2):e250065. DOI: 10.1148/rg.250065
- ↑ Petersen U et al. Flexible suture button construction for the treatment of tibiofibular syndesmosis injuries. Oper Orthop Traumatol. 2025;37(6):421-430. DOI: 10.1007/s00064-025-00920-x
- ↑ Wang C et al. Maisonneuve fracture treated with short leg cast: A case report with 41-month follow-up. Medicine (Baltimore). 2024;103(19):e38105. DOI: 10.1097/MD.0000000000038105
Literatur
- Zwingmann J et al. Fractures of the ankle joint—investigation and treatment options. Dtsch Arztebl Int. 2014;111:377-88. DOI: 10.3238/arztebl.2014.0377