Simplified Acute Physiology Score II
Definition
Der Simplified Acute Physiology Score II, kurz SAPS II, ist ein klinischer Prognosescore zur Abschätzung der Krankenhausmortalität von erwachsenen Intensivpatienten. Er basiert auf physiologischen, demographischen und anamnestischen Variablen, die innerhalb der ersten 24 Stunden nach Aufnahme auf eine Intensivstation erhoben werden.
Hintergrund
Der SAPS II wurde 1993 von einer europäischen Multicenter-Arbeitsgruppe um Jean-Roger Le Gall entwickelt. Ziel war es, gegenüber bestehenden Prognosescores die Anzahl der Variablen zu reduzieren, ohne die prognostische Aussagekraft zu beeinträchtigen. Grundlage bildete eine prospektive Datenerhebung auf Intensivstationen in Europa und Nordamerika. Der SAPS II ersetzte frühere Versionen des Simplified Acute Physiology Score.
Abgrenzung
Der SAPS II unterscheidet sich von APACHE- und SOFA-Scores hinsichtlich Variablenauswahl, Berechnungslogik und Zielsetzung. Eine organspezifische Verlaufsbeurteilung wie beim SOFA-Score ist nicht vorgesehen. Aufgrund seiner historischen Kalibrierung weist der SAPS II gegenüber neueren Prognosemodellen eine geringere Anpassung an aktuelle Behandlungsstandards auf.
Aufbau
Der SAPS II umfasst 17 Variablen, die innerhalb der ersten 24 Stunden nach Aufnahme auf eine Intensivstation erhoben werden. Die Variablen sind thematisch gegliedert und werden anhand definierter Grenzwerte bepunktet. Die Einzelpunktwerte werden zu einem Gesamtscore addiert.
| Aufnahmestatus | Klinische Messwerte | Laborparameter |
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Anwendungsbereich
Der SAPS II dient der statistischen Abschätzung der Krankenhausmortalität auf Kollektivebene. Er wird insbesondere zur Risikoadjustierung in klinischen Studien sowie zum Vergleich von Patientenkollektiven zwischen Intensivstationen eingesetzt.
Der Score findet Anwendung auf internistischen, chirurgischen und interdisziplinären Intensivstationen bei erwachsenen Patienten. Eine Nutzung zur individuellen Therapieentscheidung ist nicht vorgesehen.
Besonderheiten
Die Mortalitätswahrscheinlichkeit wird mithilfe einer logistischen Regressionsgleichung berechnet. Der Zusammenhang zwischen Punktwert und Sterblichkeit ist nicht linear. Die ursprüngliche Kalibrierung basiert auf Referenzdaten aus den frühen 1990er-Jahren, sodass für spezifische Populationen Rekalibrierungen erforderlich sein können.
Literatur
- Le Gall et al. A new Simplified Acute Physiology Score (SAPS II) based on a European/North American multicenter study. JAMA. 270(24):2957-2963. 1993. doi:10.1001/jama.270.24.2957
- Lemeshow et al. Mortality probability models (MPM II) based on an international cohort of intensive care unit patients. JAMA. 270:2478–2486. 1993