AV-Block 2. Grades
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Loslegennach dem deutsch-russischen Internisten Woldemar Mobitz (1889–1951) und dem niederländischen Internisten Karel Frederik Wenckebach (1864–1940)
Synonyme: Mobitz-Block, Wenckebach-Block
Englisch: second-degree atrioventricular block
Definition
Der AV-Block 2. Grades ist eine Form des AV-Blocks, die durch eine inkomplette Blockierung des AV-Knotens gekennzeichnet ist.
siehe auch: AV-Block 2. Grades Typ Mobitz I, AV-Block 2. Grades Typ Mobitz II
Ätiologie
Ein AV-Block 2. Grades kann durch verschiedene kardiale und extrakardiale Ursachen entstehen.
Pathophysiologie
Bei einem AV-Block 2. Grades werden einzelne Erregungen nicht vom Vorhof auf die Kammer übertragen. Die Kammerfrequenz sinkt unter die Frequenz des Sinusknotens ab und wird durch das Verhältnis von übergeleiteten zu nicht übergeleiteten Erregungen bestimmt.
Formen
Bei AV-Blöcken 2. Grades wird zwischen Mobitz-Blöcken Typ I und II unterschieden. Ein AV-Block Mobitz Typ II ist eine Indikation zur Anlage eines Herzschrittmachers.
AV-Block Typ Mobitz I (Wenckebach-Block)
Im EKG ist ein mit jeder Herzaktion länger werdendes PQ-Intervall festzustellen. Die Verlängerung des PQ-Intervalls schreitet bis zum kompletten Ausfall einer Überleitung fort. Danach kommt es wieder zu einer schlagweisen Verlängerung des PQ-Intervalls (Wenckebach-Periodik). Bei einem AV-Block Typ Mobitz I liegt die Blockierung meistens auf Höhe des AV-Knotens (generell gute Prognose). In einem Teil der Fälle kann die Blockierung jedoch auch infranodal bzw. infrahissär lokalisiert sein – diese Variante ist prognostisch ungünstiger.
Atypische Wenckebach-Perioden mit konstant erscheinendem PQ-Intervall können einem Mobitz-II-Block ähneln und werden in der Praxis häufig fehlinterpretiert.[1]
AV-Block Typ Mobitz II
Beim AV-Block Mobitz-Typ II ist das PQ-Intervall konstant – im Gegensatz zum Typ I verlängert es sich also nicht von Schlag zu Schlag. Allerdings wird gelegentlich eine Vorhofaktion gar nicht auf die Kammern übergeleitet: Im EKG erscheint eine P-Welle ohne nachfolgenden QRS-Komplex. Wie oft das passiert, beschreibt das Überleitungsverhältnis. Bei einem 2:1-Block wird nur jede zweite P-Welle auf die Kammer übergeleitet – die Kammer schlägt also nur halb so oft wie der Vorhof. Bei einem 3:1-Block werden zwei von drei aufeinanderfolgenden Vorhofaktionen blockiert (zwei P-Wellen ohne nachfolgenden QRS-Komplex).
Ein 2:1-Block ist ein Sonderfall: Da immer nur jeder zweite Schlag ankommt, kann im EKG nicht erkannt werden, ob das PQ-Intervall konstant ist oder sich verlängern würde. Eine eindeutige Zuordnung zu Mobitz I oder Mobitz II ist hier allein anhand des Oberflächen-EKGs nicht möglich.[1]
Ein korrekt identifizierter Mobitz-II-Block liegt stets auf Ebene des His-Purkinje-Systems (infranodal/infrahissär) und ist damit prognostisch deutlich ungünstiger als ein Typ-I-Block.
Differenzialdiagnosen
- AV-Block 1. Grades
- AV-Block 3. Grades
- 2:1-SA-Block
- Pseudo-AV-Block durch ventrikuläre Extrasystolen
Therapie
Der AV-Block 2. Grades Typ Mobitz I (Wenckebach) wird in der Regel bei asymptomatischen Patienten nicht behandelt. Gegebenenfalls können eine Behandlung der Grunderkrankung (z.B. Myokarditis, Borreliose) und ein Elektrolytausgleich notwendig sein. Auslösende Medikamente (z.B. Digitalisglykoside, Betablocker, Calciumantagonisten) sollten nach Möglichkeit abgesetzt werden.
Ein permanenter AV-Block 2. Grades Typ Mobitz II wird durch Implantation eines Herzschrittmachers behandelt – auch bei asymptomatischen Patienten, da das Risiko eines Übergangs in einen totalen AV-Block besteht.[2]
Die Gabe von Atropin ist beim AV-Block Typ Mobitz II kontraindiziert. Atropin erhöht die Sinusrate, ohne die infranodal gelegene Blockierung zu lösen – dies kann die ventrikuläre Frequenz paradoxerweise weiter senken und einen totalen AV-Block provozieren.
Prognose
Der AV-Block Typ Mobitz I hat bei nodaler Lokalisation eine gute Prognose und geht selten in einen höhergradigen Block über. Der AV-Block Typ Mobitz II hingegen hat eine deutlich schlechtere Prognose: Ohne Schrittmacherversorgung besteht ein erhebliches Risiko für den plötzlichen Übergang in einen kompletten AV-Block mit der Gefahr eines Herzstillstands.
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 Barold et al., Mobitz type II second-degree atrioventricular block: a commonly overdiagnosed and misinterpreted arrhythmia, Front Cardiovasc Med, 2024
- ↑ Glikson et al., 2021 ESC Guidelines on cardiac pacing and cardiac resynchronization therapy, Rev Esp Cardiol (Engl Ed), 2022