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Spironucleose (Geflügel)

Synonym: Hexamitiasis
Englisch: spironucleosis

1 Definition

Die Spironucleose ist eine parasitär bedingte Infektionskrankheit beim Geflügel, die durch Vertreter der großen Gruppe der Metamonada verursacht wird.

2 Ätiologie

Spironucleus meleagridis (syn. Hexamita meleagridis) ist ein Protozoon aus der Familie der Hexamitidae. Der Parasit ist eiförmig, 6 bis 12 x 2 bis 5 µm groß und mit drei Geißelpaaren am Vorderende und einem Paar am Körperhinderende versehen.

3 Epidemiologie

Die Spironucleose ist weltweit bei Puten verbreitet. Infektionen treten v.a. in Regionen mit intensiver Haltung auf. Betroffen sind besonders Freilandhaltungen, wobei auch Erkrankungen in Stallhaltungen beobachtet werden.

Hauptinfektionsquellen stellen durch Wildvögel kontaminiertes Trink- und Oberflächengewässer dar. Als besonders gefährdet gelten Tiere bis zur 10. Lebenswoche, v.a. aber dann, wenn gleichzeitig massive Hygienemängel sowie andere Infektionen vorherrschen, die das Immunsystem schwächen. Durch die mehrmalige Passage im Wirt nimmt die Virulenz der Erreger drastisch zu.

4 Pathogenese

Die Übertragung erfolgt direkt durch mit Kot kontaminierte Futtermittel sowie über Trink- und Oberflächenwasser.

Nach der Infektion vermehren sich die Erreger im Darm durch ungeschlechtliche Zweiteilung. Durch die Parasitose entwickelt sich eine katarrhalische Entzündung des Dünndarms, die zu schweren Verlusten im Bestand führen kann. Während nur wenige Wochen alte Puten klinisch manifest erkranken, entwickeln ältere Tiere oftmals keine Symptome. Diese latent infizierten Geflügel sorgen jedoch für eine Verbreitung der Parasiten in der Herde und so zu einer raschen Durchseuchung.

5 Klinik

Die Inkubationszeit beträgt 4 bis 7 Tage.

Betroffene Tiere leiden an dünnflüssig-schaumigem und übel riechendem Durchfall, sind dehydriert, verlieren rasch an Gewicht, sind unruhig und wirken schwach. Das Gefieder ist ungepflegt und der Kloakenbereich stark verschmutzt. Innerhalb der Herde kann über einen Zeitraum von 1 bis 3 Wochen eine deutlich erhöhte Mortalität beobachtet werden.

6 Pathohistologie

Die Tiere sind exsikkiert und zeigen eine schlaffe Darmwand mit flüssig-schaumigem Inhalt. Die Schleimhaut ist durch eine katarrhalische bis hämorrhagische Enteritis gekennzeichnet. Infolge von Gewebszerstörungen durch die Zysten treten gelegentlich auch Blutungen auf.

7 Differenzialdiagnosen

8 Diagnose

Anamnese und klinischer Verlauf geben erste Hinweise für eine Verdachtsdiagnose. Die Diagnose wird mittels Sektion und direktem Erregernachweis gesichert. Die Protozoen lassen sich im Nativpräparat unter dem Mikroskop anhand der unidirektionalen und schnellen Bewegung erkennen.

Bei unklaren Fällen ist eine Absicherung mittels einer PCR oder Massenspektroskopie indiziert.

9 Literatur

  • Siegmann O, Neumann U (Hrsg.) 2012. Kompendium der Geflügelkrankheiten. 7., überarbeitete Auflage. Hannover: Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG. ISBN: 978-84268333-4
  • Eckert J, Friedhoff KT, Zahner H, Deplazes P. 2008. Lehrbuch der Parasitologie für die Tiermedizin. 2., vollständig überarbeitete Auflage. Stuttgart: Enke Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG. ISBN: 978-3-8304-1072-0

Diese Seite wurde zuletzt am 15. September 2021 um 18:19 Uhr bearbeitet.

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