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Probiotikum

(Weitergeleitet von Probiotika)

Von lateinisch: pro - für; griechisch: bios - Leben
Handelsnamen: Mutaflor®, Paidoflor®, Perenterol® u.a.
Englisch: probiotics

1 Definition

Probiotika sind definiert als lebende Mikroorganismen, die, wenn sie in ausreichender Menge verabreicht werden, einen gesundheitlichen Nutzen für den Wirt haben (können).

2 Hintergrund

Nicht pathogene Mikrooganismen besiedeln den menschlichen Körper auf vielfältige Art und beeinflussen die Gesundheit und den Stoffwechsel als Kommensale positiv. Bekanntes Beispiel ist die mikrobielle Besiedelung des Darms. Ein Ungleichgewicht des Mikrobioms und/oder eine Fehlbesiedelung mit pathogenen Erregern in bzw. an menschlichen Organen, Geweben und Schleimhäuten kann Krankheiten auslösen bzw. begünstigen.

3 Wirkung

Zu den probiotischen Mikroorganismen gehören vor allem Vertreter der Laktobazillen, Bifidobakterien und Hefen wie Saccharomyces boulardii. Sie werden in Form von Nahrungsergänzungsmitteln zur Therapie und Prävention von Krankheiten eingesetzt. Der Wirkmechanismus kann dabei unterschiedlich sein:

  • kompetitive Verdrängung von pathogenen Erregern u.a. durch
    • Abbau benötigter Substrate oder Besetzung von Rezeptoren
    • Produktion von antimikrobiellen Substanzen
    • Verminderung des pH-Werts
  • Aktivierung des Immunsystems im Wirt: Einige probiotische Mikroorganismen lösen im Rahmen der Adhesion an Epithelzellen Signalkaskaden aus, die zur Ausschüttung von Zytokinen führen.

4 Einsatz

Probiotika werden vor allem zur Behandlung von gastrointestinalen Beschwerden wie Durchfallerkrankungen (z.B. Clostridium-difficile-assoziierte Diarrhö) eingesetzt. Eine präventive Einnahme im Rahmen von Antibiotikatherapien zum Schutz der "guten" Darmflora ist ebenfalls möglich.

Kontrovers diskutiert wird der Nutzen von probiotischen Lebensmitteln, vor allem Joghurts bzw. Joghurtdrinks. Diese enthalten z.T. speziell gezüchtete und patentierte Stämme probiotischer Bakterien. Inwiefern ein täglicher Verzehr dieser Produkte einen gesundheitlichen Nutzen hat, ist unklar.

5 Kontraindikationen

Aufgrund von systemischen Pilzinfektionen nach probiotischer Behandlung gelten schwerste Erkrankungen, Immunsuppression, zentrale Venenkatheter sowie periphere Katheter als Kontraindikationen für eine Therapie mit Probiotika. Sogar von Todesfällen aufgrund von Fungämien nach Probiotika-Therapie wurde berichtet. Besonders vor der Einnahme von Saccharomyces boulardii und Enterococcus faecium sollten die Gegenanzeigen beachtet werden. Da eine Kontamination über Raumluft und Hände möglich ist, sollte die Handhabung der Medikamente stets mit Handschuhen und im gegebenen Fall außerhalb des Krankenzimmers von schwerkranken Patienten erfolgen.

6 Literatur

  • Hemaiswarya et al Mechanism of Action of Probiotics. Braz. Arch. Biol. Technol, 2013

Diese Seite wurde zuletzt am 29. März 2021 um 17:31 Uhr bearbeitet.

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