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Psychoanalyse

Englisch: psychoanalysis

1 Definition

Die Psychoanalyse zählt zu den psychodynamischen Therapieverfahren und wurde von Sigmund Freud entwickelt. Im Zentrum der Therapie steht die Arbeit am unbewussten Konflikt, den der Psychoanalytiker durch Interpretation zur Lösung bringen soll.

Moderne Modelle und Ansätze der Psychotherapie, die auf der Psychoanalyse basieren, bezeichnet man als psychodynamische Konzepte.

2 Theoretische Ansätze

2.1 Traumatheorie

Die ersten Anfänge der Psychoanalyse Freuds lassen sich in der Traumatheorie finden. In dieser beschreibt Freud unbewusste Traumata in der Kindheit als Ätiologie der “Hysterie”. Als Schüler Charcots hat Freud die Methode der Hypnose und ihre symptomlösende Wirkung bei “hysterischen” Patienten beobachten können und nutzte diese ebenfalls bei seinen Patienten. Durch einen Hypnose-induzierten veränderten Bewusstseinszustand ist es möglich, dass sich Patienten nun an die bewusstseinsunfähigen Ereignisse erinnern können. Der Moment, in dem das Trauma wieder abgerufen werden kann, wird von Freud als Katharsis (Reinigung) bezeichnet, da die Symptome nachlassen und von affektiven Regungen begleitet werden. Freud ging davon aus, dass die emotionale Bewältigung des Traumas in der Kindheit nicht erfolgt ist. Ziel der Behandlung, dem khartatischem Verfahren, sollte deshalb das erneute Durchleben des Traumas (Erinnern) und die angemessene emotionale Bewältigung (Abreagieren) sein.

Da die Symptome nach der Hypnose aber häufig wieder auftreten und die Patienten sich nach Hypnose erneut nicht erinnern können, entwickelte Freud mit der Psychoanalyse einen therapeutischen Ansatz, in dem die Therapieziele auch ohne Hypnose erreicht werden können. Freud wandelte seine Traumatheorie zur Triebtheorie ab, da es sich nicht bei jedem Trauma um ein reales Ereignis, sondern zum Teil auch um Fantasien und unbewusste Wünsche handelte.

2.2 Triebtheorie

Die von Freud entwickelte Triebtheorie basiert auf der Erkenntnis, dass ein Großteil der psychischen Inhalte dem Bewusstsein verborgen sind. Die Idee, von der Existenz eines Unbewussten, ist das Fundament jeder psychoanalytischen Theorie.

Freud führte zum besseren Verständnis das erste topische Modell (auch als Eisbergmodell bekannt) ein. Als eine Topografie des Seelenlebens beschreibt Freud drei Bereiche:

  • das Unbewusste,
  • das Vorbewusste und
  • das Bewusste.

Freud überarbeitete das Modell zum sogenannten Strukturmodell (auch als zweites topisches Modell oder Instanzenmodell bezeichnet). Auch hier beschreibt Freud drei Bereiche:

Weiter beschreibt Freud Triebe als "innersomatische Reizquelle" (im Unterschied zu äußeren Reizen). Diese Triebe motivieren Verhalten und lassen sich nach Freud in Lebens- und Todestriebe unterteilen. Lebenstriebe bewirken Selbst- bzw. Arterhaltung, während Todestriebe den Tod zum Ziel haben und sich in Aggressionen äußern.

Freud entwickelte ein entwicklungspsychologisches Modell der psychosexuellen Phasen, um die Entwicklung der menschlichen Sexualität zu beschreiben. Sexualität meint hierbei die allgemeine Energie des Lebenstriebs, die Libido. Somit bezieht sich Sexualität in der Psychoanalyse nicht nur auf die Genitalien, sondern auf eine allgemeine Energie, die nach Lustgewinn bzw. Befriedigung strebt. So ist z.B. die Nahrungsaufnahme im psychoanalytischen Sinne mit sexueller Befriedigung verbunden. Aus diesem Grund wird der Begriff der infantilen Sexualität häufig missverstanden: Die Entwicklung der infantilen Sexualität ist nach Freud über die kindlichen Lebensjahre hinweg in verschiedene Phasen gliederbar, in denen jeweils eine erogene Zone die psychosexuelle Entwicklung dominiert. Werden die Entwicklungsphasen nicht bewältigt, kommt es laut Freud zu Störungen.

Für die Praxis der psychoanalytischen Psychotherapie bedeutet die Triebtheorie, dass Triebe aus dem Unbewussten, dem Es im Fokus der Therapie stehen. Um diese freizulegen, arbeiten Psychoanalytiker mit Methoden zur Ich-Schwächung. Solche Methoden sind z.B.:

  • freie Assoziation (bewusstes Ausschalten der Eigenzensur)
  • Analyse von Fehlleistungen (wird als Kompromiss zwischen Es und Ich verstanden) oder
  • Traumdeutung (während des Träumens ist das Ich geschwächt).

Psychoanalytiker stellen auch Bedingungen her, in denen das Ich geschwächt wird. Beispielsweise soll das Liegen auf der Couch der Regression förderlich sein.

2.3 Ich-Psychologie

Anna Freud maß dem Ich und Über-Ich mehr Bedeutung zu als ihr Vater und entwickelte die Theorien über das Ich weiter. Das Ich muss die Triebregungen des Es, die internalisierte Moral des Über-Ichs und die Anforderungen der Realität in sich integrieren. Unbewusste Wünsche aus dem Es, die das Über-Ich nicht erlaubt, werden von dem Ich als bedrohlich (und damit unlustvoll) erlebt und über Abwehrmechanismen zu bewältigen versucht. Die Abwehrmechanismen setzen nicht primär zur Triebabwehr, sondern zur Reduktion der entstehenden Unlust ein. Kann das Ich den Trieb nicht vollständig abwehren, äußert sich dies in Symptomen. Symptome entstehen demnach also immer dann, wenn Triebe nicht vollständig ausgelebt oder gänzlich abgewehrt werden können. Störungen und Symptome erfüllen damit eine Funktion. Der funktionelle Aspekt psychischer Störungen ähnelt damit auch dem Krankheitsgewinn. Diese Erkenntnis ist damit nicht nur für die Psychotherapie sondern auch insbesondere für die psychosomatische Behandlung von Bedeutung.

Abwehrmechanismen lassen sich in unreife und reife Abwehrmechanismen unterteilen. Das Ich einer Person mit Strukturpathologie (niedrigem Strukturniveau) setzt unreife Abwehrmechanismen zur Triebabwehr ein. Bei dieser Art findet die Triebabwehr eher im Bereich zwischenmenschlicher Beziehung, also interpsychisch statt. Mit einem höherem Strukturniveau wird intrapsychische Triebabwehr mittels reifer Abwehrmechanismen und damit die Konfliktpathologie möglich.

Die Ich-Psychologie hat die Praxis der psychoanalytischen Psychotherapie verändert. Im Gegensatz zur Triebtheorie wird auf die Ich-Schwächung verzichtet, da der Fokus nicht auf dem Es, sondern auf dem Ich liegt. Die Ich-Schwächung wäre demnach kontraproduktiv, da gerade das Ich Beobachtungsgegenstand ist und therapiert werden soll.

3 Indikationen

Einsatzgebiete der Psychoanalyse können unter anderem Probleme mit der Identitätsfindung, zwischenmenschliche Konflikte, Depressionen oder Angsterkrankungen sein. Ebenfalls zählen dissoziative Störungen und Persönlichkeitsstörungen zu den Indikationen.

4 Therapieprinzipien

Die Persönlichkeit des Patienten und seine unbewusst gewordene Lebensgeschichte sollen umfassend analysiert werden. Ziel ist nicht die schnelle Beseitigung der Symptome sondern eine Veränderung der bestehenden Strukturen und Fixierungen des Patienten.

Wichtig in der Therapie ist vor allem die freie Assoziation und die Traumdeutung, die Unbewusstes zu Tage bringen soll. Ebenfalls kommt der Bearbeitung von Übertragung, Gegenübertragung und Widerstand eine entscheidende Bedeutung zu.

5 Therapiesetting

In der Regel finden bei einer niederfrequenten psychoanalytischen Therapie 1-2 Sitzungen pro Woche für 2-3 Jahre statt. Sie kann im Liegen oder im Sitzen durchgeführt werden.

Bei der hochfrequenten psychoanalytischen Therapie (eigentliche Psychoanalyse) finden die Sitzungen 3-4 Mal pro Woche statt. Eine komplette Therapie kann mehr als 10 Jahre in Anspruch nehmen. Der Therapeut sitzt dabei üblicherweise außerhalb des Gesichtsfeldes des Patienten, während dieser auf einer Couch liegt. Durch die liegende Position soll eine bessere Entspannung des Patienten und eine Aufmerksamkeitslenkung auf seine Seelenwelt erzielt werden. Durch eine Förderung der Regression wird ein erneutes Erleben und die Reaktivierung von alten seelischen Konflikten ermöglicht.

Diese Seite wurde zuletzt am 28. April 2020 um 13:05 Uhr bearbeitet.

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