Marquis-Reagenz
Synonyme: Marquis-Reaktion, Marquis-Test
Englisch: Marquis reagent
Definition
Das Marquis-Reagenz ist eine farbbasierte Nachweisreaktion aus Formaldehyd und konzentrierter Schwefelsäure, die vor allem zur orientierenden Identifizierung psychoaktiver Substanzen eingesetzt wird.
Geschichte
Das Reagenz wurde 1896 von dem russischen Pharmazeuten Eduard Marquis beschrieben, der es ursprünglich zur Unterscheidung von Morphinalkaloiden entwickelte.
Zusammensetzung
Das Reagenz besteht aus einer Mischung von Formaldehyd (meist als 37–40%ige wässrige Lösung, Formalin) und konzentrierter Schwefelsäure. Das übliche Volumenverhältnis beträgt etwa 1:20 (Formalin zu konzentrierter Schwefelsäure).[1] Aufgrund der stark exothermen Reaktion von konzentrierter Schwefelsäure mit Wasser sowie der Toxizität und Kanzerogenität von Formaldehyd ist bei der Herstellung und Anwendung entsprechender Arbeitsschutz notwendig.
Prinzip
Das Marquis-Reagenz reagiert mit zahlreichen organischen Substanzen unter Bildung charakteristisch gefärbter Kondensations- und Oxidationsprodukte. Durch die säurekatalysierte Reaktion von Formaldehyd mit aromatischen oder alkaloidischen Strukturen entstehen farbige Produkte, deren Farbe Rückschlüsse auf Substanzklassen erlaubt. Die initiale Farbentwicklung erfolgt meist innerhalb weniger Sekunden und sollte zeitnah (typischerweise innerhalb der ersten Minute) beurteilt werden.
Anwendung
Die Marquis-Reaktion wird insbesondere eingesetzt:
- in der forensischen Chemie zur orientierenden Identifizierung von Betäubungsmitteln
- im Rahmen des Drug-Checkings als Schnelltest (Tüpfelanalyse)
- als Vortest vor instrumenteller Analytik (z.B. GC-MS)
Zur Durchführung wird ein kleiner Teil der zu untersuchenden Substanz mit einem Tropfen des Reagenz versetzt und die entstehende Farbreaktion beobachtet.
Typische Farbreaktionen
Beispiele für charakteristische Farbentwicklungen:
| Substanz | Farbreaktion |
|---|---|
| Heroin, Morphin, Codein | violett bis purpur |
| Amphetamin, Methamphetamin | orange bis rotbraun |
| MDMA, MDA, MDEA | dunkelviolett bis schwarz |
| Mescalin | orange |
Die angegebenen Farben sind Anhaltswerte und können je nach Reinheit, Konzentration und Umgebungsbedingungen variieren. Mehrere unterschiedliche Substanzen können identische oder ähnliche Farbreaktionen zeigen.
Einschränkungen
Die Marquis-Reaktion liefert keinen spezifischen Nachweis einer Einzelsubstanz. Beimengungen, Streckmittel oder Abbauprodukte können die Farbreaktion maskieren oder verfälschen. Ein negatives Ergebnis schließt das Vorhandensein einer bestimmten Substanz nicht sicher aus, ein positives Ergebnis ist lediglich hinweisend. Für eine eindeutige Identifizierung sind instrumentell-analytische Verfahren erforderlich.
Quelle
- ↑ Samuels JE. Color Test Reagents/Kits for Preliminary Identification of Drugs of Abuse. National Institute of Justice, 2000.