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Labordiagnostik beim Herzinfarkt

1 Definition

Die Labordiagnostik beim Herzinfarkt ist neben der klinischen Symptomatik und den EKG-Infarktzeichen eine Säule der Diagnostik bei Verdacht auf Herzinfarkt.

2 Übersicht

Bei einer Schädigung des Myokards werden in den Herzmuskelzellen enthaltene Enzyme (Proteine) in den Blutkreislauf freigesetzt. Ihre Konzentration lässt sich aus dem Serum bestimmen. Zur Infarktdiagnostik geeignete Proteine sind:

Parameter Anstieg nach Infarkt [h] Maximum [h] Normalisierung
GPBB 0 bis 1 6 bis 10 2 Tage
Myoglobin 1 bis 4 6 bis 12 1 Tag
Troponin T 3 bis 8 12 bis 96 2 Wochen
Troponin I 3 bis 8 14 bis 36 8 bis 10 Tage
CK 3 bis 12 12 bis 24 3 bis 6 Tage
CK-MB 3 bis 12 12 bis 24 2 bis 3 Tage
GOT 6 bis 12 18 bis 36 3 bis 6 Tage
LDH 6 bis 12 18 bis 144 7 bis 15 Tage

3 Einzelparameter

Jeder Laborparameter hat in der Diagnostik Vor- und Nachteile. So steigt die Konzentration einiger Proteine sehr schnell an, hat aber beim Herzinfarkt eine geringe Spezifität. Andere Proteine steigen später an, haben jedoch eine hundertprozentige Sensitivität und Spezifität. Im Folgenden sind die Charakteristika der einzelnen Laborparameter zusammengefasst.

3.1 Myoglobin

Myoglobin steigt bereits nach 1-4 Stunden im Serum an und erreicht innerhalb von 12 Stunden den maximalen Anstieg. Jedoch normalisieren sich die Werte innerhalb eines Tages vollständig, da das Myoglobin eine sehr kurze biologische Halbwertszeit hat.

Die Sensitivität des Myoglobins ist in den ersten 6 Stunden hoch, die Spezifität aus den gleichen Gründen wie beim CK-MB jedoch stark eingeschränkt.

3.2 Troponine

Die Troponine sind die aussagekräftigsten Laborwerte bei Verdacht auf Myokardinfarkt. Sie erfassen dank hoher Sensitivität auch minimale Herzmuskelschäden (Mikronekrosen).

Troponin T steigt 3 bis 8 Stunden nach einem Herzinfarkt an, der maximale Anstieg erfolgt innerhalb von vier Tagen, eine Normalisierung der Werte nach maximal 2 Wochen. Troponin T ist ein kardiales Isoenzym, welches unter Normalbedingungen nur im Herzmuskel synthetisiert wird. Die Sensitivität und Spezifität des Troponin T sind demnach sehr hoch. Jedoch kann in bestimmten Situationen die Spezifität eingeschränkt sein:

  • Niereninsuffizienz (Ausscheidungsstörung)
  • chronische Muskelerkrankungen (z.B. Polymyositis)
  • extreme Skelettmuskelbelastungen (Marathonläufer, Soldaten nach Gewaltmarsch etc.)

Es kann nicht absolut ausgeschlossen werden, dass der Skelettmuskel in bestimmten Situationen doch Troponin T synthetisiert und freisetzt.

Troponin I weist diese Nachteile nicht auf. Die Sensitivität und Spezifität liegen bei 100 %. Troponin I steigt wie das Troponin T 3 bis 8 Stunden nach einem Herzinfarkt an, der maximale Anstieg erfolgt jedoch bereits innerhalb von 24 Stunden, eine Normalisierung der Werte innerhalb von 10 Tagen. Daher sind ältere Infarkte eher mit Troponin T nachzuweisen.

Hochsensitive Troponin-T- (hsTnT) bzw. Troponin-I-Tests (hsTnI) haben eine niedrigere Nachweisgrenze als die traditionellen Verfahren. Dadurch kann die Zeit bis zur Diagnosestellung weiter verkürzt werden, weil man den Enzymanstieg früher detektiert.

3.3 CK-MB

Die CK-MB steigt 3-12 Stunden nach einem Herzinfarkt an, das Maximum des Anstiegs wird innerhalb von 24 Stunden erreicht. Die Werte normalisieren sich innerhalb von 2-3 Tagen. Die Aussagekraft der CK-MB als Infarktmarker ist dadurch eingeschränkt, dass die CK-MB auch bei Verletzungen des Skelettmuskels ansteigen kann. Ist bei Verdacht auf einen Herzinfarkt die CK erhöht, steigt der Anteil des Isoenzyms CK-MB sehr schnell und beträgt sein Anteil über 6%, spricht dies für einen Herzinfarkt.

Die Sensitivität und Spezifität sind jedoch eingeschränkt. Andere Gründe für eine CK-MB-Erhöhung sind unter anderem:

3.4 GOT

Die GOT ist eigentlich ein Parameter zur Beurteilung einer Leberschädigung. Als mitochondriales Enzym eignet sich die GOT jedoch auch zur Diagnostik im Rahmen eines Herzinfarkts. Die GOT steigt 4-8 Stunden nach Infarkt an, der maximale Anstieg wird innerhalb von 48 Stunden erreicht, eine Normalisierung der GOT erfolgt innerhalb von 6 Tagen. Der De-Ritis-Quotient erreicht bei einem Herzinfarkt nicht selten Werte um 2.

Die Spezifität der GOT ist bei gleichzeitiger Lebererkrankung stark eingeschränkt. Eine Beurteilung der GOT sollte immer zusammen mit der GPT erfolgen.

  • Cave: Ein Anstieg der GPT kann auch bei einem Herzinfarkt auftreten, wenn es durch infarktbedingtes Rechtsversagen zur Leberstauung kommt.

3.5 GPBB

Die Glykogenphosphorylase BB (GPBB) steigt bereits innerhalb der ersten Stunde nach Beginn der Symptome an und erreicht ihren maximalen Wert nach ca. 8 Stunden. Sie normalisiert sich nach ca. 40 Stunden. GPBB kann als Ischämiemarker bezeichnet werden, da sie bereits bei alleinigem Sauerstoffmangel ins Blut gelangt. Damit ist sie teilweise sogar schon vor der eigentlichen Myokardzell-Nekrose erhöht.

Studien zeigen, dass GPBB sehr hohe Werte bei der Sensitivität und Spezifität erreicht. Die Untersuchung hat sich im klinischen Routinebetrieb jedoch zur Zeit (2021) noch nicht etabliert.

4 Vorgehen

Die einzelnen Laborparameter müssen immer in Zusammenschau mit dem EKG und der klinischen Situation angefordert und beurteilt werden. Anstiege des Myoglobins und der GOT sind Verdachtsmomente, die durch spezifischere Untersuchungen ergänzt werden müssen. Die CK-MB erhärtet den Verdacht, die Troponine, insbesondere das Troponin I sind innerhalb des Nachweisfensters beweisend für einen Herzinfarkt, auch wenn das EKG blande ist. Die Labordiagnostik sollte bei Verdacht auf Herzinfarkt initial erfolgen und nach 8 Stunden wiederholt werden.

5 Schnelltests

Aufgrund der dringlichen Indikation kommen bei der Versorgung von Infarktpatienten häufig Troponin-Schnelltests zum Einsatz. Dabei wird ein Tropfen Blut auf ein Probenfeld aufgetragen. Die Ablesung erfolgt anhand von Streifen im Testfeld:

  • Positiver Befund: 2 Streifen im Testfeld
  • Negativer Befund: Ein Streifen im Test

Wenn kein Streifen erscheint, ist der Test ungültig.

Diese Seite wurde zuletzt am 14. Oktober 2021 um 13:50 Uhr bearbeitet.

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