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Nierenzyste

Englisch: renal cyst

1 Definition

Bei einer Nierenzyste handelt es sich um einen flüssigkeitsgefüllten Hohlraum der Niere.

2 Ursachen

Die Entstehung von Nierenzsyten ist nicht ganz geklärt. Es handelt sich um keine genetisch vererbbare Erkrankung, allerdings können gewisse Entwicklungsanomalien vorliegen, die ihrerseits wiederum vererbbar sind und so zur Entstehung von Nierenzysten beitragen. Sie kommen selten vor dem 50. Lebensjahr vor und entwickeln sich oft im Rahmen weiterer Erkrankungen wie

3 Klassifikation nach Bosniak

Nach der Bosniak-Klassifikation werden vier Typen von Nierenzysten unterschieden:[1]

  • Typ I: Unkomplizierte dünnwandige benigne Nierenzyste von rundlicher Konfiguration und homogener Binnenstruktur.
  • Typ II: Gutartige zystische Läsion mit geringen Binnenstrukturen (z.B. kleinen Septen) und Kalziumeinlagerungen in der Wand.
    • Typ IIF: Zystische Läsion mit Binnenstrukturen (z.B. Septen oder kleinen Verkalkungen), welche verlaufskontrolliert werden sollte (F = follow up).
  • Typ III: Unregelmäßige Struktur mit teilweise verdickter Wand. Eine Neoplasie kann nicht ausgeschlossen werden. Eine chirurgische Intervention wird empfohlen.
  • Typ IV: Zystisches Malignom

4 Symptome

Meistens bleiben Nierenzysten unbemerkt und werden zufällig bei einer Untersuchung entdeckt. Sie können jedoch auch zu einem Druckschmerz und damit verbundenen Unterbauchschmerzen oder durch das Blockieren des Nierenbeckens oder Ureterabgangs zu einem Harnstau führen. Es können auch Entzündungen und eine renale Hypertonie resultieren.

5 Diagnose

Nierenzysten zählen zum Kreis der häufigsten Nebendiagnosen in der abdominellen Bildgebung. Hierbei werden kleinere Zysten eher zufällig entdeckt, während große Zysten aufgrund der damit zusammenhängenden Symptomatik im Rahmen einer Untersuchung diagnostiziert werden. Simple Nierenzysten (Bosniak I) sind nicht kontrollbedürftig, können sich jedoch symptomatisch äußern, z.B. durch Kompression von Nachbarstrukturen oder aszendierende Infektionen.

5.1 Konventionelle Sonographie

Die konventionelle Sonographie ist das wichtigste Routineverfahren, das zur Entdeckung von Nierenzysten führt. Kriterien für einfache Nierenzysten sind:

  • echofreier Inhalt ohne Septen
  • runder bis ovaler Querschnitt
  • keine Verdickung der Zystenwand
  • keine Verkalkungen
  • dorsale Schallverstärkung

5.2 Computertomographie

Die Computertomographie ist das wichtigste Diagnoseverfahren zur Einordnung zystischer Nierenveränderungen, auch dadurch bedingt, dass die Bosniak-Klassifikation auf CT-Befunden basiert. Es ist bei einem suspektem Sonographiebefund indiziert, z.B. bei Septierung, Zystencluster, Wandverstärkung oder Verkalkung sowie echogenem Inhalt der Zyste.

5.3 Magnetresonanztomographie

In der jüngeren Vergangenheit wurde eine Anpassung der Bosniak-Klassifikation an die vermehrt durchgeführte Magnetresonanztomographie (MRT) vorgenommen, die den Vorteil der fehlenden Strahlenbelastung hat. Allerdings kann es durch die verbesserte Weichteildarstellung des MRTs zur Missklassifikation kommen.

5.4 Kontrastmittelverstärkte Sonographie

Durch die Entwicklung neuer Kontrastmittel (KM) kommt der kontrastmittelverstärkte Ultraschall (CEUS) in der Evaluation von Nierenzysten vermehrt zum Einsatz. Studien haben eine gute Vergleichbarkeit der CEUS mit der Bosniak-Klassifikation in der CT gezeigt. Es können jedoch kleinste KM-Mengen (und somit kleinste KM-aufnehmende Septen) dargestellt werden, was zu einer Einstufung in eine höhere Bosniak-Kategorie führen kann. Solide, KM-aufnehmende Weichteilanteile stellen das wichtigste Kriterium zur Abgrenzung des Nierenzellkarzinoms als wichtigste Differentialdiagnose dar.

Die letzten drei Verfahren (CT, MRT, CEUS) zeigen eine hohe Sensitivität in der Detektion von Malignität. Zur Verlaufskontrolle simpler oder minimal komplexer Nierenzysten kann auch die konventionelle B-Mode-Sonographie verwendet werden (Verkalkungen, Größenkontrolle). Durch fehlende Darstellung einer Kontrastmittelaufnahme hat sie jedoch nur geringen Stellenwert.

6 Therapie

Auch hier ist das Vorgehen größenabhängig. Kleinere Zysten werden als harmlos betrachtet und daher nicht behandelt. Große Nierenzsyten hingegen können punktiert werden.

7 Quellen

  1. Israel GM and Bosniak MA: How I do it: evaluating renal masses, Radiology, 2005

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Fachgebiete: Urologie

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