Lippenmuskulatur
Synonyme: periorale Muskulatur, Mundmuskulatur
Englisch: perioral muscles, muscles of the lips
Definition
Die Lippenmuskulatur umfasst eine funktionelle Gruppe mimischer Muskeln, die die Form, Spannung und Bewegung der Lippen steuern. Sie ermöglicht Lippenschluss, Mundöffnung, differenzierte mimische Ausdrucksformen sowie komplexe Bewegungsabläufe bei Artikulation, Nahrungsaufnahme und nonverbaler Kommunikation.
Embryologie
Embryologisch zählen die Muskeln zu den Derivaten des zweiten Schlundbogens und werden motorisch vom Nervus facialis (VII) innerviert. Die Differenzierung erfolgt in der 6.–8. Embryonalwoche parallel zur Gesichtsentwicklung.
Funktionelle Anatomie
Die Lippenmuskulatur besteht aus konzentrisch um die Mundöffnung angeordneten sowie radiär einstrahlenden Muskeln. Funktionell unterscheidet man:
- Schließmuskulatur
- Elevatoren der Oberlippe und Mundwinkel
- Depressoren der Unterlippe und Mundwinkel
- Laterale Zugmuskulatur
- Wangenmuskulatur mit funktioneller Einbindung in den Lippenschluss
Muskeln
- Musculus orbicularis oris
- Musculus levator labii superioris
- Musculus levator labii superioris alaeque nasi
- Musculus levator anguli oris
- Musculus zygomaticus major
- Musculus zygomaticus minor
- Musculus depressor labii inferioris
- Musculus depressor anguli oris
- Musculus mentalis
- Musculus buccinator
- Musculus risorius
Innervation
Die sensible Innervation der mimischen Muskulatur erfolgt über die Haut und das subkutane Gewebe, das die Muskeln bedeckt. Sie wird durch Äste des Nervus trigeminus (Nervus V) gewährleistet, wobei die jeweiligen Hautareale über den Muskeln von unterschiedlichen Ästen innerviert werden.
Klinische Bedeutung
Die Lippenmuskulatur ist bei folgenden Krankheitsbildern relevant:
- Fazialisparese: herabhängender Mundwinkel, unvollständiger Lippenschluss, Unfähigkeit zu pfeifen oder die Wangen aufzublasen
- Lippen-Kiefer-Gaumenspalten
- traumatische Defekte
- Resektionen im Bereich der Lippen
In der ästhetischen Medizin wird Botulinumtoxin in den Musculus orbicularis oris injiziert, um das Lippenrot zu betonen (Lip Flip) oder periorale Falten zu glätten. Dieser Eingriff wird auch zur Behandlung eines Zahnfleischlächelns ("gummy smile") genutzt.
Bei herabhängenden Mundwinkeln kann Botulinumtoxin in den Musculus depressor anguli oris injiziert werden, um den Tonus des Muskels zu verringern.