Salmonellose
Trainier deine Lernmuskeln!
Mit Flash Cards, Quiz und mehr
LoslegenSynonyme: Salmonellen-Enteritis, Salmonellen-Gastroenteritis
Englisch: salmonellosis, nontyphoidal salmonellosis
Definition
Die Salmonellose ist eine durch nichttyphoidale Salmonellen hervorgerufene Gastroenteritis. Sie zählt zu den klassischen Lebensmittelinfektionen und wird überwiegend durch den Verzehr kontaminierter tierischer Lebensmittel verursacht.[1]
Abgrenzung
Die durch Salmonella Typhi bzw. Salmonella Paratyphi verursachten systemischen Infektionen Typhus und Paratyphus werden nicht zur Salmonellose im engeren Sinn gezählt und in eigenen Artikeln behandelt.
Epidemiologie
Salmonellosen sind weltweit verbreitet und treten als sporadische Fälle, Fallhäufungen oder Ausbrüche auf. In Deutschland sind die gemeldeten Fallzahlen seit Anfang der 2000er-Jahre deutlich rückläufig. Im Jahr 2018 wurden rund 15.700 Erkrankungen an das Robert Koch-Institut übermittelt.[1] Ein Erkrankungsgipfel besteht typischerweise im Spätsommer. Die höchsten altersspezifischen Inzidenzen finden sich bei Kindern unter 10 Jahren.[1]
Ätiologie
Erreger sind bewegliche, gramnegative Bakterien der Gattung Salmonella. Die Gattung umfasst die Arten Salmonella enterica und Salmonella bongori; humanmedizinisch bedeutsam ist v.a. Salmonella enterica subsp. enterica. Die Differenzierung in über 2.500 Serotypen erfolgt anhand der Oberflächen- (O) und Geißel- (H) Antigene nach dem White-Kauffmann-Le-Minor-Schema.[1] Die beiden häufigsten Serotypen in Deutschland sind Salmonella Enteritidis und Salmonella Typhimurium.[1]
Hauptreservoir sind Tiere, insbesondere Geflügel, Rinder, Schweine und Reptilien. Die Übertragung erfolgt fäkal-oral, vor allem über nicht ausreichend erhitzte Eier und Eiprodukte (Salmonella Enteritidis) sowie rohes Fleisch und Fleischerzeugnisse (Salmonella Typhimurium). Auch eine Kreuzkontamination anderer Lebensmittel ist möglich.[1] Die Infektionsdosis liegt für Erwachsene meist bei 104–106 Keimen, in fettreichen Lebensmitteln oder bei disponierten Personen (Säuglinge, Kleinkinder, alte oder abwehrgeschwächte Menschen) auch deutlich niedriger.[1]
Pathophysiologie
Nach oraler Aufnahme und Passage des Magens besiedeln die Erreger den distalen Dünn- und Dickdarm, dringen in die Mukosa ein und lösen eine lokale Entzündungsreaktion aus, die zu einer sekretorisch-entzündlichen Diarrhö führt. Die Inkubationszeit beträgt 6–72 Stunden, in der Regel 12–36 Stunden, und ist von Infektionsdosis und Serotyp abhängig.[1]
Symptome
Leitsymptom ist ein akuter, plötzlich einsetzender Durchfall, begleitet von:
- Bauchschmerzen und Kopfschmerzen
- Übelkeit und Erbrechen
- Unwohlsein und Schwächegefühl
- meist leichtem Fieber
Die Beschwerden klingen üblicherweise innerhalb weniger Tage ab. Vor allem bei Kleinkindern und älteren Menschen droht eine ausgeprägte Dehydratation. Selten nimmt die Erkrankung einen septischen Verlauf. Durch fokale Absiedlung können extraintestinale Komplikationen wie Endokarditis, Osteomyelitis, septische Arthritis oder Meningitis auftreten – insbesondere bei Menschen über 60 Jahren.[1]
Diagnostik
Labor
Der Erregernachweis erfolgt kulturell aus Stuhl, Rektalabstrich oder Erbrochenem. Bei Verdacht auf systemische Verläufe zusätzlich aus der Blutkultur.[1] Nach Anzucht auf Selektivnährböden schließen sich die biochemische und serologische Identifizierung des Isolats sowie ggf. eine Feindifferenzierung (z.B. Pulsfeldgelelektrophorese).[1] Eine mikrobiologische Stuhldiagnostik ist u.a. bei Durchfall über drei Tage, sichtbarem Blut im Stuhl oder Hospitalisierung indiziert.[1]
Differentialdiagnostisch sind weitere Durchfallerreger abzugrenzen, u.a. Campylobacter, Shigellen, Yersinien, enteropathogene Escherichia coli sowie Noroviren und Rotaviren.[1]
Therapie
Im Vordergrund steht der Ausgleich der Flüssigkeits- und Elektrolytverluste.[1] Bei unkompliziertem gastroenteritischem Verlauf ist eine antibiotische Therapie nicht indiziert, da sie den Verlauf nicht verkürzt und die Erregerausscheidung verlängern kann.[1][2]
Eine antimikrobielle Behandlung wird nur bei schweren bzw. septischen Verläufen (SIRS/Sepsis) sowie bei Risikogruppen empfohlen.[1][3] Aufgrund zunehmender Resistenzen nichttyphoidaler Salmonellen ist zuvor eine Resistenztestung anzuraten. Je nach Resistenzlage kommen Cephalosporine der 3. Generation, Cotrimoxazol, Ampicillin oder – bei Erwachsenen – Fluorchinolone wie Ciprofloxacin zum Einsatz.[1]
Prognose
Die Erkrankung verläuft meist selbstlimitierend mit günstiger Prognose. Die Gesamtletalität liegt unter 0,1 % und betrifft überwiegend ältere und abwehrgeschwächte Personen.[1] Die Erregerausscheidung dauert bei Erwachsenen im Mittel etwa einen Monat, bei Kindern unter 5 Jahren häufig länger.[1]
Meldepflicht
Gemäß § 7 Abs. 1 Infektionsschutzgesetz (IfSG) ist der direkte oder indirekte Nachweis von Salmonella-Serotypen namentlich meldepflichtig, soweit er auf eine akute Infektion hinweist.[1] Zusätzlich besteht nach § 6 Abs. 1 Nr. 2 IfSG eine Meldepflicht für Verdacht auf und Erkrankung an akuter infektiöser Gastroenteritis, wenn die betroffene Person Umgang mit Lebensmitteln hat oder wenn zwei oder mehr Erkrankungen mit wahrscheinlichem epidemischem Zusammenhang auftreten.[1]
Quellen
- ↑ 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 1,11 1,12 1,13 1,14 1,15 1,16 1,17 1,18 1,19 1,20 Robert Koch-Institut. RKI-Ratgeber Salmonellose, abgerufen am 12.06.2026
- ↑ O'Boyle et al. Management and Outcomes of Salmonella Gastroenteritis in the Era of Rapid Molecular Testing. Hosp Pediatr. 2022;12(11):1011–1019. doi:10.1542/hpeds.2021-006450.
- ↑ Kotloff KL. Bacterial diarrhoea. Curr Opin Pediatr. 2022;34(2):147–155. doi:10.1097/MOP.0000000000001107.